PwC-Studie: Steuerlast für Mittelstand steigt

Deutsche Unternehmen müssen mehr Steuern und Abgaben zahlen als die internationale Konkurrenz. Steuer- und Abgabenquote und Steuerbürokratie wurden in einer Studie weltweit verglichen. Deutschland fällt im Steuerranking um 17 Plätze. Schuld daran hat auch das Auslaufen einer Krisenregelung, der sogenannten degressiven Abschreibung.

Weltweit sinkt die Steuer- und Abgabenlast für mittelständische Unternehmen. Nur in Deutschland nicht. Diese Mehrbelastungen setzen den Mittelstand unter Druck, wie die Studie „Paying Taxes 2014“ von PricewaterhouseCoopers (PwC) belegt. Dafür wurden die Steuerbelastungen und Steuerbürokratie eines fiktiven Modellunternehmens mit 60 Mitarbeitern und mehreren Gesellschaftern international verglichen.

Die Gesamtbelastung – also der Anteil aller Steuern und Abgaben am Gewinn – ist von 46,8 Prozent im Jahr 2012 auf 49,4 Prozent in diesem Jahr gestiegen. Im weltweiten Steuerranking unter 189 Ländern fällt Deutschland um viele Plätze zurück: Von Platz 72 auf Platz 89. Andere EU-Länder platzieren sich weiter vorn: Finnland (Platz 21), Niederlande (Platz 28) oder Frankreich (Platz 53).

EU-weit ist die Steuer- und Abgabenquote in nur sieben Ländern höher als in Deutschland. Am  niedrigsten ist die Quote EU-weit in Kroatien (19,8 Prozent), Luxemburg (20,7 Prozent) und Zypern (22,5 Prozent).

Im weltweiten Durchschnitt zahlen die Unternehmen 43,1 Prozent.

Ein Grund für die hohe Belastung der deutschen Mittelständler ist eine Änderung der Abschreibungsregel, der sogenannten degressiven Abschreibung für Wirtschaftsgüter. So konnten Unternehmen kostenintensive Abschaffungen zum Großteil direkt nach dem Kauf abschreiben, um so die Steuern zu senken. Das Auslaufen dieser deutschen Regel hat die Unternehmen im internationalen Vergleich stärker belastet.

Ein weiterer Grund für das Studienergebnis ist, dass nicht nur die direkten Steuern auf das Unternehmen gewertet wurden, sondern auch alle anderen Steuern und Abgaben, die die Firma leisten muss. Die Anteile von Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung machen im Schnitt 22 Prozent der Gewinne des fiktiven Modellunternehmens in der PwC-Studie aus. Weitere 23 Prozent machen die eigentlichen Unternehmensgewinne, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag aus. Berücksichtigt wurden hier auch versteckte Steuern wie Energiesteuer, Grundsteuer, Versicherungssteuer und Lkw-Maut.

Dass Beiträge in Deutschland an vier Sozialversicherungen abgeführt werden müssen, kostet die Unternehmer in weiterer Folge hunderte Stunden Arbeitsaufwand. Diese Steuerbürokratie stieg in den vergangenen zwölf Monaten um elf Stunden auf insgesamt 218 Stunden.

Kommentare

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  1. Brigitte sagt:

    Hmmm, warum nicht? Investitionen sollten, sofern es die Unternehmer wollen, sofort abgeschrieben werden dürfen. Doch sollte dabei die steuerliche Belastung, welche auf den Rücken der Arbeitnehmer liegt, aufgeteilt werden und zwar prozentual einheitlich auf die Arbeitnehmerentgelte, Abschreibungen (Investitionen) und jeglichen Gewinn.

    Der Effekt wäre, dass die Arbeitnehmer ihre Leistung günstiger anbieten könnten und so wieder, innerhalb der Unternehmen, konkurrenzfähig gegenüber den Investitionen wären. Da gerade in exportorientierten Unternehmen ein sehr großer Maschinenpark eingesetzt wird, werden sich deren Produkte verteuern. Profitieren werden Unternehmen, welche viele Menschen beschäftigen, wie Krankenhäuser, Kaufhäuser, etc.. Und nicht nur das. Durch eine prozentual einheitliche Steuer auf alle Löhne wäre der Verwaltungsaufwand hierfür sehr gering. Wenn man bedenkt, dass diese Steuer letztendlich vom Konsumenten/Investor zu tragen und dem Arbeitnehmer vor allem der Nettolohn wichtig ist, wäre dies ein Weg zu weniger Bürokratie.

    Vor allem die Arbeitnehmer würden davon profitieren, da nun eine höhere Nachfrage nach deren Arbeit besteht.

    Brigitte