Versicherungen bekommen Konkurrenz von Amazon und Google

Internet-Giganten wie Google und Amazon verschärfen die Konkurrenz zu den traditionellen Versicherungsgesellschaften. Digitale Policen gewinnen an Bedeutung. Die Versicherungsbranche muss sich modernisieren, um mit den neuen Akteuren mithalten zu können.

Bereits elf Prozent beträgt der Anteil digital abgeschlossener Assekuranzen am Neugeschäftsvolumen. Die Firma Accenture geht laut einer Studie von einer Steigerung auf 18 Prozent im nächsten Jahr aus. Das traditionelle Versicherungswesen gerät durch die effizienter strukturierte Konkurrenz unter Druck. Netz-Giganten wie Google und Amazon drängen auf den Markt.

„Die Bewegung hin zu einem digitalen Geschäftsmodell ist für Versicherer unumgänglich“, so Thomas Meyer, Country Managing Director Accenture Schweiz. Er weist damit auf eine entscheidende Strukturschwäche in der Absatzpolitik der Versicherer hin: 60 Prozent der europäischen Versicherer räumen ein, nur eine unzureichende oder gar keine digitale Vertriebsstrategie zu verfolgen.

„So viel Bedrohung für die Branche gab es lange nicht mehr“, sagte Felix Hufeld, Exekutivdirektor für Versicherungsaufsicht bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf dem „Zukunftsforum Assekuranz 2013“.

Neben dem Druck zu mehr Prozessinnovation gehören auch Einflussgrößen aus dem Bereich Demographie, Verbraucherschutz, Klimawandel und Politik zu den wesentlichen Umweltfaktoren. Bis 2016 investieren die Versicherer mehhr in die IT als in den Vertrieb. Mobile Enterprises und mobile Apps werden entwickelt, um die Branche fit für das 21. Jahrhundert zu machen.

Der Vorstandsvorsitzender der Zurich Gruppe, Ralph Brand, mahnt einen Paradigmenwechsel an: Kundenorientierung statt Produktoptimierung. „Der Versicherungsmarkt der Zukunft wird zusätzlich mit sehr viel mehr Dynamik aufwarten.“  Die Branche werde sich anpassen müssen. „Das wird alle zukunftsorientierten Versicherungsanbieter zu noch effizienteren Strukturen zwingen.“

Aus der Anpassungskrise des Versicherungswesens ergeben sich zwei Schlussfolgerungen: Zum einen muss die bisher in Sparten getrennte Branche stärker zusammenwachsen, damit eine ganzheitliche Sicht auf die Kundenbedürfnisse ermöglicht wird („Customer Lifetime Value“). Zum anderen muss dieser Perspektivwechsel von einem Prozess der technischen Effizienzsteigerung begleitet werden.

Nach der Accenture-Studie scheint das von Brand angemahnte Umdenken wenigstens in Gang zu sein: 59 Prozent der Versicherer sehen in ihrer Digitalisierungsstrategie die vollständige Kundenorientierung als Hauptziel. Daneben gilt die Verbesserung der internen Kommunikation als wichtig.

Kommentare

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  1. Angie sagt:

    Finger weg von Versicherungsvermittlungen durch Amazon oder Google, denn diese vermitteln in erster Linie US-Versicherer und diese haben viel zu viele Klauseln in ihren Policen und für sie ist das Wort „Kulanz“ ein absolutes Fremdwort.

    Davor kann man nur warnen!!!

  2. Angie sagt:

    Das würde mir als allerletzte Versicherungsoption einfallen, mich ausgerechnet über Amazon oder Google, vermutlich auch noch bei amerikanischen Konzernen versichern zu lassen. Das Chaos steht schon Schlange, denn alles wird dabei viel undurchsichtiger.

    Aus persönlicher Erfahrung kann ich davon nur jeden Menschen abraten, denn, wenn es um das Kleingedruckte und vor allem ans Zahlen geht, sind die US-Versicherungskonzerne die größten Drückeberger. Doch auch deutsche Versicherungsgesellschaften stehen dabei nicht hinten an.

  3. Charlie sagt:

    Zum einen muss die bisher in Sparten getrennte Branche stärker zusammenwachsen, damit eine ganzheitliche Sicht auf die Kundenbedürfnisse ermöglicht wird („Customer Lifetime Value“). Zum anderen muss dieser Perspektivwechsel von einem Prozess der technischen Effizienzsteigerung begleitet werden.

    Kundenorientierung statt Produktoptimierung.

    Lippenbekenntnisse, mehr nicht. Der Kunde ist und bleibt der Arsch, sorry, aber so ist es nun mal, daran hat sich seit Jahrzehnten nichts geändert.

    Es um die Provision, um sonst gar nichts, vielleicht noch um die Dividende bei AGs.

    Es geht es bei fast allen Versicherungen ausschließlich darum, die Kunden abzuzocken, wo es nur geht, Provision abzocken und danach die Süntflut.

    Risikolebensversicherungen, die in Kaptitallebensversicherungen umgewandelt werden sollten auf Auftrag – und dann ist der Antrag leider nicht rechtzeitig / nie eingegangen, tja Pech, Geld futsch. Dumm gelaufen.

    Berufsunfähigkeitsversicherungen, die nicht zahlen oder die Zahlung ewig herauszögern, dass man klagen muss. Versicherter tot, so geht’s. Kammanixmachen.

    Lebensversicherungen, bei denen die Rendite inflationsbereinigt negativ ist – und inzwischen dürfen sie sogar irgendwann mal zahlen, wenn sie wieder flüssig sind, ob der Kunde damit einen Immobilienkredit ablösen will, who cares, Hauptsache der Versicherung geht es gut. Haus versteigern, was soll’s.

    Krankenzusatzversicherungen, die im Zeitraum von ca. 2001 bis 2013 den Beitragssatz von 21,00 Euro auf sage und schreibe 108 Euro angehoben haben, alles ganz legal!

    Krankenversicherungen wie die TK, die einfach mal den Rückerstattung einbehalten, wenn nicht der volle Beitrag über das ganze Jahr vom Versicherten geleistet wurde!

    Und, und, und….

  4. Charlie sagt:

    60 Prozent der europäischen Versicherer räumen ein, nur eine unzureichende oder gar keine digitale Vertriebsstrategie zu verfolgen.
    Warum auch, wenn’s pressiert, lassen sie sich retten oder verweigern einfach die Auszahlung – aber schuld sind natürlcih die anderen.