Deutscher Mittelstand geht hohes Risiko ein

Die Risikobereitschaft mittelständischer Unternehmer ist hoch. Ihr Risikomanagement ist aber nicht ausgereift. Vielen Mittelständlern ist eine Auswertung der Maßnahmen zur Risikovermeidung zu aufwendig und zu zeitintensiv. Dabei stärkt die Vermeidung von Risiken die Nachhaltigkeit des Unternehmens.

Die Risikobereitschaft mittelständischer Unternehmen ist hoch. In einer Umfrage des TÜV Rheinland gaben 8 Prozent der Befragten an, zu den Risikofreudigen zu gehören. Weitere 31 Prozent wären dazu bereit Risiken einzugehen – frei nach dem Motto: „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.“ Fast die Hälfte aller Befragten wägt vor der Risikoentscheidung die Vor- und Nachteile sorgfältig ab (49%). Nur 12 Prozent der deutschen Mittelständler versuchen, Risiken generell zu vermeiden.

Diese hohe Risikobereitschaft ist erstaunlich. Denn deutsche Unternehmen haben keine ganzheitliche Risikobetrachtung. Wirtschaftliche Aspekte fließen zu 31,9 Prozent in das Risikomanagement ein. Ökologische und soziale Aspekte werden vernachlässigt. Nicht einmal die Hälfte der Unternehmen misst den Erfolg ihrer Maßnahmen zur Risikominimierung. Das sind die Ergebnisse der „TÜV Rheinland-Risikostudie mit dem Schwerpunkt deutscher Mittelstand“.

Die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte werde in immer stärkerem Maße von Konsumenten und  Kunden gefordert. „Unternehmen, die hier Versäumnisse bzw. Fehler begehen, haben Reputationsschäden und entsprechende ökonomische  Einbußen zu fürchten“, sagte Antje Golbach vom TÜV Rheinland den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Der Einsatz von Lieferanten, die ökologische Aspekte missachten, kann auch für das Unternehmen zum Problem werden. Ein umsichtiges Wirtschaften mit Ressourcen wird dadurch immer wichtiger. „Unternehmen, die beispielsweise Energie- und Umweltmanagementsysteme implementiert haben, arbeiten planvoller an ihren Energie- und Umweltzielen“, so Golbach. Nur 9,4 Prozent der Befragten gaben an, Ressourcen mit in ihr Risikomanagement einzubauen.

Im sozialen Bereich stellt der Fachkräftemangel „Risiko dar, insbesondere auch für mittelständische Unternehmen“. Nur 22,3 Prozent der befragten Unternehmen berücksichtigen dies in ihrer Risikoplanung. Unternehmen sollten ihre Einflussmöglichkeiten in diesem Bereich nutzen und in den Handlungsfeldern „Demografischer Wandel“ und „Gesundheitsvorsorge“ tätig werden: „Versäumen mittelständische Unternehmen entsprechende Vorkehrungen zu treffen, kann das negative Folgen haben. Bedient sich ein Unternehmen diverser Zulieferer, sollte auch Augenmerk auf die Einhaltung von Sozialstandards gelegt werden“, sagte Golbach.

Die drei höchsten Risiken, die für die nachhaltige Entwicklung der Unternehmen entscheidend sind, befinden sich den Befragten zufolge in den Bereichen Daten- und Informationssicherheit, Wettbewerb und Konjunktur sowie im Ressourcenmanagement.

Nur die Hälfte der Unternehmen veröffentlicht die Maßnahmen zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit. Bei der Veröffentlichung wird schwerpunktmäßig auf lokale Zeitungen und die Unternehmenswebsite zurückgegriffen. Je größer das Unternehmen ist, desto häufiger werden die Ergebnisse des Risikomanagements evaluiert. Meistens erfolgt das durch eine Mitarbeiterbefragung, durch Messungen ökologischer Kennzahlen wie Emissionen, Energie- und Wasserverbrauch oder durch die Auswertung von Personalstatistiken und Kundenbefragungen.

Firmen, die auf eine Evaluierung verzichten, geben zu 33,8 Prozent an, das sei „zu aufwendig“. Jedes fünfte Unternehmen findet keine Zeit für eine Auswertung der Risikomaßnahmen. Dennoch geben 72,6 Prozent aller Befragten zu, dass es Verbesserungsbedarf gibt, um die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens zu sichern. Vor allem die Bereiche Ausbau, Entwicklung, Innovation und Personalmanagement wurden hier am häufigsten genannt.

Wer ein gründliches Risikomanagement vorweisen kann, dem fällt es leichter, etwas in die Waagschale zu werfen. Der deutsche Mittelstand schätzt sich selbst jedoch nur geringfügig risikobereiter ein als der Durchschnitt der deutschen Bürger.

Kommentare

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  1. Rudolf-Robert DAVIDEIT sagt:

    Öko-Faschuß schlägt Deutsches Unternehmertum!
    Nichts für Ungut! Schottisch-Preußisch hätte ich über dieses übliche Beratergeschwätz gelacht – bei deren heutigen Medienmacht (U. POSCHARDT meinte bei 2+LEIF das ca. 70% seiner Kollegen eindeutig Grün-Wähler sind), sollte sich jeder Kollege diesen Beitrag hinter den Spiegel stellen.
    Rudolf-Robert Davideit

  2. Rob sagt:

    Wieder ein Infoblatt mehr, welche Kommentare zensiert. Danke! Ich werde sie von meiner Liste streichen und nicht mehr beachten. Ich habe bereits einen Staat hinter mir, welcher von dem jetzigen bald eingeholt wird.