Einzelhandel muss Weihnachtsgeschäft mit Online-Shops teilen

Etwa 30 Prozent aller Einkäufe finden bereits in Online-Shops statt. Bei Büchern und Musik sind es sogar 57 Prozent. Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert den Einzelhandel in einer Videomitteilung dazu auf, sich auf seine Stärken zu konzentrieren. Der zentrale Vorteil des...

Etwa 30 Prozent aller Einkäufe finden bereits in Online-Shops statt. Bei Büchern und Musik sind es sogar 57 Prozent. Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert den Einzelhandel in einer Videomitteilung dazu auf, sich auf seine Stärken zu konzentrieren. Der zentrale Vorteil des Einzelhandels gegenüber dem Online-Handel liege in der Chance der Kunden, Waren ausprobieren und prüfen zu können. Außerdem lobt Merkel das höhere Service-Niveau, das den Einzelhandel gegenüber dem Online-Handel auszeichnet: „Menschen spüren ihre Lebensqualität auch durch Qualität im Handel.“

Trotz einer Reihe Insolvenzen, Schließungen und Verkäufen wie zum Beispiel bei den Baumarkt-Ketten Max Bahr und Praktiker, der Buchkette Thalia sowie bei ProMarkt, Karstadt, Schlecker und Loewe (hier) könne man nach Ansicht der Kanzlerin aber nicht von einer generellen Krise im deutschen Einzelhandel sprechen. Sie räumt lediglich ein, dass er „in verschiedener Weise vom Strukturwandel betroffen“ sei.

Allerdings stagniert der Umsatz im deutschen Einzelhandel schon seit der Jahrtausendwende, also lange vor dem Boom des Online-Handels. Folglich kann die Strukturkrise des Einzelhandels nur zu  einem kleinen Teil mit dem Aufkommen von Online-Vertrieben erklärt werden.

Ein anderer Faktor für die schleppende Entwicklung des Einzelhandels ist die hohe steuerliche Belastung der Unternehmen (mehr hier). Diese bleibt in Merkels Stellungnahme unerwähnt. Überall in Europa werden die Steuern gesenkt, nur in Deutschland steigt die Last für den Mittelstand.

Der Einzelhandel muss seine Präsenz im Internet verstärken. Gerade die vergangenen eineinhalb Jahre hätten gezeigt, dass sich auch mittelständische Einzelhändler ein zweites Standbein im Internet aufgebaut haben, sagte HDE-Geschäftsführer Kai Falk. So konnten sich die innovativen Einzelhändler gegenüber den großen Online-Vertrieben wie Zalando und Amazon behaupten. Denn jene berücksichtigen das Verhalten vor allem junger Kunden, sich zuerst im Internet zu informieren, bevor sie ihre Wahl treffen.

Bis zum Jahr 2015 wird das Einkaufsvolumen der Deutschen nach Angaben des Unternehmensnetzwerkes PricewaterhouseCoopers (PwC) im Netz rund 30 Milliarden Euro erreichen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 8 Prozent.

 

Kommentare

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  1. Wolfberg sagt:

    Ehrlich gesagt kaufe ich seit Jahren nur noch Lebensmittel in einem physischen Laden. Als Amazon Premium Kunde kriege ich fast alles ohne Liefergebühr, und gerade in Deutschland sind die meisten Läden schlicht überteuert, schlecht sortiert und mit mieser Beratung.

    Es tut mir irgendwo leid, aber ich kaufe ja nicht als Wohltat, sondern weil ich etwas brauche, oder haben möchte.

    Ich sehe es einfach als unausweichlichen Wandel der Zeiten.

    • Wolfberg sagt:

      Ich meinte natürlich alles AUSSER Lebensmittel. Typo. 😉

    • Martin sagt:

      Dem kann ich nur zustimmen. Hinzu kommt die gängige Betrugsmasche des Einzelhandels mit den schnell vergilbenden Kassenbons. Diese werden innerhalb von 2-3 Monaten so unleserlich, dass der Handel die Garantieleistung verweigert, weil der Kauf nicht mehr nachweisbar ist.
      Gerade in der Vorweihnachtszeit kaufe ich Online, weil ich das Gedrängel und die überteuerten Preise satt habe. Und auf den Service einer billigen, sogenannten Fachkraft kann ich verzichten, weil Internetportale und Online Rezensionen viel mehr bieten als eine schnell angelernte Fachkraft. Nur noch Lebensmittel und Kleider kaufe ich vor Ort.

  2. Gerhard sagt:

    Frau Merkel dürfte von den Problemen des deutschen Einzelhandel so wenig Ahnung haben, wie jemand der Neuland betritt.

    Der strukturelle Wandel ist in vollem Gange, mit schwerwiegenden Konsequenzen, nicht nur für Innenstädte. Nicht der Internethandel trägt die alleinige Schuld am Niedergang des stationären Einzelhandels, auch nicht die steuerliche Belastung, denn die ist für alle gleich. Kein stationärer Händler kann rund um die Uhr ansprechbar sein und seine Ware feil halten, das Internet schon und ein gepflegter Intershop kann das sehr wohl, er ist immer zu Diensten. Egal ob ein Kunde die Ware im Laden ausprobieren kann oder nicht, jeder Käufer weiß, dass er im Internet volles Rückgaberecht hat und nicht erst zum Laden fahren muß. Er braucht auch keine Erklärungen abzugeben warum und wieso er ihm dieses Produkt nicht taugt. Sicherlich ist das Internet nicht für alle Kunden geeignet, doch selbst diese probieren die Kauf- und Reklamationsmöglichkeit aus – und müssen lernen, dass sie künftighin nicht mehr bedient werden. Letzteres ist eher die Ausnahme und etwa für 10% der Käufer nicht geeignet, denen sei der stationäre Handel empfohlen, den es so künftighin immer weniger gibt.

    Der Wettbewerb im Internet ist brutal und kein herkömmlicher Laden zieht einen Onlineshop innerhalb eines Jahres in die Höhe, die Kosten dafür sind schon happig, ausser man nutzt Plattformen. Wen man schon von den großen im Internet spricht dann sei nicht verschwiegen, dass sich montags lange Schlangen an den Postschaltern bilden, viele mit den Kartons bekannter Internetversender, leicht erkennbar an deren Logos. Mit diesen Massenretouren wird Geld vernichtet, sonst nichts, lediglich die Logistiker verdienen gut daran. Zum Zustand des stationären Einzelhandels kann gesagt werden: der Bahnhof ist immer noch da, doch der Zug ist längst abgefahren.

    Gell, Frau Kanzlerin!