EU-Kritik unberechtigt: Deutscher Export schadet Europa nicht

Der hohe Export Deutschlands nicht an der Krise der anderen europäischen Länder schuld. Eine Studie der KfW fordert hingegen eine Stärkung der deutschen Binnennachfrage. So soll der Leistungsbilanzüberschuss abgebaut werden. Profitieren würde davon ganz Europa, nicht nur Deutschland.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) weist in ihrer neuesten Analyse nach, dass der deutsche Export keinen Nachteil für die Wettbewerbsfähigkeit der anderen Länder darstellt. Anders als die EU-Kommission sieht die Bank die starke Exportleistung Deutschlands nicht als Problem, sondern im Gegenteil als notwendige Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg.

Nicht der Export, sondern der hohe Leistungsbilanzüberschuss (LBÜ) Deutschlands sorge für das problematische Ungleichgewicht im europäischen Wirtschaftsraum. „Der deutsche LBÜ ist mit 7 Prozent des BIP weltweit der höchste – lediglich einige Rohstoff- und Ölexporteure und zwei kleinere Industrieländer (Schweiz, Niederlande) hatten 2012 einen noch höheren Überschuss“, so die KfW.

Leistungsbilanzüberschuss nennt man eine positive Differenz von Export und Import. Folglich liegt das Problem darin, dass der Import und damit die Binnennachfrage nicht mit dem steigenden Export Schritt hält.

Für Deutschland ist dieses Übergewicht ein Problem: Die Investitionsquote ist in Deutschland zu niedrig. Der Begriff „Investitionsquote“ beschreibt den Anteil der Investitionen am Bruttoinlandsprodukt. So befürchtet die Studie den Hang der Unternehmen zur „hohen Risikoaversion vieler deutscher Unternehmer, abzulesen an den sinkenden Unternehmensinvestitionen und steigenden Eigenkapitalquoten von bis zu 30Prozent in großen mittelständischen Unternehmen. Hier gilt es anzusetzen, auch im Interesse Deutschlands.“

Für eine Verstetigung  des Wohlstands  in Deutschland ist ein gesundes Verhältnis von Eigenkapital und Unternehmensinvestition nötig. Jedoch zeigt die Studie ein nie dagewesenes Missverhältnis auf:  „Für den langfristigen Erhalt des Potenzialwachstums muss sich aber auch die unternehmerische Investitionstätigkeit in Deutschland durchgreifend beleben, nachdem die Unternehmensinvestitionen in diesem Jahr auf ein historisches Tief (10% des BIP) fallen werden.“

Das Geld, was durch die Exportumsätze ins Ausland fließt, kann nicht gleichzeitig im Inland investiert werden. Nach der Studie der KfW haben sich die Zustände seit Ende der 90er Jahre verfestigt: „Da der LBÜ zudem „chronisch“ ist, haben die deutschen Nettoforderungen gegenüber dem Ausland seit 1999 stark zugenommen. Waren es damals gerade 90 Mrd. EUR (5% des BIP), sind es heute bereits über 1.200 Mrd. EUR (45% des BIP)“.

Ausländische Kapitalanlagen versprechen hohe Renditen, bergen aber auch Risiken: Finanzmärkte können bei der Aufgabe, die Investitionen in die richtigen Projekt-Kanäle zu leiten, versagen. Dies ist 2007 geschehen mit der Folge von Abschreibungen. Der Nachteil für Deutschland besteht in der mangelnden Liquidität für die Wirtschaft.

Diese Investitionsklemme wirkt sich negativ auf die Innovationsfreude der Unternehmen aus und macht die deutsche Wirtschaft in der Tendenz unbeweglicher. Der Beitrag, den Deutschland zum Ausgleich des außenwirtschaftlichen Ungleichgewichts leisten kann, besteht in der Steigerung inländischer Kapitalanlagen im Verhältnis zu den ausländischen. Um zu beweisen, dass dieser Ausgleich nicht unrealistisch ist, verweist die Studie auf die neunziger Jahre: Die Wiedervereinigung erforderte eine sprunghafte Erhöhung des innerdeutschen Investitionsniveaus, was sogar zu einem Leistungsbilanzdefizit geführt habe. Ein genauerer Blick in die innereuropäischen Handelsströme zeige, dass die Anpassung innerhalb der Eurozone bereits im Gange ist.

Vor diesem Hintergrund erscheint der Plan der EU-Kommission, Deutschland wegen hoher Exporte mit einer Milliardenstrafe zu belegen ungerechtfertigt.

Kommentare

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  1. Angie sagt:

    Toll, wenn die KfW mir den nötigen Kredit gewährt, bin ich sehr gerne bereit denn deutschen Binnenmarkt mit meinen geplanten Einkäufen anzukurbeln.

    Doch weis die KfW eigentlich wie es um die Finanzen in den meisten Haushalten mit geringerem Einkommen steht?
    Wie sollen die Menschen mit geringem Einkommen den Binnenmarkt ankurbeln?
    Soll unser ganzes Leben nur noch aus Konsumierung bestehen?

    Wie sollen mittelständische Unternehmen, die alltäglich ums Überleben kämpfen, Investitionen finanzieren, wenn sie irrsinnige Steuerlasten zu tragen haben?

    Wissen die Herren von der KfW in ihren Nadelstreifen-Anzügen eigentlich Bescheid, wie es hierzulande um den Mittelstand steht?

    Auch die KfW hat doch zur Finanzkrise von 2008/2009 mit ihren risikoreichen Spekulationen dazu beigetragen, wofür nun gerade die mittelständischen Unternehmen durch enorme Steuerbelastungen bluten müssen. Und nun klugscheisserisch daherschwatzen, dass diese mehr Investitionen tätigen müssten.

    Soll die KfW ihnen doch die nötigen Finanzspritzen geben, dann können dementsprechende Investitionen vom Mittelstand getätigt werden.

  2. spatz sagt:

    Wenn es sogar die Dummbank KFW (lehmann Überweisung, die lachnummer des jahrhunderts) merkt…………

  3. georg sagt:

    kfw ? wissenschaft ? mitnichten.. vergessen wirs

  4. KHD sagt:

    HANDELSBILANZ Überschus nicht LANDESBILANZ Überschuss heisst der positive Saldo als Differenz zwischen Exort und Import.
    Mit LBÜ ist offensichtlich der Leistungsbilanzüberschuss gemeint – nicht der LANDESBILANZÜBERSCHUSS.
    Bei Ländern mit einheitlicher Geldpolitik ist dieser Betrag ohnehin nicht aussagekräftig.
    WIll man den Wert international vergleichbar machen, müsste man den Saldo des Währungsgebiets EURO ermitteln. Die hier von EU und KfW thematisierte Problematik ist volkswirtschaftlicher Unsinn innerhalb eines Währungsgebietes, da keine Aussagekraft. Wenn Deutschland innerhalb des Währungsgebites liefert, baut das volkswirtschaftlich gesehen keine Forderung gegen das Ausland auf, da es innerhalb des Währungsgebites kein Ausland gibt. Wenn das so wäre, wären die Verrechnungssysteme, die zentral über die EZB laufen wie das viel zitierte TARGET-2, Auslandsforderung oder -guthaben. Sie werden aber bei den nationalen Notenbanken als Forderung- oder Verbindlichkeit gegen die EZB verbucht – nicht gegen die einzelnen Notenbanken innerhalb des EZB Systems. Somit ist auch die Betrachtung der rückläufigen Investitionen nicht aussagekräftig. Die Ursache der rückläufigen Investtionen liegt ganz eindeutig im Währungsgebiet selber, da der Druck der Exportfirmen, in Rationalisierungsmassnahmen zu investieren, durch den für Wirtschaftsstärke Deutschlands viel zu schwachen Aussenwert des EURO abgenommen hat und innerhalb des Währungsgebietes die bereits seit langem erfolgte, hohe, innere Abwertung ebenfalls die Lieferungen im Währungsraum fördert.

  5. tzee sagt:

    der export schadet nicht europpa sondern deutsch. Allein die target 2 salden stehen bei 560 Mrd minus. Wenn den Michel irgendwie anmacht, dass er die autos die er baut auch selbst fürs ausland bezahlt, dann mal weiter so 🙂

  6. Rudolf-Robert DAVIDEIT sagt:

    Das obige Bankenelend wurde eingeleitet durch das Stromeinspeisegesetz 1991 und mit dem EEG 2000 für jedes stromenergieintensive Unternehmen leicht absehbar: Diesbezügliche Investitionen rechnen sich in Deutschland nicht mehr. Seit diesem Zeitpunkt. (wie oben von der KfW richtig angesprochen) gibt es wie ehemals in der DDR nur noch Erhaltungsinvestitionen!
    Nichts für Ungut! Als Schottisch-Preußischer Atheist bete ich jeden Tag: „Lieber Gott laß in Deutschland massiv & wochenlang den Strom ausfallen, denn selig sind die Bescheuerten, denn sie brauchen kein Soda!“
    Rudolf-Robert Davideit

  7. Morgo sagt:

    Vergessen in der Studie wird,dass der deutsche Export in die Euro-Länder seit Einführung der Gemeinschaftswährung kontinuierlich sinkt,jetzt sind es ca. nur noch 37 %.D.h.wenn der deutsche Export für den Niedergang der südlichen Euroländer verantwortlich wäre,müsste es mit diesen Ländern jetzt wirtschaftlich aufwärts gehen.

  8. Den Ball flach halten sagt:

    Deutschland – Exportüberschüsse, wenig Import und wenig Konsum.
    Alle andere EU Länder- starker Import und viel Konsum, kaum Export.
    „Landesbilanzüberschuss nennt man eine positive Differenz von Export und Import.“

    Wenn man mit den Füßen im kalten Eiswasser steht und mit dem nackten Hintern auf der heißen Herdplatte sitzt, dann stimmt zwar die Durchschnittstemperatur aber der Mensch wird todkrank, wie die todkranke EU.

    Lösung: die andere EU Länder sollten deutsche Exporte boykottieren und ihre eigene Exporte steigern.
    Ich habe nichts dagegen einen Peugeot zu fahren….oder z.B ein Ferrari, meinetwegen einen Lamborghini, wenn es sein muss 🙂 .

  9. Wolfgang sagt:

    Die Binnennachfrage wäre leicht zu stärken:
    Entweder Löhne rauf oder
    Steuer rauf und soziale Leistungen verbessern oder
    beides.

  10. Stefan Wehmeier sagt:

    We’re a ship without a storm, the cold without the warm
    Light inside the darkness that it needs
    We’re a laugh without a tear, the hope without the fear
    We are coming – HOME!

    DIO (The Last In Line)

    Das „Licht in der Dunkelheit“ ist das deutsche Volk in der „Europäischen Währungsunion“, über deren Sinn und Unsinn schon viel geschrieben wurde, aber noch nichts über den eigentlichen Zweck, den sie zu erfüllen hat, bevor sie demnächst wieder aufgelöst wird: der Bundesrepublik Deutschland die echte Soziale Marktwirtschaft ermöglichen!

    Die Eigendynamik der Entwicklung wird erkennbar, wenn man die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung, das Geld, versteht. Das heutige, gänzlich unreflektiert aus der Antike übernommene und seit jeher fehlerhafte Geld (Zinsgeld mit parasitärer Wertaufbewahrungsfunktion) führt zu einer zwangsläufigen Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten:

    Mit dem Ersatz der vorherigen Landeswährungen durch den Euro und damit auch der Eliminierung freier Wechselkurse wurde die Zinsumverteilung zwischen den europäischen Staaten soweit erhöht, dass die wirtschaftlich schwächsten in die Zinssklaverei und an den Rand des Staatsbankrotts getrieben wurden, während vor allem die deutsche Volkswirtschaft davon profitierte. Die unbewussten und eigentlich irrationalen Handlungen der europäischen Politiker, die zu dieser Situation geführt haben, erweisen sich im Nachhinein als überaus vorteilhaft für die schnellstmögliche Durchsetzung der Globalen Sozialen Marktwirtschaft, die allerdings nicht mehr von der „hohen Politik“, sondern vom arbeitenden Volk initiiert wird.

    Sobald die globale Liquiditätsfalle evident wird (voraussichtlich im Frühjahr 2014), werden überall auf der Welt immer mehr Geldersparnisse aus der langfristigen Anlage abgezogen und sowohl auf Girokonten als auch in Bargeld liquide gehalten, während ein Teil dieser internationalen Ersparnisse zum letzten „sicheren Hafen“ fließt, d. h. nach Deutschland. Die deutsche Volkswirtschaft wird sich also noch für eine gewisse Zeit über Wasser halten können, während im Rest der Welt immer mehr Massenentlassungen zu fortschreitendem Zerfall der öffentlichen Ordnung führen und in einigen Ländern bereits „The Mob Rules“.

    Nicht die Vernunft, sondern Angst – in der es zumindest in Deutschland noch möglich ist, den eigenen Kopf etwas anzustrengen statt fremde Köpfe einzuschlagen – wird die Masse des deutschen Volkes zu der einen Erkenntnis bringen: Wenn auch bei uns das Geld nicht mehr umläuft, verlieren wir alles, also brauchen wir eine konstruktive Geldumlaufsicherung! Alles Weitere ergibt sich von selbst: