Neue Lkw-Maut bedroht Existenz mittelständischer Speditionen

Die von der Großen Koalition beschlossene Maut-Ausweitung für Lkw auf sämtliche Bundesstraßen wird weitreichende wirtschaftliche Folgen mit sich bringen. Sie zwingt Speditionen dazu, Kosten zu sparen, an der Preisschraube zu drehen oder zu scheitern. Wie die Maut technisch umgesetzt werden soll, ist noch unklar. Bei der überwiegend mittelständischen Branche sind etwa 140.000 Arbeitsplätze gefährdet.

Deutsche Spediteure stehen nach dem Beschluss zur Einführung einer Maut auf allen Bundesstraßen vor einer großen Herausforderung. „Jedes Unternehmen –  unabhängig von dessen Größe – dem es nicht gelingt, steigende Kosten durch Effizienzsteigerung oder Kostenweitergabe zu kompensieren, kann in seiner Existenz bedroht sein“, sagte Dierk Hochgesang, Geschäftsführer des Bundesverbandes Möbelspedition und Logistik (AMÖ) den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

„Viele mittelständische Familienbetriebe im deutschen Transportlogistikgewerbe werden deshalb – wie dies bereits bei der Mauterhöhung um 50 Prozent im Jahr 2009 der Fall war – bei einer erneuten Mautmehrbelastung in ihren wirtschaftlichen Grundlagen erschüttert“, so der Bundesverband Güterverkehr (BGL) in einer Mitteilung. Der BGL rechnet bei voller Umsetzung der Mautausdehnung insgesamt mit dem Verlust von 140.000 Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe auf dem Land und dem Transportlogistikgewerbe.

Die Maut-Ausweitung ist im Koalitionsvertrag beschlossen und trifft fast ausschließlich deutsche Lkw und regionale Produktionsstätten. Das Vorhaben ist aber nicht bis ins letzte Detail durchdacht. Die Frage nach der technischen Umsetzung ist noch nicht beantwortet. Hochgesang befürchtet, dass die strukturschwachen Regionen „mit einem großen zusätzlichen Kostenblock konfrontiert“ werden. Angesichts steigender Energie- und Lohnkosten werde das die Wirtschaftsförderung in diesen Gebieten nicht erleichtern.

Die Preisspirale dreht sich weiter nach oben: „Die Ausweitung der Maut von jetzt etwa 1.100 auf dann insgesamt etwa 41.000 Kilometer Bundesstraße wird das Preisniveau beeinflussen. Das betrifft auch die Industrie, da Produkte teurer werden könnten, wenn Transportkosten steigen“, sagte Hochgesang den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Spediteure müssten daher zusammen arbeiten und sehr frühzeitig überlegen, „wo und wie Effizienz noch weiter zu steigern wäre, um Folgen höherer Kosten zumindest dämpfen zu können“. Allerdings ist die Ausgestaltung der Maut-Ausweitung noch nebulös: Die Lkw-Maut soll abhängig von der Größe der Lkw weiter entwickelt werden.

Zudem sollen externe Kosten, wie etwa das Ausmaß der Umweltverschmutzung, in die Reform mit einbezogen werden. Eine Novelle der Abgasnormen könnte verheerende Folgen für den Gebrauchtwagenmarkt bei Lkw haben. Bei der Mauterhöhung 2009 verloren etliche Fahrzeuge – „obwohl vielfach noch keine drei Jahre alt – binnen weniger Wochen nach Bekanntgabe der neuen Mautsätze massiv an Restwert“, so der BGL.

Die zusätzlichen Einnahmen sollen für die Umsetzung großer Infrastrukturprojekte eingesetzt werden. Allerdings zahlen die Verkehrsteilnehmer schon jetzt über 53 Milliarden Steuern und Abgaben. „Nur ein geringer Teil davon wird für den Erhalt der Straßeninfrastruktur wieder ausgegeben“, so Hochgesang. Daher müssten die zusätzlichen Abgaben zu 100 Prozent für den Erhalt der Straßeninfrastruktur eingesetzt werden, um diese Schieflage nicht weiter zu verstärken.

Auch der ADAC hat den Maut-Beschluss von Union und SPD kritisiert: „Die jetzt im Koalitionsvertrag gefundene Vereinbarung ist faktisch nicht umsetzbar“, sagte Maut-Experte Ralf Resch der Saarbrücker Zeitung am Donnerstag. Deshalb gebe es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder überhaupt keine Maut oder eine generelle Mautpflicht für alle, so Resch.

Dass es dazu kommen kann, wird deutlich, wenn man die Sachlage aus der Perspektive der EU beleuchtet. Denn sollte das Europarecht den Mautplänen aus Wettbewerbsgründen einen Riegel vorschieben, müssten am Ende alle Autofahrer draufzahlen – etwa 100 Euro pro Jahr, vermuten Insider.

Die Bundesregierung stellt andere Zahlen in den Raum. Berechnungen der Bodewig-Kommission – der Expertengruppe unter Ex-Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig –  brächte die Ausweitung der Maut dem Bund 2,3 Milliarden Euro zusätzlich. Allerdings fehlten Deutschland zum Erhalt und Ausbau der Verkehrswege jährlich 7,2 Milliarden Euro.

Die Beschlüsse aus den Koalitionsverhandlungen hätten die „die wertschöpfende, mittelständische Wirtschaft und Industrie in Alarmstimmung“ versetzt, schrieb der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates Kurt Lauk in einem Brief an Angela Merkel, der der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vorliegt.

Denn die sozialen und regionalpolitischen Folgen der wenig durchdachten Mautpläne, die aus dem Koalitionsvertrag entsprungen sind, sind für die Branche schon deutlich zu erkennen.

Kommentare

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  1. Hulu109 sagt:

    @ DWN

    Ich habe eine Vorschlag, der nichts mit dem Thema zu tun hat. Und zwar würde ich mir wünschen, dass ihr einen mobile Ansicht der Webseite bereitstellen könntet. Ich schaue mir oft die DMN mit dem Handy an, wenn ich unterwegs bin und muss so oft die richtige Ansicht mit meinen Fingern zusammenschieben und ziehen. Es wäre daher nett, wenn man dies in Zukunft machen könnte. Muss ja nicht gleich eine App sein, aber eine mobile Ansicht wäre klasse. Hoffe, Ihr überlegt es euch wenigstens.

  2. Hülsensack sagt:

    Genau dies ist das Schöne!
    Alles kräht über diese Regierung, aber keiner an der richtigen Stelle.
    Da gibt es solche Blödel bei der SPD, welche den Gabriel unterstützen und nicht wissen, daß im weiteren Lauf IMMER der Endverbraucher deren „Zauber“ zahlen wird.
    Vor zig Jahren schon dürfte es den Denkenden aufgefallen sein, was die Gewerkschaften mit ihren Lohntreibereien erreicht haben. NIX! Durch Umlage hat man den gestiegenen Lohn sehr schnell wieder abgeschöpft, aber die Masse war beruhigt, weil die doch „richtig was erreicht“ haben. Und genau so geht es heut weiter mit den Versprechen und dem Gemauschel der Volksverarscher. Und die Masse schluckt es weiterhin ohne zu murren, weil NACHDENKEN doch zu anstrenegend wäre.
    Die Politiker mit ihren Vorbetern haben doch ALLES wirklich bestens im Griff.

    • Gerhard sagt:

      Warten auf die Regierung bzw. Politik, das ist wie das „Warten auf Godot“ (Samuel Beckett); da kommt nichts! Der Bürger wird in die Knie gezwungen, seine verbliebenen Einnahmen werden weiter abgeschöpft. Ein paar neue Discountketten mehr werden entstehen, damit ihnen die Illusion bleibt, sie könnten sich noch was leisten vom Geld. Fazit: uns geht es immer noch zu gut, obwohl alles den Bach runter geht. Wir haben keine Träume mehr, die es sich lohnte zu träumen!

  3. Gerhard sagt:

    Die Verbraucher zahlen die Zeche, da alle Kosten umgelegt werden. Die Speditionen und Paketdienste müssen ihre Effizienz immer weiter steigern, was immer man darunter verstehen mag. Einheimische Fahrer sind zu teuer: Ungarn, Rumänen, Bulgaren etc. sind die Regel. Ganze Fuhrparks werden – nicht nur – an bulgarische Subunternehmer übergeben, damit sich der Betrieb überhaupt noch rechnet. Das Polit-System zieht die Schrauben immer weiter an, weil die Kassen hoffnungslos geleert sind. Mal sehen wie weit man das Spiel noch treiben kann. Die Straßen und die Finanzen werden sie so garantiert nicht in den Griff bekommen. Die zukünftig zu erwarteten Mehr-Einnahmen sind schon längst verplant, bzw. ausgegeben, für neue, immer absurdere Pläne und Fürstentümer, z.B. die von privaten Straßenbetreibern.

  4. hugin sagt:

    MAUT AUCH FÜR PKW AUF ALLEN STRASSEN !
    Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch für PKW auf allen Strassen eine Maut zu entrichten ist. Im Gespräch sind etwa 7 Cent pro Km, das wären € 7.- für 100 Km!
    Schritt für Schritt werden Erhöhungen bestehender, sowie Einführung neuer Belastungen der Bevölkerung aufgezwungen. Jeder weggesteuerter Euro fehlt der Wirtschaft. Steuer-Erhöhungen und neue Steuern, sind die primitivste Art einer Budget-Sanierung.

    • Wahrheit sagt:

      Das ist ja alles kein problem mit der Maut, das kennen wir ja schon Jahrzehnte aber wenn sie das wollen muß die Steuer komplett wegfallen und da liegt der Hase im Pfeffer ! So wie es jetzt aussieht geht alles auf eine Systematische Abzocke hinaus, wenn die Unternehmen jetzt nicht in den Streik gehen und Straßensperren errichten sind sie selbst an ihrer lage Schuldig ! Ich habe selbst den großen Führerschein + Fahrerkarte doch für das Geld werde ich mich nie hinter ein Steuer setzen da ist mir meine Lebenszeit einfach viel zu Wertvoll. Arbeite um zu leben, aber Lebe nicht um zu arbeiten !

  5. vilosof sagt:

    Liebe Redakteure der DWN

    Ich verfolge alle Artikel mit Interesse da hier eine Möglichkeit besteht sich über die „Informationen“ der Mainstreampresse hinaus zu Hintergründen zu informieren.Danke dafür! Gerade weil hier die Mittelschicht angesprochen wird möchte ich aber vor der Versuchung warnen wie o.g. Medien sofort mit der Keule zu drohen. 140000 Arbeitsplätze- Untergang des Mittelstandes wegen Mindestlohn etc. sind scheinbar tolle Aufmacher aber nicht „alternativlos“ wie uns „Mutti“ immer als Lieblingswort verkündet.
    Die Mautkosten werden doch im Lastverkehr nicht 1:1 von den Unternehmen getragen sondern in unternehmerischen Preiskalkulationen berücksichtigt.Was Schneehofer da angerichtet hat ist kein finanzielles Problem sondern nach bayerischer Biertischmanier übelste Stimmungsmache die uns Deutschen im benachbarten Ausland keine Freunde macht. Die Maut ist doch für alle schon lange ausgemachte Sache und wir sollten uns nicht durch die dummdreiste „Argumentation“ dieses Landesfürsten die vielleicht für den deutschen Michel gut ist verdummen lassen.

  6. Ich sagt:

    Der wohlstands- und menschenfressenden Hydra der Politik wachsen immer mehr Tentakeln, mit denen sie das Geld der Bürger zu ihrem gefräßigen Maul führt.

    Irgendwann ist Schluss. Die UdSSR hat vorgemacht, was passiert, wenn die Nomenklatura sich hemmungslos bedient und das Volksvermögen umverteilt, bis alle Quellen trockengelegt sind.

  7. Klaus sagt:

    Dann wird hoffenltich nicht mehr so viel Kram „nutzlos“ durch die gegend gekarrt…

    • Erich sagt:

      Dann muss sich das Verbraucherverhalten ändern. Kein bayr. Weissbier mehr in Hamburg und keine Spreewaldgurken in München. Einfach mal Klamotten bestellen und bei Nichtgefallen wieder zurückschicken muss teurer werden. Der Verbraucher bestellt, der Spediteur liefert im Auftrag des Versenders. Also muss der Verbraucher auch alle dadurch entstehende Kosten tragen.