Start-Up Report 2013: Gründungsumfeld in Österreich muss besser werden

Eine Studie kritisiert die Strukturprobleme in der Gründerszene der Alpenrepublik. Innovatives Unternehmertum wird behindert. Schuld daran seien rigide Bestimmungen bei der Finanzierung, bürokratische Hemmnisse und Desinteresse in der Politik. Ein Visionenpapier stellt Verbesserungsvorschläge vor.

Österreich, sonst als wirtschaftliches und politisches Erfolgsmodell angesehen, schwächelt in einem zukunftssensiblen Bereich: Start-up-Unternehmer, Computerfreaks und Designer stoßen auf Hürden und Hemmnisse. Ein Land mit beispielhaftem Wohlstand leistet sich ein unterdurchschnittliches finanzielles Engagement für die Impulsgeber von morgen. Die Ergebnisse des aktuellen Austrian Startup Reports sind ernüchternd, wie das Technologie-Magazin futurezone.at mitteilt: Die Probleme sind vielgestaltig. Sie reichen von einem allgemein niedrigen Bewusstsein der österreichischen Gesellschaft für den Wert technischer Innovationen über finanzielle Engpässe bis hin zu bürokratischen Blockaden.

„Wir haben einen enormen Professionalisierungsbedarf in Österreich“, sagt Oliver Holle, Geschäftsführer von SpeedInvest, einem Verband erfahrener Start-up-Helfer, der die Studie initiierte. Die Zahlen, die SpeedInvest vorstellt, skizzieren einen Bruch im Entwicklungsprozess des Start-up-Zweiges: 70 Prozent der Gründerprojekte befinden sich in der Ideen- und Frühphase, 30 Prozent in der Wachstumsphase. Ein reibungsloser Übergang von Idee zu Umsetzung würde sich in einem ausgeglichenerem Verhältnis niederschlagen. Der Prozess der Professionalisierung, den Holle sich wünscht, kommt den Zahlen zufolge irgendwo zum Erliegen.

Hierauf weiß die Studie eine Antwort: Anspruch und Finanzierung klaffen auseinander. „In Österreich ist es ganz schwierig, größeres Kapital über 500.000 Euro zu bekommen“, so Holle. Dies liegt nur zum Teil am Desinteresse möglicher Investoren. Eine große Rolle spielen nach Auffassung der in der Studie befragten Neuunternehmer auch verwaltungstechnische Einschränkungen von staatlicher Seite: 83 Prozent wünschen sich die steuerliche Absetzbarkeit finanzieller Förderung, 90 Prozent sprechen sich für gelockerte Bestimmungen beim Crowdfunding aus.

Als weiteres Problem entpuppt sich der mangelnde Kontakt der Szene mit der Politik: 75 Prozent der Befragten beklagen ein zu niedriges Interesse der Regierung. Es herrsche zu wenig Sinn für wagemutige Projekte, für die Kultur des Scheiterns.

Auch der Markt zwischen Förderer und Unternehmer ist problembehaftet: Die Palette der Möglichkeiten ist groß, aber unübersichtlich. Drei Viertel der Start-ups beklagen, dass die Förderlandschaft nicht den Bedürfnissen entspräche. Auch das Prozedere selbst sei anpassungsbedürftig.

Mit einem Visionenpapier will AustrianStartups auf die Schwierigkeiten aufmerksam machen. Ziel ist eine stärkere Vernetzung von Start-up-Szene, Investoren und Politikern. Zu diesem Zweck sollen Politik, Gründer und Förderer sich auf unterschiedliche konstruktive Maßnahmen einigen. Das soll zum Beispiel mit der Ernennung eines Start-up-Beauftragten, der Schaffung eines international ausgerichteten Szene-Netzwerkes und dem Abbau bürokratischer Prozesse geschehen.

Angesichts des vordergründigen Interesses in allen politischen Parteien zeigt sich AustrianStartups-Chef Christoph Jeschke zuversichtlich: „Ich bin sehr optimistisch, dass der gute Wille aller Beteiligten unsere hohen Erwartungen noch übertreffen wird und wir schon 2018 ein Vorzeigeland für Start-up-Kultur sein werden“.

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