Banken schmieden Notfallplan für SEPA-Umstellung

Rund ein Viertel aller Unternehmen sind auf die Umstellung des Zahlungsverkehrs vorbereitet. Die große Mehrheit wird die Umstellung jedoch verschlafen. Die Banken richten sich auf einen Plan B ein. Unverständnis und die Angst vor Betrug sorgen für Verunsicherung.

Nicht einmal jedes vierte Unternehmen ist auf die Umstellung auf das neue, EU-weite Zahlungssystem SEPA vorbereitet. Das berichtete die Commerzbank in einer Mitteilung. Einer Umfrage der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) zufolge verfügt keiner der 5.000 befragten Mittelständler über einen Notfallplan zur Vermeidung einer technischen Zahlungsunfähigkeit.

Wer nicht rechtzeitig umstellt, der kann im Ernstfall zum 1. Februar 2014 keine Zahlungen mehr abwickeln. Die daraus resultierenden Liquiditätsengpässe können zu einem großen Problem heranwachsen. Der FMH-Umfrage zufolge können Mittelständler Engpässe für 37 Tage überbrücken, 14 Prozent von ihnen sind aber schon nach fünf Tagen nicht mehr flüssig. Weitere 19 Prozent können nach 15 Tagen nicht mehr zahlen.

Spätestens im März nächsten Jahres wird sich dann zeigen, wie hoch das Ausmaß der Zahlungsausfälle sein wird. Wer daran nicht teilhaben möchte, der sollte schnell mit seiner Bank in Kontakt treten.

Banken schmieden Notfallpläne

Etwa 50 Prozent der Banken in Deutschland haben einen Notfallplan für die Umstellung auf SEPA. Das geht aus der vierten Umfrage des IT- und Beratungsunternehmens PPI AG zum SEPA-Readiness-Index hervor.

„Es ist höchste Zeit für einen echten Schlussspurt. Vor allem die Geschäftskunden werden noch stärkere Unterstützung von ihren Banken brauchen“, sagt Dr. Hubertus von Poser, Studienleiter und Experte für Zahlungsverkehr bei der PPI AG.

Eine stressige Umstellungsphase steht vor allem den Versicherungen bevor. Mehr als 40 Prozent der Versicherer haben es bislang versäumt, ihre Geschäfts- und Privatkunden auf die Umstellung vorzubereiten. Bei 20 Prozent wissen nicht einmal die eigenen Mitarbeiter umfassend bescheid.

Unternehmen müssen an Vieles denken: Die Buchhaltung, der Vertrieb und das Rechnungswesen eines Unternehmens müssen Kontakt zu den Kunden und Geschäftspartnern herstellen und die neuen Informationen zum Zahlungsverkehr aufwendig in Erfahrung bringen oder übermitteln. Geschäftsprozesse und IT-Systeme müssen an die neuen Rahmenbedingungen angepasst werden. Die Änderung der Bankdaten auf dem Firmenpapier, auf Webseiten und Visitenkarten, die Anpassung der Kundenstammdaten sowie ein Update des Zahlungsverkehrsprogramms kann erforderlich werden (mehr zu den geänderten Rahmenbedingungen – hier).

Vorsicht vor Betrügern

Wer in diesen Tagen Emails erhält, in denen es um die SEPA Umstellung geht, der sollte genau aufpassen, wer der Absender dieser Mails ist. Denn viele Kriminelle machen sich die Unsicherheit der Verbraucher zunutze.

„Unternehmen, denen man schriftlich eine Erlaubnis zum Lastschrifteinzug erteilt hat, sind dazu verpflichtet, ihre Kunden über die Umstellung auf Sepa zu informieren“, sagte Markus Feck, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, dem Handelsblatt. In gefälschten Emails von unbekannten Absendern können sich aber auch Trojaner in den Anhängen verstecken, die den Computer der Nutzer infizieren können.

Der Bankenverband warnt zudem vor Fishing-Mails: Online-Kriminelle konzipieren Emails, die so aussehen, als kämen sie von der eigenen Hausbank. Die Empfänger werden aufgefordert, im Rahmen der SEPA-Umstellung ihre Bankdaten einzugeben.

Dieser Spuk hat mit der Umstellung zum 1. Februar 2014 ein Ende. Die Auswirkungen auf die mittelständischen Unternehmen werden dann allerdings erst zum Vorschein kommen.

Kommentare

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  1. Fragezeichen sagt:

    Was ist denn an der 22stelligen IBAN so schlimm? Gerade hier in Deutschland ist das mehr als einfach.

    BLZ und Kontonummer sollte man heute schon kennen. Damit hat man die IBAN schon fast im Kopf. DE ist dermaßen einleuchtend, daß man dafür keine Gedächtnisleistung benötigt. Bleibt also die zweistellige Prüf“ziffer“, die neu ist und die man sich merken muß.

    Und die Zahl der Vornullen, mit denen man eine Kontonummer, die weniger als 10 Stellen hat(te), auffüllen muß, ist nun auch nicht schwierig zu erkennen.

    Für einen Privatmenschen, der selbst keine Rechnungen stellen muß, wohl keine Überforderung.

    Und @eze, warum die amerikanische Großbank, die unerlaubt von meinem Konto abbuchen will, es vor der Einführung von SEPA schwerer gehabt haben soll als danach, bleibt offen. In beiden Fällen braucht sie meine Kontodaten, und ob sie nun zwei, drei oder eben nur ein Datenfeld abgreifen muß, ist wurscht, sobald sie den Zugriff auf die Daten hat.

  2. Johannes Fischer sagt:

    Ja, die Macht der Gewohnheit. In Deutschland ist es „relativ“ einfach.
    Was muss man sich merken: DE ist klar. Danach die zweistelleige Prüfziffer „ist neu“. Dann folgen BLZ, ist klar. Dann die Anzahl der 00en die man sich neu merken merken muss, bevor die Kontonummer folgt! Eigentlich kein Problem, wenn nicht auch einige Banken plötzlich auch noch Änderungen vornehmen würden, wie einheitliche BLZ für mehrere Zweigstellen, ergänzung von Kontonummern um weitere 2 Stellen etc..

  3. eze sagt:

    Durch SEPA ist die sprichwörtlich singuläre weil letzte Bastion zum Datenschutz gefallen! Denn es genügt ein Account in ganz Europa will heißen, die Finanzelite kann ab Februar 2014, spätestens +3 Jahre: vollständig auf alle Konten zypriotisch zugreifen!! Die Leute sind offenbar aufgewacht und nicht nur sinnleer mißtrauisch. Großartig!!
    Die 22 Ziffern der künftigen Kontonummer ist derart unpraktisch, unpraktikabel dass viele Smartphone und iPhone-Idioten, die längst das eigenständige Denken verlernt haben, hier versagen werden! Die werden dann auch nicht merken, wenn ihnen die amerikanischen Großbanken – für ihre Verhältnisse – große Beträge abbuchen. Nächster Schritt ist dann – wie von China schon laut und mehrfach gefordert – der Wegfall von Hartz-VI, dem Aushungerungsprogramm durch und dank Gerhard Schröder, mit dem wir nun ganz Armen-Europa ernähren werden…China sieht hierin eine Faulheits-Garantie. Arbeiten sollen die Galeerensklaven. Nach Wunsch Chinas.

  4. Freiberufler sagt:

    Gerade gemacht.
    Aus für EU-Beamte vielleicht nicht nachvollziehbaren Gründen hat es niemand eilig, auf 22-stellige „Kontonummern“ umzustellen.