Mittelstandsanleihen liefern keine Erträge ohne Risiko

Der Deutsche Mittelstandsanleihen Fonds kauft die Ekosem-Agrar-Anleihe zu seinem Portfolio dazu. Der frisch gegründete Fonds will sein Kapitalvolumen von 20 auf 100 Millionen Euro aufstocken. In wirtschaftlich volatilen Zeiten gilt der deutsche Mittelstand als robust und widerstandsfähig. Die hohen Erträge verlangen aber auch Mut zum Risiko.

Die KFM Deutsche Mittelstand AG hat die Ekosem-Agrar-Anleihen zu dem Mittelstandsanleihen Fonds dazu gekauft. Die Aktie wird als attraktiv eingestuft und hat ihr  Emissionsvolumen von 60 Millionen Euro im Oktober um weitere 18 Millionen Euro aufgestockt. Ihr Zinskupon beträgt 8,5 Prozent und läuft bis zum 7.12. 2018. Die hohen Renditen von deutschen Mittelstandsanleihen locken Investoren aus ganz Europa an. Das Investment ist aber nicht ohne Risiko zu genießen.

Die Ekosem-Agrar GmbH ist eine deutsche Holdinggesellschaft der Ekoniva Gruppe, eines der größten russischen Agrarunternehmen. Das Unternehmen ist seit über 19 Jahren im russischen Agrarsektor erfolgreich aktiv, berichtet der Fonds in einer Pressemitteilung. Die Ekosem-Agrar profitiere von einer steigenden Nachfrage nach Agrarrohstoffen und Milchprodukten.

Mit dem Kauf des größten Milchbauern Russlands ist der Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds seinem Ziel ein Stück näher gekommen, das Investitionsvolumen von anfangs 20 auf über 100 Millionen Euro aufzustocken.

Viele Anleger scheuen das Klumpenrisiko eines einzelnen Investments, der Deutsche Mittelstandsanleihen Fonds verspricht jedoch attraktive Renditen „in Höhe von 5 bis 11 Prozent, ohne das Risiko eines Einzelinvestments eingehen zu müssen“, sagte Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG dem Finanzmagazin Finanzen.net.

Der Fonds investiere nur in Anleihen, die den Analyseprozess des KFM-Scoring-Modells erfolgreich bestehen, so Friedrich. „Die Höchstgrenze der Anlage in Wertpapiere desselben Emittenten darf gemäß Prospekt bei maximal 10 Prozent liegen. In Zukunft wird der Fonds die Investments noch breiter streuen und strebt eine Begrenzung pro Titel auf 1 Prozent an.“

Auf einer Skala von 1 bis 7 ist der Deutsche Mittelstandsanleihen Fonds in die Risikoklasse 3 eingestuft, wobei 7 das höchste Risiko darstellt.

Zu Kritik und Risiko von Mittelstandsanleihen äußert sich Friedrich differenziert:

„Wir sehen Emissionen von bonitätsstarken oder wachstumsstarken Unternehmen, die sind in wenigen Stunden platziert. Bei anderen, die die Usancen und Regelwerke des Kapitalmarktes nicht ernst nehmen, schlägt das Emissionsvorhaben fehl. Das halten wir für einen gesunden Prozess, der die Spreu schon früh vom Weizen trennt.

Die Zielrendite für Investoren liegt bei 5 bis 6 Prozent. In den letzten Jahren lag die Rendite bei „durchschnittlich über 10 Prozent p.a.“, sagte Friedrich im Gespräch mit Fixedincome.org. Bei Bundesanleihen mit 10-jähriger Laufzeit kommen Anleger derzeit nur auf eine Rendite von 1,8 Prozent.

Die Nachfrage steigt

In der Tat ist derzeit ein Boom bei Mittelstandsanleihen zu verzeichnen. Fast 100 Firmen haben durch die Emission von Anleihen in den letzten drei Jahren den Kapitalmarkt für sich arbeiten lassen und Anleihen mit einem Volumen von 5,3 Milliarden Euro ausgegeben. Für gesunde Unternehmen macht das Sinn. Die Zinsen sind oft günstiger als bei Bankkrediten.

„Die Unternehmen diversifizieren die Passivseite ihrer Bilanz, werden unabhängiger von Banken“, sagte René Parmantier von Close Brothers Seydler, einem der erfolgreichsten Emissionshäuser am Markt. „Die Firmen haben meist fixe und somit planbare Zinsaufwendungen, in der Regel für fünf Jahre“, so der Finanzexperte einem Bericht von Der Aktionär.

Rund 4,6 Milliarden Euro haben die Firmen von den Investoren einsammeln können. Unter den namhaften Emittenten sind Berentzen, Seidensticker oder auch Valensina. Mittelstandsanleihen scheinen daher für beide Seiten attraktiv zu sein. Die Firmen erhöhen ihr Kapital und ihren Bekanntheitsgrad. Die Investoren werden mit einer Rendite belohnt.

Hohe Rendite – ohne Garantie

Das Risiko darf jedoch nicht unterschätzt werden. Nicht jede Mittestandsanleihe ist eine gute Investition (mehr hier). Investoren, die ihr Geld in Firmen wie Windreich, SolarWatt oder BKN Biostrom investierten, haben durch deren Pleite viel Geld verloren.

Eine Garantie für Erfolg gibt es selten. Es kommt darauf an, detaillierte Informationen über das Unternehmen zu bekommen, bevor das Investment getätigt ist. Das ist nicht immer leicht. Intransparenz ist das größte Risiko. Manche Firmen geben nämlich nur deshalb Anleihen aus, weil die Banken ihnen keine Kredite mehr gewähren wollen. Dieses Wissen haben meist nur Insider.

Bei der Insolvenz droht den Anlegern der Totalverlust (mehr hier), Mittelstandsanleihen werden meist nachrangig bedient. Banken und Geschäftspartner haben Vorrang. Derzeit müssen die Anleger von der Baumarktkette Praktiker um ihr Investment fürchten. „Verbraucherschützer und Fachanwälte für Bank- und Kapitalanlagerecht raten deshalb, nur einen kleinen Teil des Vermögens in Mittelstandsanleihen zu anzulegen“, heißt es bei Anwalt24.

Ein Hinweis auf den Ertrag der Anleihe kann ein Blick in den Finanz- und Geschäftsplan des Unternehmens liefern: Was plant der Mittelständler mit dem Geld aus der Anleihe? Die Entscheidung zwischen Investition und Schuldentilgung entscheidet darüber, ob sich am Ende der Investor oder die Bank freuen kann.

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