Innovationen verlangen nach Freiheit und Mut

Viel Freiraum, wenig Zwang, Mut zum Risiko und Eigenverantwortung. Das ist das Erfolgsrezept für ein innovatives Betriebsumfeld. Auch aus gescheiterten Projekten kann man seine Lehren ziehen. Unternehmer raten zu flexiblen Strukturen.

Innovation braucht Freiheit. Freiheit schafft Raum für Kreativität und Kreativität sei eine notwendige Bedingung für Innovation, Roche-Chef Severin Schwan und der Unternehmensberater Gregor Wick sind sich in einem Interview mit dem österreichischen Wirtschaftsjournal format.at einig.

Damit dieses kreative Potential auch genutzt wird, bedarf es verschiedener Voraussetzungen. Das Bewusstsein für den Wert von Innovation muss vorhanden sein. Die Motivation zur Entwicklung und Umsetzung von Ideen sowie ein System der Anerkennung und Belohnung von Innovationsimpulsen ist von Vorteil. Der Nutzen von Innovation liege nach Wicks Meinung  in der Fähigkeit, bestehende Strukturen zu hinterfragen.

Denken in Unternehmensgrenzen haben die Unternehmen nach Ansicht Schwans bereits überwunden. „Über 99 Prozent des wissenschaftlichen Fortschritts findet außerhalb des Unternehmens [Roche] statt, zum Beispiel in akademischen Instituten“, so Schwan. „Wir holen regelmäßig Expertise von außen ins Unternehmen und wir unterscheiden nicht, ob etwas außerhalb von Roche oder innerhalb des Unternehmens entdeckt wurde.“

Eigenverantwortlichkeit ist nach Schwans Meinung ein weiterer wichtiger Faktor für die Innovationstüchtigkeit eines Unternehmens. „Ich bin ein Fan von schlanken, dezentralen Strukturen. Unsere wichtigsten Forschungseinheiten arbeiten autonom. Sie haben ihre eigenen Budgets und pflegen ihre eigenen externen Netzwerke.“

Je mehr Eigenverantwortung und Risiko gefördert werden, desto mehr Fehler werden gemacht. Das lässt sich nicht vermeiden. „Fehlerkultur bedeutet, Mut zuzulassen, die Gründe für das Scheitern zu erkennen, positives Feedback zu geben und neu anzufangen“, so Wick. Innovationen könne man so messen und aus ihnen lernen.

Gerade in der Pharmaindustrie sind lange nicht alle Experimente erfolgreich. Schwan sagte, dass „neun von zehn Entwicklungsprojekten für neue Medikamente scheitern“.

Der Markt für Medikamente ist einem hohen Druck ausgesetzt. Daran ändere auch die Zahl der neuen Produkte nichts, so Schwan. Die Entwicklung von Medikamenten wird immer teurer. Für die Pharmaindustrie liege ein Lösungsansatz in einer Verbesserung der Kundenorientierung, in diesem Fall in der „Verbindung von Pharmazeutika und der Diagnostik“.

Mithilfe von Zielgruppenorientierung könnte es gelingen, Produkte für alle Seiten billiger zu machen. Das würde den Abstand der großen Pharmahersteller zu den Generikaherstellern verkleinern. Die Pharmaunternehmen sind unter Druck, weil in vielen Märkten Patente ihrer umsatzstarken Medikamente auslaufen. Das kann an den aktuellen Bemühungen um ein Freihandelsabkommen der Schweiz mit Indien abgelesen werden (mehr hier).

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  1. Falke sagt:

    „Innovation braucht Freiheit. Freiheit schafft Raum für Kreativität und Kreativität sei eine notwendige Bedingung für Innovation … Eigenverantwortlichkeit ist nach Schwans Meinung ein weiterer wichtiger Faktor für die Innovationstüchtigkeit eines Unternehmens. „Ich bin ein Fan von schlanken, dezentralen Strukturen. Unsere wichtigsten Forschungseinheiten arbeiten autonom. Sie haben ihre eigenen Budgets und pflegen ihre eigenen externen Netzwerke.“

    Das sind kluge Worte von fundamentaler Bedeutung. Sie gelten auch und erst recht grundlegend für das Bildungswesen, das in zentralen staatlichen Verwaltungsstrukturen gefesselt liegt, in dem Angepasstheit und subalterne Beamtenmentalität belohnt und Kreativität, Innovation und Eigenverantwortung erstickt und verhindert werden.

    Daher liegt es auch im rechten Interesse der Wirtschaft, das gesamte Bildungswesen aus den Fängen des Staates zu befreien und in die vollkommene Freiheit und Selbstverantwortung der einzelnen Schulen und Hochschulen zu stellen, die sich in horizontalen, koordinierenden Vereinbarungen aufeinander abstimmen.
    Das obrigkeitsstaatliche Relikt des heutigen Bildungssystems ist in seiner freiheitswidrigen Struktur der schlimmste Feind einer fortschrittlichen demokratischen Entwicklung der Gesellschaft.
    Vgl: http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/07/14/der-verlust-des-menschlichen-oder-die-unterdruckung-der-kultur/
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/05/17/fassade-demokratie/gl.