Schulden-Chaos in Europa ist nicht zu ordnen

Die Krisenländer müssen in den nächsten zwei Jahren ihre Staatsanleihen refinanzieren. Um sich Handlungsspielraum zu verschaffen strecken die Staaten einfach die Laufzeiten für ihre Kredite - und finanzieren alte Schulden mit neuen Schulden.

Wer Staatsanleihen am internationalen Markt ausgibt, muss diese in der Regel nach einem Zeitraum von ein, zwei, fünf oder zehn Jahren (Laufzeiten über 10 Jahre sind eher Seltenheit) an die Käufer der Schuldverschreibungen samt Zinsen einlösen, also zum entsprechenden Fälligkeitstermin zurückkaufen.

Da jedoch die Krisenstaaten in der Peripherie der Eurozone ihre Haushalte häufig durch Emission von Staatspapieren mit kurzen und mittelfristigen Laufzeiten finanzierten, werden diese nun zur Rückzahlung in den beiden kommenden Jahren fällig.

In der Folge führt dies zu hohen Tilgungsbeträgen an die Kreditgeber, also Käufer der Schuldverschreibungen, zum Zeitpunkt der Fälligkeit.

Zwar haben manche der Krisenstaaten inzwischen ihre Haushaltsdefizite in den Griff bekommen, jedoch bleiben die bisher ausgegebenen Staatspapiere, die zur Fälligkeit getilgt werden müssen, in der Summe immer noch gleich hoch. Deshalb müssen die sich auf dem Markt befindenden Bonds von den Staaten wiederum refinanziert werden, um den Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können.

So muss Spanien im kommenden Jahr etwa 68 Milliarden Euro refinanzieren, Italien 191 Milliarden Euro und Griechenland 16 Milliarden Euro.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Es müssen erneut Staatsanleihen ausgegeben werden, um die bisher gemachten Schulden zu refinanzieren. Im Fall von Griechenland wird die Summe nur mittels eines Schuldenschnitts aufzubringen sein, der 2014 ins gemeinsame Europäische Haus stehen dürfte.

Der jüngste kreative Witz, auf den sich Griechenland und die Euro-Retter verständigt haben, bestand darin, dass Griechenland seine Schulden einfach aus der Betrachtung herausrechnet. So entsteht ein virtueller Primär-Überschuss – mit sich die Euro-Zone selbst einredet, dass Griechenland auf einem guten Weg ist.

Es ist das bekannte, reinste Schneeballsystem, wo fortwährend Schulden mit Schulden refinanziert werden.

Denn die Krisenstaaten kommen mit dem Schuldenabbau nicht voran, da helfen weder Schuldenbremsen im Gesetz noch in der Verfassung. Die Volkswirtschaften verharren in der Rezession oder verzeichnen lediglich ein minimales Wirtschaftswachstum.

Dabei haben in den letzten Jahren größtenteils heimischen Banken die Staatsanleihen mittels der von der EZB installierten LRTO 1 und 2 („Longer-term Refinancing Operations“) im Umfang von einer Billion Euro, bekannt als „Dicke Bertha“, aufgekauft bzw. sich von der EZB finanzieren lassen, anstatt Kredite an die Unternehmen auszureichen.

Selbst Mario Draghi gestand dies bei der Pressekonferenz am Donnerstag ein.

Spaniens Banken nahmen von der EZB 300 Milliarden Euro aus dem LTRO-Programm in Anspruch, davon sind noch 225 Milliarden Euro offen zur Rückzahlung. Spaniens Banken haben in den letzten beiden Jahren ihren Bestand an Staatsanleihen um 81 Prozent von 165 Milliarden auf 300 Milliarden Euro ausgeweitet.

Italiens Banken nahmen 255 Milliarden Euro in Anspruch, davon stehen noch 233 Milliarden Euro zur Rückzahlung aus. Insgesamt befinden sich italienische Staatsanleihen in Höhe von 415 Milliarden Euro in den Portfolios der Banken. In den letzten Jahren haben die italienischen Banken ihren Bestand an Staatsanleihen um 75 Prozent ausgeweitet.

Bei Frankreich stehen 87 Milliarden zur Rückzahlung an die EZB aus.

Irlands Banken schulden der EZB noch 35 Milliarden Euro und Portugals Banken 45 Milliarden Euro.

Griechenlands Banken standen bei der EZB Ende September 2013 mit 63,8 Milliarden Euro in der Kreide.

Wann und ob die Banken je ihre „Ausleihungen“ Schulden an die EZB zurückzahlen werden, steht in den Sternen.

Um sich fiskalischen Freiraum hinsichtlich der Refinanzierung ihrer Staatsanleihen zu verschaffen, gehen Portugal und Frankreich jetzt einen Schritt weiter. Beide Länder möchten quasi per Federstrich die Laufzeiten ihren Kreditgebern bei vertraglich bestehenden Fälligkeiten verlängern.

Portugal erneuert den Zeitpunkt, zu dem seine Gläubiger Anspruch auf Rückzahlung machen können, um drei Jahre. Dabei handelt es sich um Staatsanleihen im Wert von etwa 6,5 Milliarden Euro.

Das Land hatte über den EFSF-„Rettungsschirm“ 78 Milliarden Euro erhalten. Dieses Programm läuft Mitte 2014 aus und Portugal möchte sich danach wieder selbst am internationalen Markt finanzieren.

Auch Frankreich möchte auf den Zug der Laufzeitverlängerungen für seine Staatsanleihen aufspringen. Bei unserem französischen Nachbarn stehen im nächsten Jahr 174 Milliarden Euro zur Refinanzierung seiner Staatsanleihen an.

Unterm Strich macht Portugal bei der Laufzeitverlängerung jedoch ein schlechtes Geschäft. Bonds mit der verlängerten dreijährigen Laufzeit ab 2015 bis 2018 kosten das Land 4,87 Prozent. Dagegen würden lediglich 3,22 Prozent anfallen bei einer Fälligkeit in 2015.

Kreative Buchführung?

Im normalen Leben würde man von plumper Insolvenz-Verschleppung sprechen.

Das Spiel funktioniert nur, weil die Schulden-Staaten hoffen, dass es irgendwann eine gemeinsame Haftung aller Euro-Staaten für die Schulden geben wird.

Dann sind die Schulden-Macher aus dem Schneider.

Und die europäischen Steuerzahler werden rasiert.

Es hat sich nichts geändert in der Euro-Zone.

Nur der Einsatz steigt ins Unermessliche.

Kommentare

Dieser Artikel hat 9 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Hans von Atzigen sagt:

    Die Aussage im Artikel ist einwandfrei richtig. Die Schulden sind nicht mehr zu begleichen. Guthaben und Schuld sind nur noch Buchwerte. Da ist eine Riesendiskrepanz zwischen Realwirtschaftsgeschehen und Buchwerten.
    Wie sollen denn die Schuldenstaaten je die Verbindlichkeiten mit Realwirtschaftsleistung abtragen. Diese Schulden sind auf dem Absatzmarkt nicht mehr mit Realwirtschaftlicher Leistung erwirtschaftbar. Da klemmt es gleich auf verschiedensten Ebenen ganz gewaltig.
    Ein Folge des längst laufenden Auseinanderdriftens von Realwirtschaft= Realwerten zu Buchwerten. Erstaunlich ist nur noch ein Faktum, der Umstand das man mit der Zuführung von ungedeckter Liquidität.(= Rasant schneller gewachsenen Liquidität im Verhältnis zum Realwirtschaftswachstum.) Das absaufen der Realwirtschaft hinauszögern konnte und kann. Es gibt kaum übersehbar deutliche Anzeichen das die Wirkung des ,,Spieles,, dem Ende zusteuert. Da wird längst ein Traum gelebt der da lautet Geld= Wohlstand. Konjunkturkurbel- Ideologie. Letztlich entscheidet sich alles am ganz Realen Wirtschaftsgeschehen. Produktion und Konsum. Wenn da nichts mehr Produziert wird, nicht mehr Produziert werden kann, gibt es auch nichts mehr zu konsumieren. Das Ende wird bitter sehr sehr bitter für alle. Historische Vergleiche hinken ganz gewaltig. Sicher gab es Entwicklungen in der Vergangenheit die entsprechendes ermöglichten. Nur da wird eines übersehen. All diesen Beispielen lag eine Erweiterung des Realwirtschaftswachstums zugrunde. Doch eben, etwas Vergleichbares ist nicht mehr zu erwarten, die Voraussetzungen fehlen aktuell Weltweit. Die Menschheit hat massiv überzogen.
    Freundliche Grüsse
    http://www.hans-von-atzigen.ch

  2. Ulli Schaller sagt:

    Schuldenabbau ?
    Wir leben in einem Kredit-Geld-System und da ist Schuldenabbau eine Illusion.

  3. Ariovist sagt:

    Das Bild ist einfach nur peinlich! Das junge Mädchen neben dem alten Bock könnte seine Tochter sein und ist geradezu symtomatisch für den faulen Zustand der westlichen Gesellschaft! Na ja, wir werden ja sehen, wohin das Alles führen wird.

  4. Falke sagt:

    Na also, so soll´s nach dem Willen der Krisenplaner ja auch sein. Bis alles zusammenbricht und jeder mit dem gemeinsamen Haushalt eines europäischen Zentralstaates einverstanden ist.

    Das alles kann ja übrigens solche Ausmaße nur durch das Zinseszins-System erreichen.
    “Von 1970 bis 2010 sind z. B. die Staatsschulden in Deutschland um 2.013 Milliarden Euro ausgeweitet worden. Die in diesen 40 Jahren geleisteten Zinszahlungen betrugen 1.625 Mrd. €, was bedeutet, dass die Neukreditaufnahmen zu 81% in den Zinsendienst geflossen sind und lediglich die Differenz zwischen beiden Beträgen, also 388 Mrd. €, dem Staat für Investitionen oder Personalausgaben zur Verfügung standen! Und dieser geringe Nutzen ist nur dem Tatbestand der sinkenden Zinsen in den letzten 15 Jahren zu verdanken! Denn zieht man die Entwicklungen zwischen 1970 und 2000 heran, dann lag der Nutzen der ganzen Schuldenaufnahmen praktisch bei Null! Der Nutzen der ganzen Aktion schlägt also nur bei jener Minderheit der Haushalte zu Buche, die dem Staat ihre Ersparnisse geliehen haben und an die jene vom Staat gezahlten Zinsen in Höhe von 1.625 Mrd. geflossen sind – auf Kosten aller anderen Bürger!”
    Siehe Nachweise und weiteres auf: http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/12/06/ausbeutung-durch-das-zinssystem/

  5. Gautier Irgendwo sagt:

    Ist das nun jener EU Wohlstand welcher uns, mit Brüssels Versuchen die Bürger
    davon fest zu Überzeugen, noch laufend vor geschwärmt wird.?

  6. Stefan Wehmeier sagt:

    „Der Anteil des Unbewussten an unseren Handlungen ist ungeheuer und der Anteil der Vernunft sehr klein.“

    Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)

    Ist beim „Normalbürger“ der Anteil der vernünftigen Handlungen „sehr klein“, so ist er beim „Geistlichen“ gleich Null – was wiederum bewirkt, dass beim „Normalbürger“, der den Geisteskranken für einen „Geistlichen“ hält, der Anteil der Vernunft nicht wächst. Aufgrund der Religion, der Programmierung des kollektiv Unbewussten mit dem künstlichen Archetyp Jahwe (der „liebe Gott“ für die Dummen), hat der „Normalbürger“ nichts anderes als das „Glück der Knechte“ im Sinn, d. h., er will auf Kosten anderer existieren (Himmel der Zinsgewinner), damit andere nicht auf seine Kosten existieren (Hölle der Zinsverlierer). Im zivilisatorischen Mittelalter (Zinsgeld-Ökonomie) gibt es nur diese beiden Möglichkeiten, sowohl für jeden Einzelnen als auch für ganze Nationalstaaten, die sich gegenseitig in die Schuldenfalle treiben müssen, bis der nächste Krieg unvermeidlich wird. Wer das nicht weiß, kann nur „Volksvertreter“ wählen, die dem „Glück der Knechte“ nicht im Weg stehen und die darum auch keine Volksvertreter sind, sondern solche, die den Staat als eine „Anstalt zur zwangsweisen Einziehung des arbeitslosen Einkommens“ erhalten wollen, und sonst gar nichts:

    Politisch zu „denken“, d. h. sich Gedanken darüber zu machen, mit welcher politisch-ideologischen Ausrichtung die Machtausübung des Menschen über andere Menschen funktionieren könnte, ist sinnlos. Wer mit dem Denken anfangen will, muss wissen, dass nicht die „hohe Politik“, sondern die Arbeitsteilung den Menschen über den Tierzustand erhob, und dass allein die Qualität der makroökonomischen Grundordnung den Grad der Zivilisiertheit bestimmt, die der Kulturmensch erreichen kann:

    • Blickensdörfer sagt:

      Ja, Stefan Wehmeier – „Wer mit den Denken anfangen will . . .“

      Sprache ist Denken. Die Sprache ist Erscheinung des Denkens. Mit Sprache kommt Gedachtes zum Ausdruck. Denken ist beherrscht von Ideologie. Als herrschendes Verständnis beherrscht diese das Verstehen – auch mit scheinbaren Begriffen, mit Aussagen, die Erkenntnissen widersprechen.

      Wer mit Denken wieder anfangen will, muss sich vom herrschenden Verständnis befreien. Kann nicht mit scheinbaren Begriffen (weiter-) denken.

  7. Leopold sagt:

    Die Krisenländer haben doch ihren Draghi. Der hilft immer. Genauso wie Deutschland immer nur von Schuldenabbau redet reden eben auch die anderen EU-Nationen davon. Umsetzen kann und wird es keiner. Und unsere Politik lügt fleissig mit!