Konsumklima irreführend: Umsatz beim Einzelhandel stagniert

Für die Weihnachtszeit hat das GfK-Institut Deutschland ein steigendes Konsumklima vorausgesagt. Doch die prognostizierte Kauflaune spiegelt sich nicht in den Umsatzzahlen des Einzelhandels wider. Im Gegenteil: Der Umsatz stagniert bereits seit zwei Jahrzehnten. Im Vergleich zum Vormonat sanken die nominalen Einzelhandelsumsätze sogar um -0,4 Prozent.

Die langanhaltende Konsumschwäche der deutschen Haushalte ist noch nicht vorüber. Im Oktober liegen die saisonbereinigten und realen Einzelhandelsumsätze bei -2,4 Prozent unter dem durchschnittlichen monatlichen Niveau des Jahres 2000 und -2,6 Prozent unter dem Niveau von 1994, berichtet das Magazin Querschüsse und beruft sich auf Daten des Statistisches Bundesamtes (Destatis).

Das GfK-Marktforschungsinstitut will in seinem Consumer-Panel dem Einzelhandel für dieses Jahr aber ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft versprechen. Den Marktforschern aus Nürnberg zufolge wollen die Deutschen

„im Durchschnitt 288 Euro ausgeben, ein bisschen mehr noch als im letzten Jahr. In Westdeutschland liegen die geplanten Ausgaben etwa zehn Prozent höher als im Osten; Ältere geben deutlich mehr für Geschenke aus als Jüngere. Für den Handel bedeutet dies alles ein Geschenkevolumen von mehr als 15 Mrd. Euro, ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr.“

Die Discounter wollen die versprochene Kauflaune ausnutzen und werten ihre Sortimente durch qualitativ hohe Waren auf. Dadurch können sie höhere Preise verlangen. Dem GfK-Institut zufolge seien die Deutschen durchaus bereit, höhere Preise zu zahlen.

Begründet wird die Konsumstimmung mit den gestiegenen Einkommenserwartungen der Deutschen zum Weihnachtsfest. Auch die Entscheidung der EZB, den Leitzins auf 0,25 Prozent zu belassen trage zu einem gesteigerten Konsumverhalten bei, so die Marktforscher. Die Verbraucher seien in diesem Jahr die entscheidende Stütze der Konjunktur.

Schaut man sich jedoch die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze genauer an, dann wird deutlich, dass die auf Umfragen beruhenden Prognosen der GfK nur die Lust der Deutschen am Einkaufen wecken sollen. Denn Seit der Wiedervereinigung herrscht Stillstand beim Einzelhandel. „Seit über zwei Jahrzehnten geht es nicht mehr aufwärts, während in der alten Bundesrepublik die realen Einzelhandelsumsätze über Jahrzehnte dynamisch anstiegen, ist im wiedervereinigten Deutschland und als Mitglied der Eurozone bestenfalls pure Stagnation angesagt“, berichtet Querschüsse.

Die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze ist der entscheidende Indikator für die Konsumlaune der Deutschen, denn der Umsatz des Einzelhandels macht 32,6 Prozent der gesamten Konsumausgaben aus. Die Ausgaben für Mieten von Wohnungen und Häusern machen 16,2 Prozent aus. Auf den Kfz-Handel, Instandhaltung, Reparatur und die Ausgaben an den Tankstellen fallen 10,8 Prozent der gesamten Konsumangaben.

Ob die Deutschen die euphorische Stimmung über das Konsumklima annehmen, bleibt offen. Mit der langjährigen, realen Entwicklung der Einzelhandelsumsätze haben die GfK-Prognosen jedenfalls wenig zu tun.

Kommentare

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  1. pecochia sagt:

    Wenn ich einen Gutschein von welchem Kaufhaus oder Firma bekomme, wandert dieser durch den Schredder.
    10 € Gutschein bei einem Einkauf von 100 €
    Wer braucht so etwas, kein Mensch wirklich !!!!
    Je mehr Werbung für ein Produkt gemacht wird, desto schlechter ist die Qualität um es an den Mann / Frau zu bringen.

  2. hugin sagt:

    KONSUM – LÜGEN
    Den Zutand des Handels zeigen die hysterischen Werbe-Feldzüge, ruinösen Rabatt – Schlachten, Firmenfriedhöfe und Shopping-Ruinen. Es dürften auch die Gutscheine zweimal zur optischen Anhebung der Statistik verwendet werden. Im Dezember beim Bezahlen und im Jänner beim Einlösen. Der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich hat ein klares Wort gesprochen: „Abgesandelt“!

  3. wolfbier sagt:

    Kein Wunder, wenn die Kaufkraft bei stagnierenden Einkommen nachläßt.
    Die offiziell verkündeten Inflationsraten sind ohnehin getürkt, denn die wahre Inflation liegt je nach persönlichem Warenkorb zwischen 4% und 7%.
    Der angebliche Kaufrausch vor Weihnachten ist wie immer eine Falschmeldung, denn spätestens Anfang des folgenden Jahres kommt die Wahrheit ans Licht: Rezession auch im Einzelhandel.
    Die einzigen, die überproportional wachsen werden, sind Online-Händler wie Amazon und Zalando, die neue Stardards in Sachen Kundenorientierung geschaffen haben:
    Blitzschnelle Lieferung aus dem unbegrenzten Sortiment, Kulanz ,günstige Preise versus Gedränge, Parkplatznot und sich wegduckende Verkäufer im klassischen Warenhaus.

  4. Bernhard sagt:

    Wer kennt nicht das berühmte Weihnachtslied „Alle Jahre wieder“? Und genau dieser Text passt hervorragend auf die Propaganda- Abteilung der CDU, GFK, die uns bei jeder Ausgabe eines neuen Märchens weissagt „Alles wird immer besser“.

    Was wird eigentlich besser?

    „China verzeichnete im November ein Exportwachstum von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat…. Der Export wuchs deutlich stärker erwartet.“

    Na klar! Es wird immer mehr billige Ware in den Westen geliefert ( einer amerikanischen Untersuchung zufolge können amerikanische Hausfrauen nicht ohne chinesische Waren überleben ), weil die Barmittelverfügbarkeit zum Kauf immer mehr abnimmt. Damit man keine ukrainischen Verhältnisse bekommt, damit der Staat China US- Schuldenpapiere aufkauft, wird importiert, was das Zeug hält.

    GFK würde recht haben zu sagen, dass mehr Kilogramm Textilien verkauft werden, sie haben unrecht, wie auch das vergangene Jahr mit ihren falschen Prognosen zeigte, dass inflationsbereinigt (bitte die reale Inflation, nicht die vom Statistischen Lügenamt herausgegebene Zahl verwenden, das sind nach Professor Brachinger etwa 7 %) mehr Umsatz gemacht wurde.

  5. Andres Müller sagt:

    Die Deutschen glauben die Lügen des GfK seit vielen Jahren, da ist es plausibel anzunehmen dass dies auch weiterhin der Fall sein wird.