3D-Drucker schaffen Durchbruch im produzierenden Gewerbe

In Berlin hat der erste Copy-Shop eröffnet, der spezielle 3D-Drucke für Unternehmen anfertigen kann. Das Zusammenschmelzen von Kunststoff- oder Metallschichten erreicht den Mittelstand – und wird immer ergiebiger. 3D-Drucker feiern den industriellen Durchbruch. Bereits jetzt profitieren viele Branchen von der neuen Produktionstechnik. Made in China könnte bald ein Ende haben.

In Berlin und Hannover gibt es bereits Copyshops, die mittelständischen Unternehmen die Anfertigung von Spezialteilen mittels 3D-Drucker anbieten. Jeder Betrieb aus dem Verarbeitenden Gewerbe kann mit seinem digitalen 3D-Modell in den Copyshop gehen und das Produkt später mitnehmen. In Workshops können die Unternehmer sich in die neue Produktionstechnik einweisen lassen. Eine dreistündige Einführung gibt es für 140 Euro, ein ganztägiger Kurs zum Scannen und Drucken in 3D kostet 490 Euro, berichtet das IT-Magazin c’t.

Was im Internet als Datensatz vorhanden ist, kann theoretisch von jedem und überall reproduziert werden. Die Herstellung dreidimensionaler Objekte mithilfe von 3D-Druckern wird in den nächsten fünf Jahren einen Aufschwung von 50 Prozent erleben, so die Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants. Die Geräte werden ihre Profitabilität noch erheblich steigern.

Der Grund liegt im enormen Prozesskostenvorteil gegenüber herkömmlichen Produktionsmaschinen. Präzisere Fertigung ermöglicht geringeren Materialbedarf und somit weniger Materialkosten. Darüber hinaus ergibt sich ein doppelter Vorteil auf der Output-Seite. Feinere Verarbeitung öffnet neuen Anwendungsfeldern die Tür und die Materialsparsamkeit garantiert bei gewichtssensiblen Produkten wie Flugzeugteilen mehr Produktqualität durch weniger Masse.

Der Umsatz des 3D-Drucks wird sich im nächsten Jahrzehnt mehr als vervierfachen, geht aus einer Studie der Unternehmensberatung hervor. Die Anwendungsfelder sind nahezu unbegrenzt.Sogar Nahrung und Werkzeuge kann der Drucker herstellen (mehr hier).

In jeder Branche, in der komplexe Teile benötigt werden, kann 3D-Drucktechnik eingesetzt werden. Dabei können die Drucker längst nicht nur Kunststoff verarbeiten. Auch Gips, Keramik oder Metall kann in drei Dimensionen zusammengeschmolzen werden. Die gesamte Verarbeitende Industrie wird von dieser Technik profitieren.

Neue industrielle Anwendungsfelder

„Der Einsatz der 3D-Drucker, um Metallprodukte herzustellen, bietet bereits heute ein großes Potenzial für spezielle Komponenten wie etwa Einspritzdüsen, Prothesen oder Werkzeugeinsätze“, so Martin Eisenhut, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. „Entwickler und Hersteller, die diesen Markt zeitig für sich entdecken und entsprechende Lösungen anbieten, können in den kommenden Jahren stark von der wachsenden Nachfrage profitieren.“

Der Anteil von 3D-Druck-Produktion am weltweiten Gesamtumsatz der Werkzeug-Maschinenindustrie beträgt gegenwärtig lediglich ein Prozent. „Bis 2023 wird sich der Umsatz von 3D-Druckern voraussichtlich vervierfachen – zugunsten deutscher Maschinenbauer“, sagte der Experte Bernhard Langefeld. „Denn sie machen schon heute knapp 70 Prozent des weltweiten Markts aus.“

 Flugzeugbau und Renn-Industrie

In einigen Sparten ist der 3D-Druck bereits wettbewerbsfähig. Flugzeugbau und Rennfahrt-Industrie schätzen die besonders genaue Arbeit des Druckers, da er überschüssiges Material einspart. Dies schlägt sich langfristig in einem niedrigeren Kraftstoffverbrauch der Flugzeuge und Rennautos nieder. Außerdem optimiert der Drucker dank seiner Beweglichkeit in der Produktion die technische Effizienz seiner Produkte. So sind die vom Drucker produzierten Einspritzdüsen effizienter als ihre herkömmlichen Pendants. Diese sorgen ebenfalls für geringeren Verbrauch von Kraftstoff.

 Zahntechnik und Mediziner-Ausbildung

Äußerste Effizienz erreicht der 3D-Druck außerdem in der Zahntechnik. Der Drucker produziert schneller und besser als ein Zahntechniker: Ein 3D-Drucker kann 450 Kronen pro Tag produzieren, ein Zahntechniker schafft gerade mal 40. Die geometrische Genauigkeit ist die zentrale Stärke der neuen Druck-Technologie.

Angehende Chirurgen sind auf besonders realistische Modelle angewiesen, an denen sie für Operationen ausgebildet werden. An einem gedruckten Schädel sollen Ärzte die Entnahme eines Gehirntumors erlernen. Die Konsistenz der künstlichen Knochen, Häuten und Geweben soll eine möglichst realistische Simulation der OP ermöglichen, berichte Golem.

 Hat „made in China“ bald ein Ende?

Langfristig wird die neue Produktionstechnik den internationalen Zulieferer-Handel revolutionieren. Der globale Handel mit Kleinteilen kann dann wieder regionaler werden, denn

kleine Ersatzteile müssen nicht mehr mühsam aus der Ferne angeliefert werden, sondern können beim Reparaturservice um die Ecke entstehen. Die Transportkosten fallen weg. Dann ist es wieder billiger, daheim zu produzieren, anstatt die Herstellung in Niedriglohnländern stattfinden zu lassen.

Komplexe Gebilde aus einem Guß:

Kommentare

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  1. Alex sagt:

    „Ein 3D-Drucker kann 450 Kronen pro Tag produzieren, ein Zahntechniker schafft gerade mal 40“
    Mamma mia,wer hat den das schon wieder kalkuliert.Muss man immer so übertreiben……max. 8-10 Qualitäts-Kronen schafft ein Zahntechniker.Das üble ist die Menschen glaubens dann auch noch!!!!!
    Lg von einem ambitionierten Zahntechniker.

  2. Marcel sagt:

    Schön wäre es doch vor allem, wenn sich zeitnah in Deutschland auch Unternehmen gründen für die Produktion von 3D-Druckern für den Heimanwender. Es gibt zwar bereits Hersteller, die Masse kommt aber aus der USA und auch in den asiatischen Staaten sprießen die Produzenten wesentlich schneller aus dem Boden als in Deutschland. Produkte wieder regionaler zu produzieren ist nicht nur aus ökologischer Sicht prima. Noch besser wäre es aber wenn auch die Mittel dafür aus Deutschland stammen und wir bei einer neuen, wachsenden Technologie von Beginn an vorne mit dabei sind.

  3. Fablab Regensburg sagt:

    Nur 3D-Copyshop finde ich zu wenig. Im Fablab Regensburg (www.fablab-regensburg.de) gibt es außer den oben genannten 3D-Druckdienstleistungen wie Scannen und Drucken auch noch Lasercutting, Sublimations- und Digitaldruck. Mit diesen neuen digitalen Produktionsmöglichkeiten, bekannt aus Makerspaces in den USA, können ganz neue Produkte erfunden und in kleineren Stückzahlen schnell, und ganz wichtig, vor Ort produziert werden. Und um diese neuen Produkte und Ideen der Welt vorzustellen ist auch ein Internet TV Studio fester Bestandteil dieser Ideenwerkstatt.

  4. spatz sagt:

    Also brauchen wir noch Millionen Fachkräfte aus
    Asien und Afrika um die durch neue Technologien massenhaft
    wegfallenden Arbeitsplätze neu zu besetzen.
    Ist doch logisch,oder?