USA bietet gute Chancen für den Mittelstand

Die Experten der GTAI sind überzeugt: Die USA sind wieder ein attraktiver Standort. Der fortgesetzte Abbau der Arbeitslosigkeit und die inzwischen wieder verbesserte Vermögenssituation vieler US-Haushalte könnten die konjunkturelle Dynamik 2014 wieder erhöhen. Das Klima für Investitionen ist positiv.

Die Handels und Investmentagentur Die Germany Trade and Invest – Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTAI) sieht in den USA einen attraktiven Standort für Unternehmen. In fast allen Branchen der USA lohnt es sich wieder, zu investieren.

Maschinen- und Anlagenbau

Das Marktumfeld für den Maschinen- und Anlagenbau war zum Jahresende 2013 recht freundlich. Im Oktober hatte die US-Industrieproduktion wieder den Vorkrisenstand von 2007 erreicht. Auch die Kapazitätsauslastung lag mit 78% wieder in der Nähe ihres langjährigen Normalniveaus. Frühindikatoren deuteten in den Herbstmonaten in eine positive Richtung. Legt sich die durch den jüngsten US-Fiskalstreit verursachte Verunsicherung, dürfte die erwartete Konjunkturbelebung zu zusätzlichen Ausrüstungsinvestitionen führen. Besonders im Energiesektor und in den nachgelagerten Bereichen sowie im Bausektor könnte sich der Bedarf erhöhen. Generell profitiert der Industriestandort USA zurzeit von niedrigen Erdgaspreisen und dem Trend zur Rückverlagerung der Industrieproduktion („Reshoring“).

Kfz-Industrie

Nach drei Jahren in Folge mit zweistelligen Verkaufszuwächsen hat sich die Dynamik des US-Marktes für Pkw, SUV und andere Leichtfahrzeuge 2013 etwas verringert. Dennoch sollte das Absatzplus am Jahresende 6 und 8% betragen. Die Annäherung des Marktvolumens an das Vorkrisenniveau dürfte 2014 weiter fortschreiten. Nimmt die Konjunktur wieder stärker Fahrt auf, könnte sogar die Marke von 16 Mio. verkauften Einheiten überschritten werden. Nachfragefördernd wirken die verbesserte Vermögenssituation vieler Bürger, günstige Finanzierungsbedingungen und eine Vielzahl neuer Modelle. Bei einem Durchschnittsalter des Fahrzeugparks von über elf Jahren bleibt zudem der Ersatzbedarf hoch. Der Trend zur Steigerung der Kraftstoffeffizienz wird langfristig Bestand haben.

Chemie (ohne Pharmaindustrie)

Die amerikanische Chemieindustrie zeigte 2013 ein durchwachsenes Bild. Während das Produktionsvolumen in den ersten drei Quartalen um 1,1% gestiegen ist, haben die US-Werksauslieferungen im gleichen Zeitraum wertmäßig um 0,6% gegenüber der Vergleichsperiode abgenommen. Am besten entwickelten sich 2013 die Auslieferungen von Kunststoff- und Gummiprodukten (+3,0% bis September), während bei Agrarchemikalien ein Einbruch von 11,8% verzeichnet wurde. die erwartete Konjunkturbelebung lässt für 2014 auf eine etwas stärkere Nachfrage hoffen. Langfristig sorgen niedrige Gaspreise und die gute Verfügbarkeit von Energierohstoffen für eine Stärkung des Chemieproduktionsstandortes USA und führen zu steigenden Investitionen.

Bauwirtschaft

Die Erholung der US-Bauwirtschaft hat sich 2013 in etwas abgeschwächtem Tempo fortgesetzt. Motor der Entwicklung ist weiterhin der Wohnbau, der allerdings durch den Anstieg der Hypothekenzinsen im Sommer einen leichten Dämpfer erhalten hat. Obwohl die langfristigen Zinsen wegen des absehbaren Ausstiegs der Fed aus ihren quantitativen Maßnahmen noch weiter zulegen könnten, rechnen die meisten Analysten auch 2014 mit einer zweistelligen Zunahme der Wohnbauinvestitionen. Dem Gewerbe- und Industriebau dürfte hingegen die für 2014 erwartete allgemeine Konjunkturbelebung zugutekommen. Die Auftragslage im Bildungs-, Gesundheits- und Militärbau sowie in vielen Infrastrukturbereichen bleibt dagegen wegen der knappen öffentlichen Kassen schwierig.

Elektrotechnik/Elektronik

Die Werksauslieferungen von elektrischen Ausrüstungen, Haushaltsgeräten und elektronischen Komponenten in den USA sind in den ersten drei Quartalen 2013 gegenüber der Vorjahresperiode um 0,5% gesunken. Einen Ausreißer nach oben bilden elektrische Haushaltsgeräte (+6,8%), die von dem starken Turnaround des Wohnbaus profitierten. Frühindikatoren wie der Erwartungsindex der Consumer Electronics Association (CEA) oder der Geschäftsklimaindex der National Electrical Manufacturers Association (NEMA) deuteten im Herbst 2013 auf eine Verbesserung der Absatzlage für elektronische und elektrotechnische Produkte hin. Ein solider Konsum und die gute Verfassung wichtiger Abnehmerbranchen (Bauwirtschaft, Kfz-Industrie, produzierendes Gewerbe allgemein) dürften 2014 die Nachfrage stützen.

Informations- und Kommunikationstechnik

Das Wachstum des US-Telekommunikationsmarktes wird sich nach den Prognosen des Fachverbandes TIA 2013 auf rund 7,1% beschleunigen (2012: 6,2%). Auch 2014 rechnet die TIA mit einem Zuwachs in ähnlicher Größenordnung, getrieben durch die zunehmende Nachfrage nach mobilen Datendiensten und dem weiteren Ausbau der dafür benötigten Infrastrukturen. 2012 war für den US-Mobilfunksektor das erste Jahr, in dem die Ausgaben für die mobile Datenübertragung diejenigen für traditionelle Sprachendienste überstiegen. Letztere werden Experten zufolge in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung verlieren. Zu den Marktsegmenten der IKT-Branche mit besonders hohem Wachstumspotenzial gelten die Bereiche Cloud-Computing, automatische Datenübertragung zwischen Geräten (M2M) und Cyber Security.

Umwelttechnik

Der Spielraum für öffentlich finanzierte Umweltprojekte bleibt wegen der auf allen Ebenen der Verwaltung angespannten Finanzlage begrenzt. So sind etwa bei den US-Bundesmitteln für die Wasserinfrastruktur trotz des dringenden Investitionsbedarfs auch 2014 Kürzungen zu erwarten. Gleichwohl sorgt die Regulierungspolitik durch die Verschärfung von Umwelt- und Emissionsstandards für eine Belebung der Nachfrage nach umweltfreundlicher Technik. Von Investitionen im Bereich „grünes Bauen“, in kraftstoffeffiziente Fahrzeuge oder in die Einhaltung von Sicherheitsstandards bei der Wasserversorgung und -entsorgung profitieren auch deutsche Firmen. Größere Ausgaben könnten bald im Kraftwerkssektor anstehen, wenn die geplanten Regeln der Umweltbehörde EPA zur Begrenzung der CO2-Emissionen wirksam werden.

Medizintechnik

Der mit einem Volumen von 124 Mrd. US$ (2012) größte Medizintechnikmarkt der Welt könnte nach Einschätzung von Branchenkennern auch in den kommenden Jahren um etwa 3 bis 5% jährlich wachsen. Knapp ein Drittel des Bedarfs wird derzeit über Importe gedeckt. Nachfragetreiber sind das US-Bevölkerungswachstum, die alternde „Baby-Boomer“-Generation sowie die hohe Verbreitung von „Zivilisationskrankheiten“. Die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama und die damit verbundene Ausweitung der Krankenversicherung kann die Medizintechnikbranche nur eingeschränkt für sich nutzen. Grund ist die neue Medical Devices Excise-Steuer auf den Verkauf von Branchenprodukten. Darüber hinaus bleibt der Druck zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen hoch. Eine Herausforderung in dem stark regulierten Markt ist die Zulassung neuer Produkte.

Pharmaindustrie

Nach dem erstmaligen Rückgang der US-Arzneimittelausgaben im Jahr 2012 ist auch 2013 mit einem leicht rückläufigen Absatz zu rechnen. Die Werksauslieferungen der US-Pharmaproduzenten sanken in den ersten neun Monaten um 1% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Einfluss einer Welle von Patentabläufen sollte indes ab 2014 nachlassen. Dennoch dürfte der Marktanteil kostengünstiger Generika wegen der Einsparbemühungen im Gesundheitswesen auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Die künftige Branchenentwicklung hängt entscheidend vom Erfolg der Gesundheitsreform (ObamaCare) ab. Nach einer Studie von IMS Health wird sich das Ausgabenvolumen 2017 – je nachdem, wie viele Personen dann krankenversichert sind – zwischen 300 Mrd. und 460 Mrd. US$ bewegen (2012: 328 Mrd. US$).

Stromwirtschaft

Nach dem Boomjahr 2012 mit einem Investitionszuwachs von 25% ist der US-Kraftwerksbau in eine Korrekturphase eingetreten. Mit größeren Neuinvestitionen ist erst wieder zu rechnen, wenn derzeit bestehende Überkapazitäten abgebaut sind. Niedrige Erdgaspreise und die Klimapolitik von Präsident Obama dürften dabei für einen zunehmenden Ersatz von Kohlekraftwerken durch moderne Gasturbinen sorgen. Die Modernisierung der US-Stromnetze bleibt weiterhin ein vorrangiges Thema. Die Schaffung von Smartgrids und die Sicherung der Stromversorgungssysteme gegen Wetterextreme werden in den kommenden Jahren Milliardeninvestitionen erfordern. Erneuerbare Energien und Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz werden weiterhin durch vielfältige öffentliche Fördermaßnahmen unterstützt.

Öl- und Gaswirtschaft

Die Öl- und Gaswirtschaft wird in den USA noch über viele Jahre einer der wichtigsten Wachstumssektoren bleiben. Die stärkere Anwendung innovativer Fördermethoden verhilft nach dem Gassektor inzwischen auch der Ölindustrie zu neuem Auftrieb. Hauptnutznießer des steigenden Angebots kostengünstiger Energierohstoffe sind neben der klassischen Petrochemie die weiterverarbeitenden Industrien und energieintensive Produktionsbetriebe. Darüber hinaus profitieren Lieferanten von Fördertechnik, Pipelines und anderen Ausrüstungen vom hohen Investitionsbedarf. Der langsam anlaufende Export von Flüssigerdgas (LNG) wird künftig zusätzliche Milliardenausgaben für Gasverflüssigungsanlagen und Verschiffungsterminals anschieben.

 

Kommentare

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  1. Andres Müller sagt:

    Die Experten der GTAI beurteilen die Aussichten in der US- Informations- und Kommunikationstechnik so, als hätte es nie eine NSA- Affäre gegeben.

    Deren uneingeschränkt positivistische Sicht ohne jede Erwähnung von wesentlichen Risikofaktoren, ist geradezu grotesk.

    Entgegen dieser aus meiner Sicht vollkommen wertlosen Voraussagen über die Perspektiven von „Cloud“ Computing und drahtloser Telefonie, gehe ich eher von einer Abwanderung der Informationstechnologien aus den USA aus. Ich teile die Einschätzung anderer Experten, welche die zu erwartenden Einbussen für die USA als systemisch relevant einstufen.

  2. EEM sagt:

    USA bietet gute Chancen für den Mittelstand
    Ja genau … selten so gelacht!
    Wie sieht es denn in den USA selbst aus? Findet man dort nicht viele viele Geisterstädte?
    Wahrscheinlich gibts genügend Schlafschafe die diese Lüge auch noch glauben!