Elektroschrott treibt Preise von Smartphones in die Höhe

Die Müllberge mit Elektroschrott wachsen immer schneller. Mit alten Smartphones und Tablets landen zu Weihnachten wieder wertvolle Metalle wie Gold und Silber auf dem Schrottplatz. Das wird die Preise für Elektroartikel in die Höhe treiben. StEP, eine Initiative aus Deutschland, bemüht sich auf der ganzen Welt um den Aufbau von besseren Recycling-Programmen.

Alte Handys, Bildschirme, Computer und elektronisches Spielzeug. All diese Produkte landen irgendwann auf dem Müll. Und die Müllberge wachsen immer schneller: In den nächsten fünf Jahren wird der Schrott um ein Drittel anwachsen und ist dann vergleichbar mit einem Schrottplatz, auf dem jedes Jahr 60 Millionen Autos gelagert werden. In dem Elektroschrott befinden sich wertvolle Metalle wie Gold oder Silber.

Wenn alle Metalle aus 100.000 Handys extrahiert werden könnten, entspräche das einem Goldgewinn von 2,4 Kilogramm. Hinzu kommen 900 Kilogramm Kupfer und über 25 Kilogramm Silber. In diesem Müllberg verstecken sich also Edelmetalle im Wert von 250.000 US-Dollar.

„Elektroschrott breitet sich aus“, sagte Rüdiger Kühr, Chef der Solving the E-Waste Problem Initiative (StEP), die in Bonn ins Leben gerufen wurde. Wenn die Recycling-Programme von Elektroartikeln nicht bald wesentlich besser werden, steigen die Produktionskosten von Smartphones und Tablets. Als Elektroschrott wird alles bezeichnet, was ein Kabel oder eine Batterie besitzt.

StEP ist die erste Initiative ihrer Art. Kühr arbeitet eng mit den Vereinten Nationen, der Industrie NGOs und wissenschaftlichen Instituten zusammen, um das Problem auf einer globalen Ebene anzugehen. Es laufen bereits Pilotprojekte zum Recycling von Elektroschrott in Ghana, Ägypten und Äthiopien, berichtet das Technik-Magazin Motherboard. Erstes Ziel ist es, die alten Elektrogeräte vor Ort einzusammeln und nicht im Müll verrotten zu lassen. Das ist StEP bereits gelungen.

Alle gesammelten Geräte, die nicht repariert werden können, werden auseinander genommen. Technische Komponenten, die besonders sensibel sind, werden nach Europa verschifft, wo es bereits Fabriken gibt, in denen sicheres Recycling möglich ist.

Wir glauben, die Initiative kann sich bald selbst finanzieren“, so Kühr. „Allerdings brauchen wir dafür weltweite Unterstützung der Regierungen und Unternehmen.“ Firmen sollten bereits in der Produktentwicklung an die Wiederverwertbarkeit der einzelnen Komponenten und Metalle denken. Am einfachsten geht das, wenn sich die Firmen ihre alten Geräte zurückschicken lassen. Kunden könnten durch Rabatte auf Neuwaren dazu motiviert werden, alte Geräte zurückzuschicken.

Die Regierungen müssen die Recycling-Kette kontrollieren und Missbrauch mit den Rohstoffen verhindern.

China hat in 2012 etwa 11,1 Millionen Tonnen Elektroschrott produziert und seinen Output damit in zwei Jahren vervierfacht. Die USA liegen knapp dahinter auf Platz zwei (10 Millionen Tonnen). Im vergangenen Jahr waren die beiden Länder für fast die Hälfte der knapp 50 Millionen metrischen Tonnen Elektroschrott verantwortlich. Dieses Volumen steigt bis 2017 auf 65 Millionen Tonnen an. Bis dahin werden die Entwicklungsländer den meisten Elektromüll generieren.

In 2010 wurden in den USA 258 Millionen gebrauchter Computer, Bildschirme und Handys auf den Müll geworfen, heißt es einer Studie des Massachusetts Institute of Technology zufolge (MIT). Die Mobiltelefone machen fast die Hälfte aller Geräte aus. Ein Teil der Elektrogeräte wird nach Asien oder Lateinamerika exportiert. Alte Laptops landen zum Beispiel oft in Hong Kong oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo sie weiter verteilt werden.

Die Studie belegt, dass die USA die Zahl der eingesammelten Geräte bereits gesteigert haben. Der größte Teil ihres Elektroschrottes wird selbst verwertet. Nur noch 8,5 Prozent des eingesammelten Mülls wird verschifft.

Dennoch gibt es immer Geräte, die nicht in den Recycling-Kreislauf gelangen. Haartrockner oder Rasierapparate landen weiterhin auf der Verbrennungsanlage oder der Mülldeponie. Auch die Mobiltelefone sind schwer zu verwerten, denn sie bestehen aus 40 bis 60 verschiedenen Elementen.

Kommentare

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  1. Marie Pirsich sagt:

    Auch wenn das Thema theoretisch für niemanden mehr Fragen aufwerfen sollte ist wohl im Bezug auf die Aufklärung in Sachen Entsorgung einiges falsch gelaufen in den letzten Jahren. So besteht für jeden die Möglichkeit, dank des Internets,
    zu „recherchieren“ wie eine Ordnungsgemäße Beseitigung von Wertstoffen ablaufen sollte. Aber das liegt weg vom Interessenbereich und wird nicht wahr genommen. Auch dass die Entsorgung mittlerweile von genügend Dienstleistern wie sogar der Deutschen Post (für Faule: http://www.deutschepost.de/de/e/electroreturn.html) oder Firmen wie http://www.elektroschrott.de, um einen der Offensichtlichsten zu nennen, Online angeboten und mit Abholservice oder sogar der möglichkeit des Einschickens versehen ist scheint ein weitgehendes Geheimniss zu sein.
    Anders kann ich mir die immernoch häufigen Missetaten der Umwelt gegenüber nicht erklären. Ich denke auch dass die Menschen einen falschen Geiz an den Tag legen, da zwar alle 2 Jahre ein neues Handy gekauft wird, aber das alte Zuhause verstaubt.
    Think Green

  2. Andreas Boykot sagt:

    Fest hat es gut gesagt 🙂 Musste ich schmunzeln.

    Zum anderen gibt es Unternehmen die sich um eine korrekte Entsorgung und Recycling des Elektroschrotts kümmern. Arbeite aus beruflichen Wegen da mit http://www.elektroschrott.de/ und anderen Unternehmen zusammen und finde, dass es durchaus Wege gibt aber die sind einfach nicht bekannt. Ob dabei wirklich so viel rumkommt, da muss ich Fest recht geben, ist fraglich aber auf die Masse gerechnet, kann das was sein/werden. Dennoch sollte hier nicht nur der potentielle Gewinn dahinterstehen, was nun mal leider so ist. Umweltschutz ist da untergeordnet. Klar die Prozesse kosten viel aber ich denke, da sollte man mal andere Wege und moralische Ansätze finden.

  3. Fest sagt:

    Wenn in 100.000 Geräten Edelmetalle im Wert von 250.000 US-Dollar enthalten sind, macht das pro Gerät den sagenhaften Betrag von 2,50$. Unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Hochpreisphase bei diesen Rohstoffen kann es sich also nur um Spuren dieser Metalle pro Gerät handeln.

    Es ist absehbar, das wie in der Vergangenheit geschehen, auch in Zukunft durch den technischen Fortschritt der Einsatz der heute noch verwendeten Edelmetalle verringert oder sogar durch weniger edle Materialien ersetzt werden wird.

    „Die Regierungen müssen die Recycling-Kette kontrollieren und Missbrauch mit den Rohstoffen verhindern.“
    Der durch die NSA verwanzte Elektronikschrott müsste ja leicht zu orten sein.

  4. Marek D. sagt:

    Man kann ja vieles schlecht reden,

    aber ich habe bislang nur gute Erfahrungen mit Electroreturn der Deutschen Post gemacht. Soweit ich weiss, ist damit sichergestellt, dass der Schrott eben nicht in Drittländern landet, sondern hierzulande unter strengen Auflagen recycled wird.

    Man sollte nicht alles schlecht reden. Es gibt auch gute Nachrichten im Zusammenhang mit Elektroschrott und Afrika, u.a. http://blog.deutschepost.de/electroreturn/elektroschrott-als-chance/

    Herzlichst,
    Marek

    • Hülsensack sagt:

      Und weil es dort so ge.- und beschrieben wird, ist es ein Gewinn?
      In dem angefürten Bericht haben die Leute in Afrika erklärt, wie die „Lieferungen“ dort ankommen in den Containern.
      Zwei Stapelreihen hinter der Tür sind einigermaßen brauchbar fürs Receykeln, der Rest unbrauchbar.
      Aber träumt weiter von dem „richtigen“ Weg und laßt euch jeweils öfter schröpfen für einen Artikel. Dann können die auch für jede kleine Tüte aus PVC im Handel richtig hinlangen, aber doppelt. Erst beim Kauf und dann für die „Wiederverwertung“.
      Schon mal beobachtet, wie Glas receykelt wird?
      In extra Farbencontainern, wo man es reinwerfen darf. Auf den großen Sammelplätzen wird es dann munter durcheinander gekoppt, weil es die wenigsten dort sehen können.

  5. Hülsensack sagt:

    Bei der Haltbarkeitsdauer ist es wohl verwunderlich?
    Würde man das verändern, schrumpft der Gewinn, welcher mit Zuwachs betitelt wird. Aber man wird schon den Endverbraucher erneut zur Kasse holen, weil Wirtscheft und Politik es so sehen wollen.
    Der Endverbraucher ist wie immer der DUMME, nur die wenigsten wollen es wahrnehmen. Deshalb werden sie regelmäßig gerupft.

  6. Wolfgang Hahn sagt:

    Die Überschrift ist leicht daneben!

    Es geht darum, daß Rohstoffe fehlen, weil zu wenig E’schrott fachgerecht recycelt wird!
    Da Mobiltelefone aber nicht in D gefertigt werden, wohl aber als E’schrott anfallen, hülfe Recycling in D kaum den Fernost-Produzenten – es sei denn, die zahlten die hohen Preise für in D recyceltes Material.

  7. Marie P. sagt:

    Das ist kein Wunder, wir konsumieren unbewusst, schmeißen defekte Geräte eher weg, bevor wir sie reparieren lassen und (was dem ganzen die Krone aufsetzt) oftmals entsorgen wir unsere Abfälle falsch.
    „Elektroschrott oder Elektronikschrott stellt wegen der zu entsorgenden großen Menge und vor allem wegen der enthaltenen, gefährlichen Stoffe ein bedeutendes umweltpolitisches Problem dar und muß zwingend im Rahmen des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes gesondert und fachgerecht entsorgt werden.“ (Quelle: http://www.müllwirtschaft.de/questions/was-ist-elektroschrott/)
    Jemand muss die Rechnung tragen! Nicht die Natur und Umwelt! Daher ist eine Erhöhung der Preise auch gerechtfertigt! Das Gemecker ist am Anfang groß, aber das stört nach einer Weile die Menschen nicht – sie werden weiter konsumieren (siehe Tabaksteuer).

  8. ichweissnix sagt:

    Leider funktioniert dieses gewünschte Recycling System nur mit Arbeitskräften, die mit 10ct. pro Stunde zufrieden sind. Irdenwo, ich weiss es nicht mehr ganz genau, zahlen wir doch schon einen 10 EUR Aufschlag, ich glaube das es PCs waren. Also zahlen wir den Aufschlag, und der Rummel geht trotzdem nach Ghana ? Hammer.

    • Hülsensack sagt:

      Um diesem aus dem Weg zu gehen, wird der größte Haufen nach Afrika geschifft, wo man ganze Landstriche zuschüttet. Wurde schön und deutlich gezeigt in der Doku auf arte, mit dem Titel: „Wir produzieren für die Müllhalde.“ Ist aber nicht mehr zu finden, um es anzusehen.