Private Equity: Investoren suchen solide Unternehmen

Anleger im Private Equity Markt erwarten Renditen im zweistelligen Bereich. Glaubt man Versicherungen und Pensionsfonds, sind die Mindestrenditen in den nächsten 5 Jahren gesichert. Mittelstands-Anleihen sind ein beliebtes Investment.

Angesichts mageren Renditen an den Kapitalmärkten setzen viele große Anleger einer Studie zufolge weiterhin große Hoffnungen in die Private-Equity-Branche (PE). 86 Prozent der Anleger erwarteten, dass sich ihr Kapital in den Händen der Finanzinvestoren pro Jahr um mehr als elf Prozent (IRR) vermehre, geht aus der aktuellen Branchenstudie von Coller Capital hervor. Ein Viertel der Anleger erwarte sogar eine Rendite von 16 Prozent und mehr.

Michael Schad, Partner bei Coller Capital, sagte in Bezug auf den Private Equity Markt in Deutschland:

„Europa hat die Rezession hinter sich gelassen und systembedrohliche Risiken sind reduziert. Zwar bleiben mittelfristig Probleme, denn strukturelle Reformen und eine stärkere wirtschaftliche Integration sind nötig. Insgesamt aber sind die Bedingungen günstig für Private Equity. Die Mehrheit der europäischen Private-Equity-Investoren erwartet, dass sich das Marktumfeld stetig verbessern wird – eine positive Nachricht für den  deutschsprachigen Raum.“

62 Prozent der 113 von Coller befragten Großinvestoren – darunter Versicherer und Pensionsfonds – erwarten, dass die Branche ihre Mindestrenditen auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren beibehalten kann. Dabei wollen sie in den nächsten ein bis eineinhalb Jahren mehr Rückflüsse sehen: 56 Prozent glauben, dass die Fonds mehr ausschütten werden als bisher. Angesichts einer steigenden Konjunktur könnten dazu auch Sonderdividenden gezahlt werden, ohne den Unternehmen zu viel Geld zu entziehen. Diese Ausschüttungen werden meist mit zusätzlichen Krediten finanziert. „In Nordamerika haben die Investoren bereits sehr gute Rückflüsse bekommen. Jetzt erwarten sie, dass auch in Europa die Ausschüttungen stärker werden“, sagte  Coller-Capital-Partner Michael Schad der Nachrichtenagentur Reuters.

Zuletzt hatten sich viele Fondsgesellschaften darauf konzentriert, Unternehmen aus ihrem Portfolio gut zu verkaufen, um frisches Geld einsammeln zu können. Doch das ist nicht jedem geglückt: „Das Fundraising ist immer noch schwierig“, räumte Schad ein. Er erwartet, dass sich in den nächsten zwei Jahren die Spreu vom Weizen trennt – dann werde es weniger Beteiligungsgesellschaften geben, die große Übernahmen stemmen können. Einige warteten noch auf eine bessere Gelegenheit, neue Fonds aufzulegen. Schad: „Aber wer nicht gut durch die Finanzkrise gekommen ist, wird Schwierigkeiten haben, neues Kapital einzusammeln.“

Zwar sind Investoren zurzeit bestrebt, ihre Risikokapitalbeteiligungen zu reduzieren. Jedoch glauben sie nicht, dass dies ohne Folgen bleiben wird. Für mehr als die Hälfte der PE-Investoren beiderseits des Atlantiks stellt die Schwäche des europäischen Venture-Capital-Marktes ein erhebliches Problem dar. Dies könnte sich nachteilig auf das Wachstum der europäischen Wirtschaft auswirken.

Skeptischer betrachten Investoren eine andere mögliche Innovationsquelle: die Finanzierung futuristischer Hi-Tech-Projekte einiger Milliardäre. 60 bis 70% der PE-Investoren lehnen Projekte wie den Asteroidenbergbau oder das Hyperloop-Hochgeschwindigkeitstransportsystem zwischen Los Angeles und San Francisco als ‚Eitelkeitsprojekte der Reichen’ ab.

Die Investoren setzen offenkundig auf solide Investments in gut geführten Unternehmen mit starker Bodenhaftung (mehr hier). Stellenweise liest sich der Branchenreport daher wie eine kundige Schilderung all jener Tugenden, die traditioneller Weise Weltmarktführer aus dem deutschen Mittelstand auszeichnen.

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