Banken setzen auf Expansion des Mittelstands

Die Banken wollen mittelständischen Unternehmen Kredite vermitteln, damit diese ins Ausland expandieren. Durch ihr weit verbreitetes Filialnetz hat die HSBC einen Wettbewerbsvorteil. Der Mittelstand soll die Märkte in Asien und Südamerika stärker erschließen. Aber noch immer bleibt der Großteil der deutschen Exporte in Europa.

Die Privatbank HSBC Trinkaus setzt bei ihrer geplanten Expansion in Deutschland auf den exportorientierten Mittelstand. Sie hofft insbesondere darauf, dass die Firmen verstärkt nach Asien und Südamerika vorstoßen. „Im Mittel sind deutsche Firmen überdurchschnittlich stark in Europa und unterdurchschnittlich stark in schnell wachsenden Märkten aktiv“, sagte der für das Firmenkundengeschäft zuständige HSBC-Trinkaus-Manager Stephen Price in einem am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Interview. Das britische Mutterhaus HSBC ist in asiatischen Ländern besonders aktiv.

Price verweist auf Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie zeigen, dass im vergangenen Jahr noch 69 Prozent aller deutschen Exporte nach Europa gingen. Der Anteil ist in den vergangenen Jahren zwar etwas zurückgegangen, liegt aus Sicht von Price aber immer noch zu hoch. „Die Unternehmen haben begonnen, diese strategische Herausforderung anzugehen und werden in diesem Bereich in den nächsten Jahren weitere Anstrengungen unternehmen“, erklärte der HSBC-Trinkaus-Manager. „Ein Mittelständler, der seit Jahren Geschäfte in Brasilien macht, überlegt beispielsweise, in dem Land nun auch einen Produktionsstandort aufzumachen.“

HSBC Trinkaus habe bei ihrer Expansion besonders solche Firmen im Blick, so Price. Das Institut, das sich hierzulande in der Vergangenheit auf Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 250 Millionen Euro konzentrierte, will künftig auch um kleinere Firmen ab einem Umsatz von 35 Millionen Euro buhlen. Bisher hat die Bank in Deutschland rund 1.500 Firmenkunden. „Wir wollen unsere Kundenbasis in den kommenden vier Jahren verdoppeln“, kündigte Price an. „Im Jahr 2013 haben wir bereits mehr Neugeschäft gemacht als wir erwartet hatten.“

Mittelstand ist auf Filialen der HSBC „angewiesen“

Die Privatbank will im hart umkämpften deutschen Mittelstandsgeschäft mit dem internationalen Netzwerk von HSBC punkten. „In Asien arbeiten für uns rund 50.000 Menschen in 21 Ländern, in Südamerika haben wir rund 65.000 Beschäftigte“, unterstrich der Manager, der erst im Sommer von der britischen Mutter zur Düsseldorfer Tochter gewechselt ist (Mehr Informationen über attraktive Absatzmärkte – hier).

Auch Konkurrenten wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank sind in Asien vertreten, haben dort jedoch nicht annähernd so viele Filialen wie HSBC. Manche Mittelständler sind genau darauf angewiesen, wie ElringKlinger -Chef Stefan Wolf erklärt. Der schwäbische Autozulieferer wird in den USA und Brasilien zum Teil noch mit Schecks bezahlt. Bei HSBC kann ElringKlinger diese in den Filialen an seinen Standorten in Leamington in Kanada und in Piracicaba in Brasilien einreichen, damit das Geld umgehend auf dem Konto des Unternehmens gutgeschrieben wird.

Wenn HSBC einen Kredit an ein Unternehmen vergebe, habe die Bank grundsätzlich alle Geschäftsbeziehungen mit der Firma weltweit im Blick, sagte Price. Wenn die Bank sich an einem Unternehmenskredit in Deutschland beteilige, bei dem die Marge gering sei, könne sie damit beispielsweise einen Zahlungsverkehr-Auftrag in Südamerika sichern. „In solchen Situationen ist die weltweite Bedeutung des Kunden wichtiger als die einzelne Kreditmarge“, sagte Price. Im Gegenzug seien auch die Filialen von HSBC außerhalb Deutschlands angewiesen, sich um die Auslandstöchter deutscher Mittelständler zu kümmern.

 

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