Wirtschaftsverband warnt: Rezession in Italien vertieft sich

Der soziale Zusammenhalt in Italien geht verloren. Das gefährde die Zukunft Italiens, warnt der größte Wirtschaftsverband des Landes. Die Wirtschaft werde um 1,8 Prozent schrumpfen. Zuvor waren die Experten von einem kleineren Minus ausgegangen.

Die Zukunft Italiens steht nach Ansicht des größten Wirtschaftsverbandes des Landes auf des Messers Schneide. Das Hauptrisiko sei, dass der soziale Zusammenhalt verloren gehen könnte, warnte die Lobby-Gruppe Confindustria, die 150.000 Firmen vertritt, am Donnerstag in Rom. Dazu könnte vor allem die steigende Zahl an Protesten beitragen, die darauf zielten, für Unruhe zu sorgen und staatliche Organisationen zu untergraben.

Der Industrieverband sagte der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone nach Deutschland und Frankreich voraus, dass die Wirtschaft dieses Jahr um 1,8 Prozent schrumpfen werde. Zuletzt hatte er nur ein Minus von 1,6 Prozent befürchtet. 2014 dürfte das Bruttoinlandsprodukt laut Confindustria dann aber um 0,7 Prozent wachsen.

Die Forconi-Bewegung protestiert weiter

Seit Wochen protestiert die Forconi-Bewegung in Italien gegen die Regierung.

Die Generalsekretärin der vereinigten italienischen Gewerkschaften, Susanna Camusso, fordert eine sofortige Rücknahme der neuen Finanzgesetzgebung: Diese sieht vor, dass der Staat die ausständigen Beträge von Steuerflüchtlingen noch entschiedener eintreiben will. Der italienische Staat braucht das Geld  dringend für den Schuldendienst.

Das wollen die Gewerkschaften nicht hinnehmen. Camusso sagte bei einer Demonstration in Rom, das Hauptproblem Italiens seien die unteren Einkommen bei Arbeitern und Rentnern. Diese müssten aufgestockt werden. Sollte die Regierung nicht einlenken, „werden wir uns wieder auf den Plätzen dieses Landes versammeln“. Italien stehe vor dem Ruin, aber der Ruin der kleinen Leute könne nicht zugelassen werden. Von Bari bis Turin kam es am Samstag zu Kundgebungen gegen die Regierung, berichtet der Corriere.

Die Sprecherin des Abgeordnetenhauses, Laura Boldrini, warf unterdessen den Forconi vor, „Benzin ins Feuer zu gießen“. Italien befände sich in einer schweren Krise – und diese Krise werde noch andauern. Die Politik müsse jedoch Antworten auf die Fragen der Bürger geben.

Im Veneto gingen die Forconi erneut auf die Autobahn. Die Tangente bei Vicenza musste gesperrt werden, kilometerlange Staus waren die Folge. In Turin ist es bei einer Studentendemonstration auf dem Platz der Republik zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Die Studenten hatten Eier und Farbbeutel geworfen, die Polizei rückte vor. Die Demonstranten melden einen verletzten Jugendlichen.

Sollten sich die Proteste der Mistgabeln mit denen der Gewerkschaften vereinen, könnte dies für die Regierung Letta zum Problem werden: Die Gewerkschaften verfügen in Italien über eine exzellente Organisations-Struktur. Sie hatten bereits alle Ideen des in Vergessenheit geratenen Goldman-Premiers Marion Monti im Keim erstickt – weshalb Italien trotz aller Propaganda der Politik in den vergangenen Jahren faktisch keinerlei Reformen durchgeführt hat.

Kommentare

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  1. Euroende sagt:

    Immer noch von den deutschen MSM keine Info über Forconi-Proteste. Das will man unter der Decke halten, was nicht sein kann, das nicht sein darf. Eu- und Eurohasser dürfen keinen Auftrieb bekommen. Der Funke darf nicht überspringen. Europathen und perverse EU-Gläubige sollen weiter in der schönen Eurowelt leben und weiterschlafen.

  2. Peter G. sagt:

    Wo sind eigentlich die deutschen Studenten, die einst, auch nach eigenem Verständnis, an der Spitze gesellschaftlicher Umbrüche standen? Deren Stilllegung muss als Meisterstück angesehen werden.

    • moep sagt:

      Die hecheln jeder für sich ihren Creditpoints für den Bachelor hinterher.

      • Euroende sagt:

        so total angepasst war die junge Generation noch nie, dank dem Schlaf bzw. Rausch im Konsumland, dem Elektronikwahn verfallen, mit IT, Tablett, Smartphone verheiratet und mit Krediten eingedeckt. So schafft man ange-passte kritiklose Konsumlemminge.