SEPA-Lastschrift: Neun von zehn Unternehmen sind unvorbereitet

Die Umstellung auf das EU-weite SEPA-Verfahren geht nicht schnell genug voran. Alle Lastschriftverfahren müssen erneuert werden. Die dazu notwendige Gläubiger-ID haben neun von zehn Unternehmen noch nicht beantragt. Die Bundesbank hat für die Vergabe der Gläubiger-ID daher einen Urlaubsstopp bis zum 1. Februar verhängt.

Die SEPA-Umstellung soll Überweisungen ins EU-Ausland einfacher und schneller machen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Bislang seien nur 10 Prozent der Lastschriftverfahren auf das neue Zahlungssystem umgestellt. Das ist viel zu wenig. Bis zum Ablauf der Frist „müssen wir auch die noch fehlenden 90 Prozent kriegen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bundesbank den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die Zeit drängt. Die Frist für die Umstellung läuft am 1. Februar 2014 aus. Danach drohen Zahlungsausfälle und Liquiditätsengpässe.

„Allein bei einer Fehlerquote von zwei Prozent, müssten 1,2 Millionen Überweisungen und Lastschriften nachbearbeitet werden“, sagte Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele der Welt. Dadurch könne es beispielsweise zu Verzögerungen bei Löhnen und Gehältern kommen.

Für den Einzug von Lastschriften mittels SEPA (Single Euro Payments Area) benötigen Unternehmen eine Gläubiger-ID (mehr Details zur Umstellung – hier). „Bis Mitte Dezember wurden rund 1,25 Millionen Gläubiger-IDs vergeben. Insgesamt gibt es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt rund 3,6 Millionen Unternehmen und etwa 580.000 Vereine“, schreibt die Bundesbank. Zwar nutzen nicht alle das Lastschriftverfahren, „aber vermutlich doch mehr als die bislang beantragten Gläubiger-IDs nahelegen“, Thiele.

Außerdem müssen sie ihre Kunden und Geschäftspartner anschreiben und den Lastschrifteinzug aktualisieren. Anfang Dezember 2013 waren einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge 84 Prozent der befragten Verbraucher mit dem Begriff SEPA vertraut. Die IBAN (International Bank Account Number) kannten sogar über 90 Prozent der Befragten.

Trotzdem fühlen sich viele Unternehmen nicht dazu verpflichtet, zu handeln. Die meisten glauben, sie müssten das bei Auslandsüberweisungen etwas tun, sagte ein Sprecher der Bundesbank den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Anlass zur Sorge gibt der Bundesbank vor allem der Vorbereitungsstand von kleinen und mittleren Unternehmen – bei der SEPA-Lastschrift sei der Umsetzungsstand sogar im roten Bereich (siehe Grafik).

Die Banken seien bereits ausreichend auf die Umstellung vorbereitet. Notfalls sollen die Scheckbücher wieder rausgeholt werden (mehr hier). „Viele Kunden sind verwirrt, weil einige Banken ihr Online-Banking in den letzten Tagen aktualisiert haben“, sagte Pressesprecherin Tanja Beller vom Bundesverband der Deutschen Banken den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die SEPA-Funktion sei schon lange in den Systemen der Banken implementiert, rücke aber jetzt auf die Startseite beim Online-Banking.

Bei Auslandsüberweisungen in Nicht-EU-Länder, wie zum Beispiel in die Türkei, kann es weiterhin zu Verzögerungen und Kosten kommen, die durch die einheitliche Überweisung im Euroraum wegfallen sollen. Dafür müssen in Deutschland insgesamt rund 25 Millionen arbeitstägliche Überweisungen im Wert von 227 Milliarden Euro und gut 35 Millionen Lastschriften im Wert von rund 52 Milliarden Euro umgestellt werden, berichtet die Bundesbank.

Bis zum Ablauf der Frist dürfen die zuständigen Mitarbeiter der Bundesbank keinen Urlaub nehmen. Denn es werde „keine Aufweichung der Umstellungsfrist geben. Das ist sicherlich insbesondere für Deutschland sehr sportlich, aber es ist noch zu schaffen, wenn sich alle Beteiligten anstrengen, und angesichts des anstehenden Big-Bangs nicht in Panik verfallen“, rät Thiele in einer Rede.

Kommentare

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  1. Jagmk. sagt:

    Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!?

  2. Observator sagt:

    Die SEPA-Umstellung ist, wie so viele Gesetzesänderungen, in erster Linie eine Wirtschaftförderung für die Software-Industrie.

    Unternehmen müssen riesige Beträge und auch eine Menge Manpower in die Umstellung ihrer Software leisten. Für SAP und ihre Marktbegleiter sind solche gesetzliche Änderungen eine Gelddruckmaschine.

    Wenn man hört, welchen Aufwand und wie viel Zeit große Unternehmen benötigen, um diese Umstellung in ihrer IT umzusetzen, bis die Sache einwandfrei läuft, dann muss man sich wirklich fragen, ob Politiker wissen, was sie mit vielen Gesetzesänderungen anstellen.