Zu wenig Bewerber: EZB verfehlt Frauen-Quote

Für die 1.000 neuen Stellen bei der Europäischen Bankenaufsicht bewerben sich bisher zu wenige geeignete Frauen. Die EZB wollte 28 Prozent in der Führungsebene mit Frauen besetzen. Das Banking ist offenkundig Männersache - auch in der Aufsicht.

Die EZB kann die selbst auferlegte Frauenquote nicht erfüllen. Es fehlen geeignete Bewerberinnen für die neuen Stellen bei der Bankenaufsichtsbehörde.

Bisher hat die EZB nur die französische Bankenaufseherin Daniele Nouy als Chefin des Einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus (SSM) bestätigt, berichtet die FT. Die EZB hat in der ersten Einstellungsrunde für den SSM circa 100 Stellen ausgeschrieben. Unter den Bewerbern waren zu wenige Frauen, um die von der EZB selbst gesetzte Frauenquote erfüllen zu können.

Im August hatte die EZB gesagt, dass bis 2019 im oberen Management 28 Prozent mit Frauen besetzt sein müssen, im mittleren Management sogar 35 Prozent. Das EU-Parlament hatte kritisiert, dass bei der Zentralbank zu wenige Frauen in leitenden Positionen sind.

Insgesamt werden für die Europäische Bankenaufsicht rund 1.000 neue Stellen geschaffen. Die Behörde soll ab Ende 2014 die 130 systemrelevanten Banken der Eurozone beaufsichtigen. Die Zentralbank will auch Banker einstellen, die von Europas Banken entlassenen werden. Diese wüssten, „wo man suchen muss“, sagte ein EZB-Beamter.

Die neuen 1.000 Stellen werden als eine große Chance für Frauen betrachtet. Ein EZB-Sprecher sagte, wenn ein Mann und eine Frau dieselben Qualifikationen hätten, werde die Bankenaufsicht die Frau einstellen – eine bei deutschen Konzernen übliche Praxis.

Viele nationale Aufsichtsbehörden versuchen Einfluss bei der neuen Euro-Bankenaufsicht zu erlangen, indem sie versuchen, dort möglichst viele eigene Mitarbeiter unterzubringen. Die deutsche Bankenaufsicht BaFin hat in den letzten Wochen mit ihren Mitarbeitern Trainingskurse durchgeführt, in denen diese lernten, wie man den Bewerbungsprozess bei der EZB erfolgreich durchläuft.

Derzeit gibt es sowohl im EZB-Direktorium als auch im EZB-Rat nur Männer.

Doch die Bankenaufsicht wird von der Französin Nouy geführt werden. Zudem wird erwartet, dass Deutschland die Vizechefin der Bundesbank Sabine Lautenschläger als Ersatz für EZB-Direktor Jörg Asmussen vorschlägt. Dieser ist als Staatssekretär ins deutsche Sozialministerium gewechselt (hier).

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  1. Rudolf-Robert DAVIDEIT sagt:

    In der späten DDR waren Buch- & Finanzwirtschaft eher Frauendomäne.
    Nichts für Ungut! Nach meiner letzten Diktatur kann ein Schottisch-Preußischer nur davor warnen, denn das würde das Elend nur verlängern.
    Rudolf-Robert Davideit