Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer kritisiert Mindestlohn

Ein flächendeckender Mindestlohn gefährde die Schwächsten am Arbeitsmarkt, so Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer. Durch die Einführung steigen die Sozialabgaben massiv. Kramer fordert, Ausnahmen bei der Regelung zuzulassen.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat den von der neuen Regierung geplanten flächendeckenden Mindestlohn kritisiert. „Ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn würde zulasten der Schwächsten am Arbeitsmarkt gehen“, so Kramer. „Wir brauchen Differenzierungen, Stufenpläne und Ausnahmen.“ Kramer sagte, ein Zurückdrehen der erreichten Flexibilisierung des Arbeitsmarktes würde die Beschäftigungserfolge der letzten Jahre gefährden.

„Sorgen bereiten mir die Pläne der Regierungskoalition, den Arbeitsmarkt mit bürokratischen Regulierungen weniger flexibel zu machen und Arbeitnehmer und Arbeitgeber durch hohe Sozialbeiträge weiter zu belasten“, so der Arbeitgeber-Präsident.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) äußerte sich ebenfalls zum geplanten Mindestlohn. Der Verband will bei der Regelung Ausnahmen für Ostdeutschland. „Der geplante Mindestlohn trifft vor allem den Mittelstand in Ostdeutschland“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann der Passauer Neuen Presse. „Hier muss es Ausnahmen geben.“

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, dass ab spätestens 2017 verpflichtend 8,50 Euro als Lohnuntergrenze gelten sollen. In der Koalition gibt es Streit um Ausnahmeregelungen, Gewerkschaftler fordern dagegen einen höheren Mindestlohn.

Der Mindestlohn führte bereits zum ersten Streit in der Großen Koalition: SPD-Chef Gabriel hat die CDU öffentlich aufgefordert, sich an den Koalitionsvertrag zu halten. CDU-Spitzenpolitiker forderten zuvor ebenfalls Ausnahmen für den Mindestlohn.

Kommentare

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  1. mwb sagt:

    Bin gespannt wie gross das Geschrei sein wird wenn nach der Mindestlohn Einführung die Arbeitslosenzahl im Niedrig Lohn Sektor steigt. Dann ist sicher wieder die Industrie schuld. Den Arbeitnehmern wird es immer nur solange gut gehen wie auch die Industrie/die Arbeitgeber zufrieden sind. Wenn das nicht mehr der Fall ist müssen Kosten eingespart werden und das geht in einem Land mit so hohen Sozialabgaben wie in Deutschland am besten mit Arbeitsplatz Abbau. Wieso diese einfache Regel nicht begriffen wird ist wohl nur mit dem Durchschnitts IQ in diesem Land zu begründen, aber das ist ja seit der Pisa Studie bekannt.

    • spatz sagt:

      Ohne Lohn keine Kaufkraft.
      Vielleicht sollten Sie selbst mal den Pisa Test
      machen.
      Könnte ernüchternd sein.

      • popper sagt:

        @Spatz u. mwb
        Ob ein Pisa-Test hilft verehrter „Spatz“ möchte ich bezweifeln. Wovon ich rede ist Makroökonomie und davon verstehen Sie offenbar beide wenig. Deshalb darf ich zu den Ausführungen von „mwb“ zunächst darauf hinweisen, dass die höchsten Löhne in den Ländern zu finden sind, in denen Mangel an Arbeitskräften herrscht, wie z.B. in der Schweiz. Andererseits besteht das neoklassische Modell neben dem Gütermarkt aus Kapitalmarkt und Arbeitsmarkt, und die Geldmenge bestimmt den Preis, weil einfach behauptet wird das Geld sei neutral und die Preise würden unabhängig von Lohnkosten durch die Geldmenge bestimmt . Das ist aber schlichter neoklassischer Schwindel. Lebensnaher ist jedoch die Annahme, dass nominal sinkende Löhne auch die Preise sinken lassen, was ja logisch ist. Dann kann aber mit dem neoklassischen Arbeitsmarkt nicht mehr erklärt werden, wodurch es nun zu Änderungen des Reallohns kommen soll, der angeblich die Arbeitsnachfrage bestimmt und für die Arbeitslosigkeit verantwortlich ist.

        Die Produktionsfunktion der Neoklassiker ist ebenso verworren und realitätsfremd. Sie glauben, dass die Löhne sinken müssen, damit mehr Arbeiter beschäftigt werden können, und dass das Kapital knapp wäre. Also, wenn wir mehr Kapital durch Konsumverzicht sparen, können wir den Arbeitern höhere Löhne zahlen, weil sie mit mehr Kapital produktiver werden. Das soll nicht nur für einen einzelnen Betrieb gelten, sondern für die gesamte Wirtschaft, so die neoliberale VWL. Sie lehrt sogar, dass es Krisen und unfreiwillige Arbeitslosigkeit eigentlich gar nicht geben könne. Arbeit fände sich jeder, nur nicht zu einem überhöhten Lohn; insofern garantiere der Markt die optimale Nutzung von Arbeit, Kapital und allen benötigten Ressourcen.

        Und was ist mit dem Absatz der Güter? Davon ist in der Neoklassik keine Rede und das ist der „geniale“ Trick. Aber was wird aus dem Kapital und den Arbeitern, wenn sich für die zusätzliche Produktion keine Käufer finden lassen, weil die lieber Geld sparen wollen? Sinkende Preise lösen das Problem ja auch nicht, sie machen das Geldvermögen nur wertvoller. Diese Erklärung der Produktionsfunktion ist einfach falsch.

        Ist es nicht so, dass in allen Krisen (s. Europakrise) Kapital ungenutzt bleibt, ja sogar vernichtet wird? Arbeiter werden entlassen und müssen sich Jobs weit unter ihren Fähigkeiten mit geringer Produktivität bewerben – das führt dazu, dass sogenanntes „Humankapital“ entwertet wird. Auch bei einem weit niedrigeren Einkommen der Ökonomie kann es dann wieder Vollbeschäftigung geben. Die hieraus resultierende Vollbeschäftigung produziert Chefärzte als Landarbeiter, Lehrer als Zeitungsjungen, die Dolmetscherin als Putzfrau. Das Niveau der Beschäftigung ist in der Krise gesunken. Damit ist aber das dafür geschaffene Kapital so wertlos wie die Fähigkeiten der für diese Produktion ausgebildeten Menschen. Ein sinkendes Einkommen der Ökonomie lässt den Bestand an Kapital und das Niveau der Arbeit schrumpfen. Damit ist aber das dafür geschaffene Kapital so wertlos wie die Fähigkeiten der für diese Produktion ausgebildeten Menschen. Ein sinkendes Einkommen der Ökonomie lässt den Bestand an Kapital und das Niveau der Arbeit schrumpfen.

        Dazu können Sie jetzt Stellung nehmen meine Herren. Mit oder ohne Pis-Test.

      • popper sagt:

        @Spatz u. mwb
        Ob ein Pisa-Test hilft verehrter „Spatz“ möchte ich bezweifeln. Wovon ich rede ist Makroökonomie und davon verstehen Sie offenbar beide wenig. Deshalb darf ich zu den Ausführungen von „mwb“ zunächst darauf hinweisen, dass die höchsten Löhne in den Ländern zu finden sind, in denen Mangel an Arbeitskräften herrscht, wie z.B. in der Schweiz. Andererseits besteht das neoklassische Modell neben dem Gütermarkt aus Kapitalmarkt und Arbeitsmarkt, und die Geldmenge bestimmt den Preis, weil einfach behauptet wird das Geld sei neutral und die Preise würden unabhängig von Lohnkosten durch die Geldmenge bestimmt . Das ist aber schlichter neoklassischer Schwindel. Lebensnaher ist jedoch die Annahme, dass nominal sinkende Löhne auch die Preise sinken lassen, was ja logisch ist. Dann kann aber mit dem neoklassischen Arbeitsmarkt nicht mehr erklärt werden, wodurch es nun zu Änderungen des Reallohns kommen soll, der angeblich die Arbeitsnachfrage bestimmt und für die Arbeitslosigkeit verantwortlich ist.

        Die Produktionsfunktion der Neoklassiker ist ebenso verworren und realitätsfremd. Sie glauben, dass die Löhne sinken müssen, damit mehr Arbeiter beschäftigt werden können, und dass das Kapital knapp wäre. Also, wenn wir mehr Kapital durch Konsumverzicht sparen, können wir den Arbeitern höhere Löhne zahlen, weil sie mit mehr Kapital produktiver werden. Das soll nicht nur für einen einzelnen Betrieb gelten, sondern für die gesamte Wirtschaft, so die neoliberale VWL. Sie lehrt sogar, dass es Krisen und unfreiwillige Arbeitslosigkeit eigentlich gar nicht geben könne. Arbeit fände sich jeder, nur nicht zu einem überhöhten Lohn; insofern garantiere der Markt die optimale Nutzung von Arbeit, Kapital und allen benötigten Ressourcen.

        Und was ist mit dem Absatz der Güter? Davon ist in der Neoklassik keine Rede und das ist der „geniale“ Trick. Aber was wird aus dem Kapital und den Arbeitern, wenn sich für die zusätzliche Produktion keine Käufer finden lassen, weil die lieber Geld sparen wollen? Sinkende Preise lösen das Problem ja auch nicht, sie machen das Geldvermögen nur wertvoller. Diese Erklärung der Produktionsfunktion ist einfach falsch.

        Ist es nicht so, dass in allen Krisen (s. Europakrise) Kapital ungenutzt bleibt, ja sogar vernichtet wird? Arbeiter werden entlassen und müssen sich Jobs weit unter ihren Fähigkeiten mit geringer Produktivität bewerben – das führt dazu, dass sogenanntes „Humankapital“ entwertet wird. Auch bei einem weit niedrigeren Einkommen der Ökonomie kann es dann wieder Vollbeschäftigung geben. Die hieraus resultierende Vollbeschäftigung produziert Chefärzte als Landarbeiter, Lehrer als Zeitungsjungen, die Dolmetscherin als Putzfrau. Das Niveau der Beschäftigung ist in der Krise gesunken. Damit ist aber das dafür geschaffene Kapital so wertlos wie die Fähigkeiten der für diese Produktion ausgebildeten Menschen. Ein sinkendes Einkommen der Ökonomie lässt den Bestand an Kapital und das Niveau der Arbeit schrumpfen. Damit ist aber das dafür geschaffene Kapital so wertlos wie die Fähigkeiten der für diese Produktion ausgebildeten Menschen. Ein sinkendes Einkommen der Ökonomie lässt den Bestand an Kapital und das Niveau der Arbeit schrumpfen.
        Dazu können Sie jetzt Stellung nehmen meine Herren/Damen. Mit oder ohne Pisa-Test.

  2. Felix Klinkenberg sagt:

    Germanisten und Soziologen stellen immer wieder fest: Sprache ist Macht.

    Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer kritisiert Mindestlohn?
    Es muss aber heißen: Arbeitnehmer-Präsident Ingo Kramer kritisiert Mindestlohn!
    Dann er vertritt schließlich die Unternehmen, die Arbeit von den Arbeitgebern nehmen. Die Mitarbeiter, sind diejenigen: Die ihre Arbeitskraft geben und dafür einen Obolus bekommen.

  3. popper sagt:

    Man kann es schon nicht mehr hören, was diese Verbandsschranzen ständig in Sachen Mindestlohn von sich geben. Herr Kramer ist neu im Amt und muss sich bewähren.Wenn er von Ökonomen ernst genommen werden will, tut er sich keinen Gefallen, stets die ollen Karamellen hervorzukramen. Der Mindestlohn ist eine Lohnuntergrenze, die sich aus der durchschnittlichen Produktivität aller Sektoren errechnen lässt. Herr Kramer dagegen glaubt immer noch an den Grenznutzen und die sich hieraus zu errechnende unterschiedliche Produktivität des einzelnen Arbeitnehmers. Das ist aber nur ein Scheinargument, weil es ohne wissenschaftliche Grundlage voraussetzt, der Arbeitsmarkt funktioniere wie ein Kartoffelmarkt oder Gütermarkt. Dafür gibt es in der Neoklassik mathematische Formeln, mit der makroökonomischen Realität haben diese nichts zu tun. Ein einfaches Beispiel zeigt, wie unsinnig diese Glaube an die Produktivität des Einzelnen ist. Wie ist das bei einem Bodyguard oder einem Psychologen? Wie sollen die ihre Produktivität nachweisen bzw. von Jahr zu Jahr diese erhöhen, um so einen Zuwachs/Anstieg ihres Lohnes rechtfertigen. Allein daran kann man erkennen, dass die Einwände der Arbeitgeberverbände Humbug sind.

  4. Falke sagt:

    Dass man von seinem Arbeitseinkommen leben und für eine ausreichende Rente vorsorgen kann, ist nicht nur eine Sache der sozialen Gerechtigkeit. Der Mindestlohn ist eine Sache der Menschenwürde. Von der Menschenwürde kann es keine Ausnahme geben, sie kann nicht teilweise suspendiert werden.

    Warum sind die „Schwächsten“ die Schwächsten? Weil es die Stärksten gibt. Die Stärksten sind die Stärksten, weil sie als Unternehmenseigentümer am längeren Hebel sitzen und das ungerechtfertigte Privileg haben, den Gewinn, den alle Mitarbeiter erarbeitet haben, alleine in die eigene Tasche zu stecken und die Mitarbeiter mit so niedrigen Löhnen wie möglich abzuspeisen.
    Die Dinge müssen grundsätzlich angegangen werden, wovon das oberflächliche Geschrei ständig ablenkt. Vgl.:
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/09/27/arbeitsmarkt-der-mensch-als-ware/
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/10/11/die-sozial-zerstorerische-wirkung-des-aktienrechts/

  5. Matthes sagt:

    Weinen auf hohem Niveau. Der Mindestlohn betrifft nur wirtschaftliche Randgebiete. Und wer seine Mitarbeiter nicht richtig bezahlen kann hat das falsche Konzept!

    • popper sagt:

      @Matthes
      Sie reden wie der Blinde von der Farbe. 8 Mio. – so viele arbeiten nämlich mittlerweile unter 8,50 € – Beschäftigte in der Wirtschaft sind keine Randgebiete, sondern fast 50% der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer.

      • Leser sagt:

        In Deutschland gibt es 29 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Die Zahl der unter €8,50/h verdienenden Arbeitnehmer liegt nicht bei 50 %.

        So, und jetzt dürfen sie nochmal – aber bitte mit echten Zahlen.

        • popper sagt:

          Sie haben zwar andere Zahlen, aber fast 30% wären dann auch keine „Randgebiete“, sondern eine erhebliche Menge Menschen.