Jobcenter versagen: Hartz-4-Empfänger in der Schuldenspirale

Jeder vierte Hartz-IV-Empfänger hat Schulden. Ein Drittel aller Hartz-IV-Empfänger haben als Folge der Schuldenspirale mit psychischen Problemen zu kämpfen. Die Arbeitsagenturen sind hilflos. Eine Studie des Arbeitsministeriums zeigt, dass der Sozialstaat nur auf dem Papier funktioniert.

Mehr als eine Million Hartz-IV-Empfänger haben Schuldenprobleme. Bleiben diese Sorgen ungelöst, belasten sie die Gesundheit des Betroffenen massiv. Die Kommunen sind dafür verantwortlich, den Menschen Beratungsgespräche anzubieten. Das funktioniert aber nicht, wie eine Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums ergab.

Überschuldung geht oft einher mit psychischer, sozialer und gesundheitlicher Beeinträchtigung. Sie belastet nicht nur den Betroffenen selbst, sondern die gesamte Familie, insbesondere die Kinder. Ohne Intervention verschlechtert sich die Lebens- und Arbeitssituation der Betroffenen weiter, sie geraten in die sogenannte Schuldenspirale. Nicht rechtzeitig getilgte Schulden führen zu immer mehr Schulden.“

Die Hinweise auf Probleme mit Schulden treten in den Beratungsgesprächen nach Berichten der Experten häufig erst dann zu Tage, wenn Pfändungsbeschlüsse vorliegen und die Leistungsberechtigten keinen anderen Rat mehr wüssten, als sich an das Jobcenter zu wenden.

Hilfe kommt dann oft viel zu spät. Ein Drittel der Hartz-IV-Bezieher leidet unter psychischen Störungen. Neurotische Störungen und Belastungsstörungen werden am häufigsten diagnostiziert, das ergab eine weitere Studie des Bundesarbeitsministeriums.

Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur sind auf psychisch erkrankter Menschen nicht eingestellt.

„Die Erkennung und Abgrenzung psychischer Beeinträchtigung wird durch SGB-II-Mitarbeiter als schwierig erlebt. Sie beschreiben eine Vielzahl unterschiedlicher Auswirkungen der Beeinträchtigungen auf die berufliche Leistungsfähigkeit und auf den Vermittlungsprozess. Spezifisches Wissen zu Auswirkungen psychischer Erkrankungen findet sich bei Vermittlungsfachkräften selten

Aus Sicht der psychosozialen Versorgung wird die Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung vielfach kritisch beurteilt.“

Kommentare

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  1. m.s. sagt:

    ..dieses Problem werden wir durch sogenanntes „Schönreden“ oder Wegschauen der Politik nicht in den Griff bekommen. Es ist in Europa das zentrale Thema was an die Spitze der Tagesordnung gehört.
    Das prozentuale Mehr an Arbeitsplätze durch Subventionen ist ein Verschiebeprozess der an dem Problem nichts ändert. Eine Unterstützung u. Abkehr von dieser Flickschusterei mittels real vorliegender möglicher Schaffung von Arbeitsplätzen wie z.B. auf selbsständiger Basis wäre hier eine erste anhaltend funktionierende Maßnahme und Bereicherung und sorgt für mehr Unabhängigkeit staatlicher soz. Transferleistungen!

  2. m.s. sagt:

    ..klar sind Verbindlichkeiten durch Hartz IV nicht zu bedienen. Das ist aber nicht der Kern der Problematik und sekundär weil in einer „Gläubigergemeinschaft“ dieses unaufhaltsam fortschreitet. Keine Schulden als Hartzer zu haben bedeutet Verzicht auf Vorbeugung u. Vorsorge für die eigene Gesundheit (Gesundung) sowie Verzicht auf Rentenvorsorge auch die eigene und kulturelle Teilnahme.

  3. Holger sagt:

    Warum ist es für die noch Arbeit habenden so schwer verständlich, daß man 10 Millionen Menschen nicht auf 500000 freie Stellen verteilen kann? da hilft auch kein ausgeübter Druck. Mir tun die hartzer leid. Die werden gezielt entwürdigt, ins Elend geschoben und dafür noch verhöhnt. Für neue Sozialfälle, also „Fachkräfte“, ist jedoch immer Geld da. Und wehe dem Deutschen, der das anprangert.

    Hartz 4 richtet sich eben in erster Linie gegen Deutsche mit Arbeitsplatz. Es ist das ultimative Druckmittel, um das Hamsterrad noch etwas schneller laufen zu lassen. Und solang die rennenden Hamster nicht merken wollen, daß sie die nächsten Hartzer sind, wird der Druck eben erhöht. Von innen sieht ein Hamsterrad eben aus wie die Karriereleiter…

  4. Beier34 sagt:

    Bei einigen der Beiträge, die hier gepostet wurden, springt einem die Meinungsmache der Medien regelrecht entgegen!

    Anstatt sich mal zu überlegen, wie weit Sie selbst mit 380,- EUR im Monat kommen würden, ohne Schulden zu machen, äußern sie sich lieber herablassend mit den üblichen Jargons!

    Alle Arbeitslosen sind ja faul, saufen, rauchen und sitzen den ganzen Tag vor der Glotze! LOL
    Lebt mal weiter in Eurer kleinkarierten, medienbeeinflussten Welt!
    (PS.: Habt ihr Euch schon einmal gefragt, warum die Alkoholpreise in Deutschland so niedrig sind?)

    Wartet noch ein wenig! Wenn der Sozialstaat komplett abgeschafft wurde, dann kommen sicher auch bald faule Arbeitslose, die EUREN Job für die Hälfte machen werden!

  5. hugin sagt:

    WO KANN MAN SCHULDEN MACHEN ?
    Bei der BAWAG/Postsparkasse habe ich nicht aufgepasst und mit einem Erlagschein mein Konto um € 4.- (vier)! überzogen. Mangels Kontodeckung wurde die Überweisung nicht durchgeführt, aber dafür € 6.- Spesen verrechnet !

  6. Borbone sagt:

    Wenn ich hier solche Kommentare lesen muss wie die von @Tom oder @Route, kann ich mir nur noch an den Kopf greifen. Ihr habt absolut keine Ahnung wie es ist Hartz4 Empfänger zu sein. Ich wünsche mir von Herzen, dass ihr mal damit persöhnlich konfrontiert werdet um zu erleben wie es sich „anfühlt“ von der Gesellschaft abgestoßen zu werden.

    • Beier34 sagt:

      Du hast ja so Recht!

    • Gast sagt:

      Machen Sie sich keine Sorgen Herr Borbone.
      Die meisten Menschen in diesem Land sind schon längst dabei Umzudenken.
      Viele möchten diese Gesetze auch nicht mehr. (Man schaue auf die Auswirkungen in unserer Gesellschaft)
      Das alte Sozialsystem ist immer noch das Beste gewesen.

  7. wolf sagt:

    Sicher die Teilnahme am sozialen Leben ist teuer.
    Man denke nur an den Tobak, Schnaps und Bier.
    Auch die Bundesliga zehrt am Budget.
    Dann kann man schon trübsinnig werden, wenn auch Reitstunden und Musikunterricht für die Kinder ausfallen müssen.

    • Gast sagt:

      Na, seien sie doch dankbar das Sie sich den Schnaps und das Bier „noch“ leisten können. Können ja anderen gerne etwas davon abgeben, oder nicht?