Branche in der Krise: Versicherer wollen Garantiezins senken

Kleine Versicherer sprechen sich für eine Senkung des Garantiezinses von Lebensversicherungen auf 1,25 Prozent aus. Sie haben Schwierigkeiten, die hohen Zinsen aus den Altverträgen im Niedrigzinsumfeld zu erwirtschaften. Eine erneute Absenkung lässt das Kapital der Kunden bei Neuverträgen schrumpfen.

Der Garantiezins auf Lebensversicherungen könnte Anfang 2015 nach drei Jahren erneut sinken. Wegen der niedrigen Marktzinsen beraten Versicherungsexperten am Dienstag über eine Senkung der maximalen Verzinsung, die die Lebensversicherer ihren Neukunden für die gesamte Laufzeit versprechen dürfen. Der Verband der Versicherungsmathematiker, die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), gibt dazu jährlich eine Empfehlung ab, die in der Regel von der Finanzaufsicht BaFin und dem Bundesfinanzministerium umgesetzt wird. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ist eine Senkung des Garantiezinses auf 1,25 von 1,75 Prozent im Gespräch.

Der Garantiezins muss den Kunden ausgezahlt werden. In den Altverträgen kann er bis zu vier Prozent betragen. Die Versicherer müssen auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten Rücklagen dafür bilden können. Eine Absenkung gilt jedoch nur für die Neuverträge. Die Versicherer versprechen sich dadurch eine Entlastung bei den Lebensversicherungen.

„Es scheint eine Mehrheit zu geben, dies ist aber noch nicht 100 Prozent sicher“, sagte ein Insider. „Alles spricht dafür.“ Im Umfeld des DAV-Vorstands hieß es, das Meinungsbild sei noch nicht klar. Ein Arbeitskreis, der jährlich im Herbst durchrechnet, welchen Garantiezins sich die Versicherer unter verschiedenen Szenarien noch leisten können, kam offenbar zu keinem eindeutigen Ergebnis.

DAV-Geschäftsführer Michael Steinmetz sagte Reuters: „Der Vorstand des DAV wird sich in diesen Tagen Gedanken zur Garantiezins-Empfehlung machen, wie immer um diese Jahreszeit.“ Eine Änderung wäre frühestens zum 1. Januar 2015 umsetzbar, weil die Versicherer vorher all ihre Tarife neu berechnen müssten. Dem Gremium gehören Vorstände der wichtigsten deutschen Versicherer an, darunter Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber. DAV-Präsident ist seit April Rainer Fürhaupter, Vorstandsmitglied der Versicherungskammer Bayern.

Hoher Zins setzt kleine Versicherer unter Druck

Große Versicherer wie die Allianz Leben haben sich für eine Beibehaltung der 1,75 Prozent ausgesprochen. Kleinere Häuser, die ihre Kapitalanlagen weniger weit streuen können, drängen aber auf eine Senkung. Langlaufende Bundesanleihen, für viele Lebensversicherer wichtigster Bestandteil der Kapitalanlagen, werfen nur noch 1,4 Prozent ab. Dabei muss die Branche auch noch die hohen Garantien erwirtschaften, die sie ihren Kunden in guten Zeiten versprochen hat. Denn bis zum Jahr 2000 lag der Garantiezins noch bei 4,0 Prozent. Seit der Jahrtausendwende ging es dann stetig bergab. Zuletzt wurde er Anfang 2012 auf 1,75 von 2,25 Prozent gesenkt.

Doch im Schnitt liegt der Garantiezins in den Beständen der Lebensversicherer immer noch bei 3,15 Prozent – so viel können manche Versicherer an neuere Kunden nicht einmal als Überschussbeteiligung mehr zahlen. Die Aktuare hatten daher schon im vergangenen Jahr Alarm geschlagen:

„Hält diese Situation an, so wird es für die Unternehmen immer schwieriger, den Garantiezins zu erwirtschaften. (…) Eine weitere Verschärfung der Situation könnte sich durch die Vorschriften für die Kapitalausstattung der Versicherer unter dem neuen gemeinsamen Aufsichtssystem Solvency II in Europa ergeben.“

Doch zu einer Senkung hatten sie sich damals nicht durchgerungen.

Die Bundesregierung hatte angekündigt, den Versicherern unter die Arme zu greifen. Eine Rettung der Versicherer mit Steuergeldern ist also bei einer drohenden Pleitewelle nicht auszuschließen.

Eine Senkung des Garantiezinses könnte als eigener Beitrag der Branche dazu gewertet werden. Für die Kunden macht er eine Lebensversicherung aber noch unattraktiver, da die Zinsen oft nicht einmal die Geldentwertung abdecken.

Die Unternehmen versuchen gegenzusteuern, indem sie die Kosten senken, etwa die Provisionen für die Vertreter, die aus dem angesparten Geld gezahlt werden.

 

Kommentare

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  1. kannitverstaan sagt:

    Eine Frage:

    Was haben Altvertäge mit der Absenkung von Garantiezinsen bei Neuverträgen zu tun ?
    In der Vergangenheit, in der es bis zu 8 % bei Staatsanleihen als Verzinsung gab, haben die Versicherer auch nicht den Garantiezins zugunsten der Kunden erhöht.
    Die Gewinne wurden eingesteckt. Cui bono ?

    Das ist ein Geschäft und das beinhaltet eben ein Risiko.
    Warum sollte der Kunde dann noch bei einer Geldentwertung dieser Art den Versicherern seine Barschaften anvertrauen.
    Es wird die Branche schütteln, aber da sie ja auch vom Boom profitierten ohne die Versicherten angemessen zu beteiligen müssen sie jetzt auch das durchstehen.

    Mit ihrem grossen Einfluss ( Riester, BAV ) sollten Sie den Staat zwingen, auch andere Anlagen für die Versichertengelder wählen zu dürfen.

  2. Wäscherei Weiße Weste sagt:

    Da werden etliche ganz schön dumm aus der Wäsche gucken, wenn sie dann nach 20, 25 oder 30 Jahren Laufzeit ihre Immobilie mit dem Geld bezahlen wollen – und dann fehlen da ein paar Zehntausend!

    Ich kenne ein paar, die haben feste Beträge fest eingeplant. Wenn die nicht kommen, geht etwas, und zwar den Bach runter, und das ist nicht nur immer ein Traum. Es ist auch das mietfreie Wohnen im Alter in einer Immobilie, in der man sich eingerichtet hat.

    (Viel) weniger als geplant wäre vielleicht nicht immer das große Problem, aber wenn im Alter von 58, 60, 63 oder 65 viele mit ihren LV-Beträgen rechnen, sind sie meist schon in Rente/Pension oder stehen kurz davon, und ein Verdienst/Zuverdienst wird vielleicht nicht mehr so einfach möglich sein, um das Defizit auszugleichen, und die Banken werden sich immer brutaler verhalten um ihre eigene Haut zu retten.

    Es könnte also gut sei, dass, wenn die ersten realisieren, was hier passiert – dass sich nämlich nur eine Branche auf Kosten der anderen wieder einmal die Taschen vollgemacht hat und nichts mehr oder sehr viel weniger oder sehr viel später als geplant für die Kunden da ist -, etwas in Gang gesetzt wird, was sehr schnell ziemlich übel enden kann.

    http://stopesm.blogspot.de/2013/12/negativ-zinsen-die-hinrichtung-der.html

    §89 VAG: an die Versicherung zahlen müssen und nichts erhalten
    http://stopesm.blogspot.de/2013/10/89-versicherungsaufsichtsgesetz-vag.html

    § 89 VAG: Dies ist das Versicherungsaufsichtsgesetz und der Paragraf sieht harmlos aus. Hierin ist aber festgehalten, dass eine Schieflage bei Ver­sicherungs­unternehmen Sie und uns ganz direkt belasten könne. Dann können Aus­zah­lungen verweigert werden, oder die Unternehmen können Leistungen kürzen.

    Ihre Pflicht zur Zahlung der Beiträge lebt indes weiter. Sie zahlen also und erhalten nichts.

    Selbst diejenigen, die noch Bares auf dem Konto liegen haben, sollten nicht zu sicher sein, denn dass die kaltschnäuzigen, diebischen Landes- und Volksverräter von Berlin und Brüssel im Zweifelsfall „nur“ oberhalb von 100.000 Euround „nur“ 10 Prozent stehlen um es den den größten Dieben auf dem Planeten, den Bankstern, in deren tiefe Verbrecher-Taschen zu stecken, ist nur ein Testballon. Sie werden letztlich jeden beklauen, wenn wir ihnen nicht vorher mit dem Vorschlaghammer zeigen, was wir davon halten.

  3. Aufgewachter sagt:

    Offenbar gibt es immer noch Leute, die sich von dem Herrn Kaiser ihres Vertrauens Kapital-Lebensversicherungen andrehen lassen.

    Erinnert mich ein wenig an den Zeichentrickfilm “Pinocchio”, speziell die Folge in der Pinocchio auf anraten von Fuchs und Kater seine Goldmünzen nachts im Wald vergraben sollte, damit er am nächsten Tag einen Baum voller Goldtaler erwarten könne. So naiv, wie Pinocchio ist, vergräbt er die Taler auch und geht heim. Kurze Zeit später graben Fuchs und Kater die Goldtaler wieder aus … Den Fuchs gibt es übrigens heute immer noch. Der Fuchs macht Werbung für eine namenhafte „deutsche“ Bausparkasse. Und die Pinocchios sind die Deutschen. Na klasse!

    Ein Garantiezinssatz von 1,25 % bedeutet unter der Berücksichtigung der tatsächlichen jährlichen Inflationsrate von 7,79% eine aktive Kapitalvernichtung – und zwar von -6,65% pro Jahr.

    Von 1968 bis 2012 hatten wir eine durchschnittliche Inflationsrate von 7,9% pro Jahr !!!

    Preise für eine Feinunze Gold vor Aufhebung der Golddeckung im Jahre 1971
    Jahr 1968 (Durchschnitt) : 38,87 US Dollar
    Jahr 2012 (14.05.2012) : 1.580,30 US Dollar
    Kaufkraft des US Dollars 1968 = 1,00 US Dollar
    Aktuelle Kaufkraft des US Dollars zu 1968 : 0,0246 US Dollar (2,46%)

    Gegenprobe
    1,00 US Dollar x 0,921 ^ 45,01388 Jahre = 0,0246 US Dollar
    (1,00 – 0,921) * 100 = 7,9 Prozent pro Jahr