SEPA-Umstellung verschoben: EU-Kommission muss Frist verlängern

Die EU-Kommission muss die Umstellung auf das umstrittene SEPA-System verlängern. Die Banken klagen über das große Chaos. Viele Unternehmen und Vereine ignorieren die 22-stelligen Zahlenungetüme. Die EU-Bürokratie ist gescheitert.

Die EU ist gescheitert: Mit SEPA hat die Kommission ein bürokratisches System geschaffen, bei dem jeder kleine Handwerker jedesmal eine 16stellige Gläubigeridentifikationsnummer eingeben muss, wenn er eine Rechnung stellt oder eine Rechnung bezahlen muss.

Bereits in den vergangenen Wochen ist es immer häufiger zu Zahlungsausfällen gekommen, weil die Datenmengen Mensch und Maschinen gleichermaßen überfordert haben (mehr zum Chaos hier).

Doch die Umstellung kommt nicht voran:  Die europäischen Unternehmen verweigern sich dem Bürokratieaufwand, indem sie die Vorgaben aus Brüssel ignorieren. Denn anders als die Beamten, die sich das Konzept ausgedacht haben, haben polnische Handwerker, deutsche Elektriker oder italienische Gastwirte keine Sachbearbeiter und Sekretärinnen, die ihnen jede wirkliche Arbeit abnehmen.

Der mit der SEPA-Einführung verbundene zeitliche Aufwand ist gigantisch. Für Unternehmen bedeutet dies beispielsweise, dass sie ihre Kundenstammdaten umstellen müssen. Statt Kontonummer und Bankleitzahl sind zukünftig die IBAN und bei grenzüberschreitenden Transaktionen bis Februar 2016 der BIC zu verwenden. Insgesamt 22 Stellen umfasst die IBAN in Deutschland. In anderen Ländern ist die Kennnummer aber noch komplizierter. In Malta muss man sich künftig an 31-stellige Kontonummern gewöhnen, in Polen, Ungarn und Zypern an 28-stellige.

Es ist kein Wunder, dass das nicht funktioniert.

Nun rudert die EU-Kommission zurück und fordert, dass die Frist zur Umstellung des elektronischen Zahlungsverkehrs auf das neue SEPA-System verlängert wird. Damit würden Unternehmen und Vereine sechs Monate mehr Zeit bekommen, um die notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Vorher hatte die EU stets verkündet, es werde keine Verlängerung der Umstellungsfrist geben.

Die Kommission befürchtet, es könne zum 1. Februar 2014 – an dem die Frist ablaufen würde – zu Zahlungsausfällen bei Unternehmen kommen. Um weitreichende wirtschaftliche Folgen zu verhindern, soll nun doch noch einmal Aufschub gewährt werden. Wenn die EU-Staaten und das EU-Parlament dem Vorhaben zustimmen, können sich Unternehmen mit der Umstellung noch bis August Zeit lassen.

Er bedauere die Entscheidung, wolle dadurch aber verhindern, dass es zu Unterbrechungen im Zahlungsverkehr komme, sagte EU-Kommissar Michel Barnier in Brüssel.

Die Deutsche Bundesbank wollte auf Nachfrage der Deutschen Mittelstands Nachrichten keine Stellung zu der Fristverlängerung geben.

In einer Pressemitteilung der EZB heißt es, man habe den Vorschlag der Kommission zur Verlängerung der Frist zur Kenntnis genommen. Unternehmen sollten die Umstellung aber unbedingt zum 1. Februar 2014 durchführen, da der Vorschlag noch nicht verbindlich ist.

Die Banken müssen einen Notfallplan aufstellen, um ein Chaos zu vermeiden (hier).

Wenn die EU Steuerhinterzieher und Geldwäscher sucht, kann das nicht mit einem bürokratischen Artillerie-Feuer geschehen, bei dem die kleinen und mittleren Unternehmen nachhaltig und nutzlos in der Ausübung ihrer Arbeit gestört werden.

Kommentare

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  1. Thomas Seichter sagt:

    Sehr geehrter Herr Schniewind,

    darf ich Fragen was Sie beruflich machen?

    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas Seichter

  2. Martin Schniewind sagt:

    Ich finde diesen Artikel unsachlich und hysterisch. Er enthält falsche Informationen.

    Umständlich ist doch die Umstellung auf das SEPA-Verfahren nur für Unternehmen, die Forderungen von Kunden per Lastschrift einziehen. Denn hier ist die Gläubiger-Identifikation erforderlich.

    Die Umstellung des eigenen Stammdatenbestandes für alle übrigen Fälle wird – wo auch immer eine taugliche Software für den Zahlungsverkehr im Einsatz ist – doch von der Software übernommen. Wo das nicht der Fall ist, hilft meines Wissens die Hausbank.

    Warum Sie hier von einem “gigantischen Aufwand” für “kleine Handwerker” sprechen, erschließt sich mir nicht.

    Und wer jetzt plötzlich hektisch wird bei diesem Thema, hat einfach lange geschlafen.

    Außerdem verstehe ich nicht, warum der Tenor des Artikels ist, hier würde gewissermaßen von oben ein Bürokratiemonster eingeführt. Die Segnungen des einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrs mit grenzüberschreitenden Zahlungsvorgängen, die endlich so einfach, schnell und billig sind wie Inlandsüberweisungen haben Unternehmen wie Privatleute doch seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) herbei gesehnt.

    Und was die langen IBAN angeht: Das ist m.E. nur eine Frage der Gewohnheit…