Solar-Strom: Energiewende in Österreich wird zum Debakel

Die Österreicher wollen Solarstrom produzieren, werden aber dafür bestraft. Die Regierung hat die Förderung der Anlagen massiv gekürzt. Die Anträge für das Geld aus dem geschrumpften Fördertopf werden nicht schnell genug bearbeitet. Die Verwaltung ist mit der Flut der Anträge überfordert. Grund für den Abbau der Subvention ist der niedrige Strompreis an den Börsen.

Die Förderung der Photovoltaik-Anlagen wurde zu Beginn des Jahres drastisch gesenkt. Die Einspeisetarife werden um nicht weniger als 30% gekürzt, von 18,12 Cent/kWh auf 12,5 Cent/kWh. Mit diesen Tarifen und auch mit dem geplanten Ende für größere Anlagen werde der weitere Ausbau von Photovoltaik in Österreich drastisch eingebremst, berichtet der Umweltverein panSol.

Dabei wollen die Österreicher selbst Strom aus Solaranlagen produzieren. Die Kürzung der Subventionen entblößt deren mangelnde Wirtschaftlichkeit. Weder die Produktion, noch das Material oder die Montage der Solarzellen ist in dem Maße günstiger geworden, in dem die Förderung gekürzt wurde. Die Photovoltaik-Branche in Österreich steht vor dem Aus. „Nicht wenige Leute werden womöglich ihren Job verlieren und das nachdem von vielen Seiten der Regierung jahrelang von der Schaffung von „Green Jobs“ gesprochen wurde, schreiben Stephan Neuberger und Günter Wind von panSol.

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum einen wurde die Nachfrage nach PV-Anlagen immer größer, so dass sich die Regierung dazu entschied, die Fördergelder zusammenzustreichen. Ab Anfang des Jahres sollten nur noch 8 Millionen Euro gefördert werden. Gemäß Nachfrage würden eigentlich 20 Millionen benötigt. Das Antragsverfahren um die Förderung verkommt daher zu einem „unfairen Lotteriespiel“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins Photovoltaik-Betreiber Österreich.

Darüber hinaus scheint die Verwaltung mit der Flut der Anträge überfordert zu sein. Kurz nachdem das Verfahren eröffnet wurde, wurde es aufgrund von „hackerähnlichen Angriffen“ wieder eingestellt. Am 16. Jänner startet der zweite Versuch. Im Bundesverband Photovoltaic Austria (PVA) waren alle Telefonleitungen mit Beschwerde- und Hilfeanrufen voll ausgelastet. Bereits ein Jahr zuvor gab es Probleme bei der Antragsaufnahme für die Förderung.

Erneuerbare können sich am Markt nicht durchsetzen

Das Aus des Solarstroms in Österreich ist aber auch der Beschaffenheit des Energiemarktes geschuldet. Die Wirtschaftsflaute hat dazu geführt, dass die Nachfrage für Strom in Europa gesunken ist. Der fehlerhafte Handel mit Emissionszertifikaten trägt zudem dazu bei, dass die Kohleförderung in Deutschland den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht hat (mehr hier). Deutschland importiert dieses Jahr 51 Millionen Tonnen Kohle und produziert damit überschüssig Strom, was zusätzlich den Preis drückt.

Traditionelle Stromerzeuger aus anderen Ländern hingegen tun sich aufgrund der niedrigen Handelspreise schwer, Gewinne zu schreiben. Ihre Börsenkurse gehen in den Keller. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Wert der Top-20-Energieunternehmen in der EU mehr als halbiert.

Strom aus Solar- und Windenergie kann nicht überschüssig produziert und gespeichert werden. In manchen Zeiten produzieren die Wind- und Solaranlagen so viel Strom wie 19 Atomkraftwerke – aber das nur sehr kurz. Solche Spitzen können das Stromnetz überlasten und zum Blackout führen. Es fehlt an Leitungen nach Deutschland und Italien, „weil aus diesen beiden Ländern punktuell große Mengen Wind- und Solarstrom von Anbietern, die sich nicht untereinander abstimmen, nach Österreich drängen“, berichtet das Magazin Format. „Durch die vielen kleinen Ökostrom-Anlagen gibt es in Deutschland mittlerweile 1,3 Millionen Energieversorger, vor zehn Jahren waren es nur 1.000.“ Die hohe Zahl der Einspeiser bringt die Stabilität des Netzes in Gefahr.

Kunden bestrafen teurer Energieversorger

Bis zur Begrenzung der Solarstromförderung hat Österreich bereits fünf Prozent seines Strombedarfes mit PV-Technologie abgedeckt. Die Zahl der Windräder könnte sich bis 2020 verdoppeln. Bis 2030 könnte Österreich seinen gesamten Energiebedarf aus Wind- und Solarstrom decken. Österreichs Pumpspeicherkraftwerke könnten bei Engpässen Windenergie aus der Nordsee und Solarstrom aus Sizilien speichern. Doch auch hier fehlt es an Leitungen, die die Energie zu den Speichern transportiert.

Um gemeinsam weniger zu bezahlen hat der Verein für Konsumenteninformation Österreichs ersten Gemeinschaftseinkauf von Strom und Gas organisiert. Über 260.000 Personen nehmen daran teil. Bis Ende Februar können sie in neue Tarife wechseln.

Der Energiemarkt in Österreich ist bereits seit 2001 liberalisiert, dennoch wechseln nur 2 Prozent der Haushalte pro Jahr ihren Anbieter. Dabei liegt das Sparpotenzial bei mehreren hundert Euro pro Jahr. Je mehr Kunden ihre Wechselbereitschaft zeigen und teure Anbieter bestrafen, desto fairer kann sich der Markt entwickeln.

Kommentare

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  1. Johnny55 sagt:

    Solarstrom ist die teurste Art Strom zu erzeugen. Hinzu kommt, daß die herkömmlichen (soliden) Stromerzeuger mit voller Leistung weiterhin verfügbar sein müssen (Solarstrom = Zappelstrom), allerdings schlechter ausgelastet und mehr gestresst werden. Das macht also den soliden Strom auch noch teurer.
    Speichern kann man Strom nicht (elektrischer Strom ist Transport), man kann in andere Energieformen umwandeln und dann speichern, aber das macht den Strom noch viel teurer.
    Warum wollen dann die Österreicher unbedingt Solarstrom produzieren? Wollen sie das Klima oder die Welt retten? Nein, denn Solarstromausbau bedeutet in Summe Energieverschwendung (Erhöhung des Primärenrgieverbrauchs).
    Warum also?
    Sie sind – genauso wie die Deutschen – nur auf das Geld aus.

  2. biersauer sagt:

    Soviel Interesse von den PV-Anbietern in Ö. besteht garnich, denn ich versuche für meine Entwicklung der ersten mobilen Solartankstelle auf einer ausgedienten KFZ-Karosse, Angebote für Module dafür mit hohem Wirkungsgrad zu kriegen, aber kein Interesse. Die wollen alle nur diese hochsubventionierten 0-8-15 Anlagen bauen.
    Techn. Daten: etwa 1,2kWp auf Tracer über der GolfII-Karosse, diese ausgeräumt und mit >12kWh >Speicherbatterie und eingebauterLeistungselektronik versehen mit Anschlüsseen für gebräuchliche Ladestecker. Mobil und daher auf jedem Parkplatz zur Verwendung für alle EVs aufstellbar.
    Nach Veröffentlichung dieser Entwicklung nunmehr ein offenes Ladesystem für alle die ebenfalls sowas bauen.
    Erfahrungen damit bitte Nachricht an mich, danke, kutscherkarl@yahoo.de

  3. Freidenker sagt:

    Genau dasselbe ist in GR auch passiert. Erst wird staatliche Förderung angeboten, woraufhin viele grosse PV-Anlagen gebaut wurden.
    Danach wurde auch der Einspeisetarife drastisch gesenkt und gleichzeitig die Steuern erhöht. Das hat viele in die Insolvenz getrieben.

    Man stelle sich mal, vor in einem Land von über 2’800 Sonnenstunden pro Jahr wurde die Solarenergie Produktion kaputt gespart, man finde den Fehler !
    Auf Kreta wird der Strom also weiterhin haupsächlich mit Diesel produziert.

    Für jegliche Art von Umweltschutz werden Abgaben und Steuern erhoben, aber für Solarenergie ist kein Geld da.

  4. Hans von Atzigen sagt:

    Die Energiefrage ist eine der ganz grossen fundamentalen Fragen unserer Zeit.
    Die Dimensionen sind in jeder Beziehung gewaltig.
    Die Umstellung erfordert einen entsprechenden umfangreichen Aufwand.
    Dazu ist die Kernfrage inwieweit die sog. Regenarativen letztlich rein Physikalisch den Bedarf decken können kaum umfassend schlüssig beantwortet.
    Damit unvermeidlich verknüpft die Ökonomischen Fragen.
    Selbst wenn alle entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind muss man für eine entsprechende Umstellung einen Zeitrahmen von 30-50 Jahren vorsehen.
    so eben auf die schnelle kann das niemals funktionieren.
    Na ja die sog. Grünen, soooo grün sind die gar nicht, die schwadronieren halt zumeist zusammenhanglos einfach grün drauflos.
    Und die ,,antigrünen,, auch die sind zumeist nicht allzuviel schlauer.
    Da fehlt es an einem brauchbaren nüchternen Langfrist Grund- Gesamtleitbild.
    Freundliche Grüsse

  5. Loewe sagt:

    Achja, was den Anbieterwechsel betrifft. Das Einsparpotential ist zwar da, da die kWh centmässig etwas differiert. Aber da die Rechnung zu mehr als 50% aus Steuern und Abgaben besteht, ist das Potential doch geringer als erwartet, da diese Abgaben fast bei jedem Anbieter ident sind.
    Die Einkaufsgemeinschaft mußte bereits zugeben, daß die Erwartungen höher lagen als die Erfolge. Grund sind die hohen Steuern und Abgaben und die Tatsache, daß beim Strompreis der international so gepriesene Warenfreiheitsverkehr nicht interessiert.
    Sollte es irgendwann mal möglich sein, sich seinen Stromanbieter EU-weit auszusuchen, dürften die Atomkraftwerke in Europa Lieferschwierigkeiten bekommen….

  6. Leopold sagt:

    Problem in Österreich ist der verschenkte deutsche Solarstrom. Den die deutschen Strom-Verbraucher mit viel Geld bezahlt haben! Dieser Irrsinn hat seinen Ursprung in Deutschland!

  7. Adenauer sagt:

    Im Vergleich zur Kernkraft immer noch billig.
    Alte Diskussion warum?
    Niemand versichert Kernkraftwerke, die immensen Schäden bei Unfällen zahlt der Steuerzahler oder niemand, selbes gilt für das Risiko der Endlagerung.
    Daher kann man sagen kostet die kwh Atomstrom bei einem Fukushima, Harrisburg Risiko bis zu 2 Euro oder noch mehr.

    • Harry sagt:

      Schäden bei der Erzeugung von Kernenergie sind vom Verursacher zu tragen. Sollten dies die Konzerne sein, so haften sie mit ihrem gesamten Vermögen.

      Die Kosten der Endlagerung tragen ebenfalls diejenigen, die endlagern lassen, also wieder die Konzerne.

      Aber lassen wir doch den Kunden die Wahl! Ohne milliardenschwere Steuerzahlungen an die PV-Betreiber (und Windenergie natürlich ebenso), würde es weder in Österreich noch in Deutschland einen nennenswerten Anteil an PV geben. Warum? Weil schlicht und ergreifend kaum ein Stromkunde bereit wäre, die hohen kWh-Preise für PV zu zahlen.

    • ralph hirnrabe sagt:

      Ergänzung zu @harry
      Natürlich sind Kernkraftwerke versichert.

      http://vdmf.de/atompool/

      Ggf. ist die Summe nicht ausreichend. Aber unbegrenzte Versicherungssummen gibt es nirgends.
      Bekanntes Bsp.: Bei der Kfz Versicherung hat man früher „unbegrenzte Deckung“ angeboten, die aber nur 7,5 Mio DM waren.