Deutsche Großhandelspreise fallen erstmals seit 4 Jahren

Der Großhandel in Deutschland senkt erstmals seit vier Jahren wieder die Preise. Die Waren werden um 0,5 Prozent billiger. Die schwache Konjunktur hatte dem Großhändler Metro zuvor Verluste im Weihnachtsgeschäft beschert. Von einem Preisverfall im Großhandel könne aber noch nicht die Rede sein. In den Krisenländern Spanien und Italien legten die Umsätze leicht zu.

aktuell: Deutschland ist der „größte Gläubiger der Welt“

Die Preise im deutschen Großhandel sind 2013 erstmals wieder gefallen. Das hat es seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr gegeben. Die Preise sanken um durchschnittlich 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. 2009 hatte es zur Weltwirtschaftskrise sogar ein Minus von sieben Prozent gegeben. 2012 waren die Preise noch um 2,8 Prozent gestiegen.

Postbank-Chefökonom Marco Bargel rechnet trotz des Rückgangs nicht mit einer deflationären Entwicklung – weder in Deutschland noch in der Euro-Zone. „Wir erwarten, dass die Teuerung insgesamt und damit auch Vorstufen wie beispielsweise die Großhandelspreise in den kommenden Monaten wieder anziehen werden.“ Die Euro-Zone erlebe keine Deflation, wie sie Japan jahrelang im Würgegriff hielt, „sondern eher eine preisliche Anpassung“.

Die Furcht vor einer solchen Deflation – einem Preisverfall auf breiter Front – hatte zuletzt neue Nahrung erhalten (mehr hier). Die Inflationsrate in der Euro-Zone war im Dezember auf 0,8 Prozent gefallen. Sie liegt damit weit unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank, die nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen spricht.

Großhändler erwarten Umsatzplus

Wegen der schwachen Weltkonjunktur fielen die deutschen Großhandelspreise für Mineralöl-Erzeugnisse wie Benzin und feste Brennstoffe um fünf Prozent. Getreide, Rohtabak und Futtermittel verbilligten sich um sechs Prozent, Erze und Metalle um vier Prozent. Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze kosteten sogar 14,5 Prozent weniger. Dafür verteuerten sich Milch, Milcherzeugnisse, Speiseöle und Nahrungsfette um 5,7 Prozent. Für Fleisch und Fleischwaren mussten 2,1 Prozent mehr bezahlt werden. Der Großhandel gibt einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Verbraucherpreise.

Die deutschen Großhändler rechnen in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von 1,75 Prozent auf knapp 1,2 Billionen Euro. Im abgelaufenen Jahr hat es dem Branchenverband BGA zufolge auch wegen der sinkenden Preise ein leichtes Minus gegeben.

Metro macht Minus an Weihnachten

Das Geschäft rund um Weihnachten hat dem Handelsriesen Metro nur wenig Freude bereitet. „Ein verhaltenes Weihnachtsgeschäft (hat) am Ende eine bessere Entwicklung verhindert“, räumte Konzernchef Olaf Koch am Montag ein. Der Umsatz des Düsseldorfer Metro-Konzerns mit seinen Großmärkten, der Elektrohandelskette Media-Saturn, dem Warenhausriesen Kaufhof und den Real-Supermärkten fiel im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 um 3,3 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro. Als Grund für das Minus führte Koch den starken Euro – negative Währungseffekte in den Wachstumsmärkten Osteuropas und Asiens waren die Folge – sowie den Verkauf von Teilen der Supermarktkette Real in Osteuropa an. Währungs- und portfoliobereinigt kletterte der Umsatz um 1,1 Prozent. Hoffnung machte das Wachstum der Metro im Online-Geschäft.

Die Geschäftsentwicklung liege insgesamt im Rahmen der Jahresprognose, unterstrich der Metro-Chef. Koch hatte – bereinigt um Verkäufe – ein „leicht positives Gesamtumsatzwachstum“ für das Geschäftsjahr 2013/14 angekündigt. Der operative Gewinn (Ebit) vor Sonderfaktoren soll „spürbar“ über 1,7 Milliarden Euro liegen. Analysten hatten bereits mit einem Rückgang im wichtigen Weihnachtsgeschäft gerechnet. Der Einzelhandel profitiert traditionell am stärksten vom Weihnachtsgeschäft. 2013 konnte sich dieser Trend jedoch nicht bestätigen (mehr zur Entwicklung des Einzelhandels – hier).

Umsatzwachstum in Italien und Spanien

In den Euro-Krisenländern Spanien und Italien keimt für die Metro dabei wieder Hoffnung auf – hier legten die Umsätze leicht zu, in Deutschland schrumpften sie indes. Flächenbereinigt konnten die Cash&Carry-Märkte insgesamt aber ein Umsatzwachstum von 0,9 Prozent erreichen. Auch bei Europas größter Elektronikhandelskette Media-Saturn lagen die Erlöse mit 6,6 Milliarden Euro auf Vorjahreshöhe. In Deutschland konnte die Kette dabei nicht zulegen. Das lange vernachlässigte Online-Geschäft macht Koch indes Freude – hier wies Media-Saturn Wachstumsraten von über 40 Prozent aus. Die Supermarktkette Real verzeichnete dagegen ein Umsatzrückgang, der Warenhausriese Kaufhof verbuchte flächenbereinigt ein Plus.

2014 kommt nun viel Arbeit auf Koch zu. Im Frühjahr könnte der Konzern mit einem milliardenschweren Börsengang eines Teils seines russischen Großmarktgeschäfts Kasse machen. Koch erwägt, sich über eine Aktienplatzierung von rund 25 Prozent des Russland-Geschäfts zu trennen. Mit dem frischen Geld neuer Investoren könnte Koch das Wachstum dort ankurbeln und als Großaktionär weiter davon profitieren.

Koch hat nach seinem Amtsantritt vor zwei Jahren damit begonnen, bei Metro aufzuräumen. Den Verkauf weiter Teile des Osteuropa-Geschäfts der Supermarktkette Real hat er bereits über die Bühne gebracht. Koch hat noch eine andere Tochter ins Schaufenster gestellt: Der Warenhauskonzern Kaufhof habe langfristig keine Zukunft unter dem Dach der Metro, hatte er angekündigt.

Die Einzelhändler in Deutschland hatten im Weihnachtsgeschäft dem statistischen Bundesamt zufolge keine Rekorde verbuchen können (hier). Trotz der eigentlich guten Konsumstimmung fuhren die Händler das niedrigste Umsatzplus seit dem Rezessionsjahr 2009 ein, weil die Bürger unter anderem mehr Geld für Energie und Mieten ausgeben mussten. Die Erlöse der Händler kletterten wohl zwischen 1,6 und 1,8 Prozent, hatte das Amt auf Grundlage einer Schätzung erklärt. In den Jahren 2010 bis 2012 gab es jeweils ein Umsatzwachstum von über zwei Prozent. Der Branchenverband HDE hatte zum Vorjahr ein Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 80,6 Milliarden Euro angepeilt. Ende Januar will der Verband Bilanz ziehen.

Weitere Themen:
Kleinste Turbine der Welt lädt Handy mit Atemluft
Gericht entscheidet: IHK-Zwangsbeiträge sind rechtswidrig
Studie: Steigende Energiekosten bereiten Zulieferern Probleme

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Nikodemus sagt:

    14.01.2014

    Deflationäre Entwicklungen sind aufgrund der starken Geldabschöpfung durch den Staatssektor denkbar: Die Grundsteuer wurde im vergangen Jahr in Hanau um ca. 44 % erhöht, in Frankfurt am Main ab 1. Januar 2014 der Hebesatz der Grundsteuer von 460 auf 500 erhöht. Das Einwurfeinschreiben hat sich innerhalb eines Jahres von 2,15, auf 2,40 erhöht (1,80 Grundgebühr + 0,60 Porto), Strom wurde teurer, die Bahnpreise wurden erhöht, die Erhöhung der LKW-Maut erhöht die Nahrungsmittelpreise. Die ca. 22 Millionen Rentner müssen also deswegen teilweise ihren Konsum einschränken, weil sie seit 2003 (Rürup-„Reform“) praktisch keine Rentenerhöhungen erhielten, was deflationär wirkt

    Trotzdem gehen auf der Einzelhandelsebene derzeit auch viele Preise durch die Decke, angeblich bei Milch weil die Chinesen ihre durch die Einfamilienpolitik hervorgerufene geringe Kinderzahl nicht vergifteten Milchprodukten aussetzen wollen, was unsere vom Staat kleingehaltenen Renter erneut spüren.

    Beispiel:

    „Im September 2013 haben sich die Preise ganz unbemerkt, weil vom Rundfunk nicht erwähnt, gewaltig erhöht. Das kann man deutlich sehen an den Billigpreisen der Lebensmittel-Discounter. Diese untersten Billigpreise zeigen am besten Veränderungen an, während im oberen Preissegment mehr Preis-Fluktuation besteht, auch weil deren eher wohlhabende Käufer weniger aufmerksam auf ihr Budget achten müssen. So haben Penny und Lidl den günstigsten 60 %-Fett-Camembert aus Frankreich von 0,99 auf 1,05 erhöht, Gouda in Scheiben erhöhte sich um ca. 20% auf 2,39, Penny-Joghurt von 0,55 auf 0,65, Butter stieg auf 1,29. Die 750 g Rösties vom Aldi haben sich von 0,99 auf 1,15 erhöht und dessen 150 g Camembert der Marke Alpenmark von 0,99 auf 1,09. Das Brötchen vom Bäcker Eifler von 0,29 auf 0,33, das 750 g Weizenmischbrot vom Bäcker Eifler von 2,45 auf 2,60.“

    • Chris sagt:

      Stimmt auch Oberursel hat den Grundsteuerhebesatz von 300% auf 450% angehoben, also 50% Steigerung. Für unsere Mieter bedeutet dies eine zweite Steigerung innerhalb von 18 Monaten von etwas über 100 EUR auf über EUR 300. Also 300% staatliche Erhöhung innerhalb von eineinhalb Jahr und jedes Mal ohne Vorlaufzeit. Wir werden die Kosten tragen und wohl erst in zwei Jahren abrechnen, damit gehen wir mit 400 EUR in Vorlage, plus Gaspreiserhöhung, plus …
      Und wenn die Mieterin dann nicht einmal die Miete zahlt, wie im Fall meiner Freundin?

      Die Menschen verändern sich, das Vertrauen sinkt und der Betrug nimmt zu. Genau wie die da oben es uns vormachen.