Strombranche erwartet Problemjahr und Jobverlust

Rückschritte bei der Energiewende: Der Preisverfall für Strom an der Börse führt in 2014 zu Arbeitsplatz-Abbau, Unsicherheit und Produktionsrückgang. Die Energie-Agentur BDEW erhielt deswegen bereits über 40 Anträge auf Stilllegung von Kohle- und Gaskraftwerken.

Die deutsche Strombranche blickt vor den geplanten Reformen der Energiewende skeptisch auf das neue Jahr. 2014 werde von Produktionsrückgang, weiterem Arbeitsplatzabbau und Unsicherheit geprägt sein, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energiewirtschaft (BDEW), Hildegard Müller, am Dienstag in Berlin. So werde in diesem Jahr auch weniger investiert. Der auch durch subventionierten Ökostrom verursachte Verfall der Preise an der Börse setze die Betreiber von Kohle- und vor allem Gaskraftwerken unter Druck. Für über 40 Anlagen gebe es daher bei der Bundesnetzagentur Anträge auf Stilllegungen.

Im vergangenen Jahr blieb die Stromproduktion dem BDEW zufolge nahezu auf Vorjahresniveau, der Verbrauch in Deutschland ging aber trotz Wirtschaftswachstums erneut wegen des Trends zum Energiesparen zurück. Deutschland spielt somit eine Sonderrolle unter den Industrieländern, da es den Stromverbrauch vom Wirtschaftswachstum abkoppeln kann. Dafür wurde gut 40 Prozent mehr Strom als 2012 ins Ausland exportiert, vor allem in die Niederlande. Dort waren die Strompreise auch wegen der vielen vergleichsweise teuren Gaskraftwerke höher als Deutschland.

Solar-Zubau deutlich gebremst

Der Ökostrom-Anteil am Verbrauch stieg auf fast ein Viertel, obwohl das Jahr wenig sonnig und windarm war. Zudem wurden nach den Förder-Kürzungen in den letzten Jahren deutlich weniger neue Solaranlagen installiert: Dem BDEW zufolge waren es 3,3 Gigawatt neuer Leistung, etwa die Hälfte der Vorjahre und damit in der Größenordnung, die die Bundesregierung jährlich anpeilt (Eine ähnliche Entwicklung der Solarenergie zeichnet sich in Österreich ab – hier).

Während die Gaskraftwerke erneut weniger lieferten, produzierten Braunkohle-Meiler so viel wie seit 1990 nicht mehr und standen für mehr als ein Viertel der Erzeugung (hier). Da ältere aber weniger und modernere Kraftwerke länger gelaufen sein, sei der Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß dieser Anlagen um zwei Prozent zurückgegangen, sagte Müller. Weitere 20 Prozent des Stroms kamen aus Steinkohlekraftwerken. Atomenergie trug noch 15 Prozent zur Erzeugung bei.

Wenn der CO2-Ausstoß insgesamt 2013 wieder gestiegen sei, liege das zum einen daran, dass Steinkohlekraftwerke die saubereren Gaskraftwerke verdrängt hätten, argumentierte Müller. Außerdem werde zu wenig in die Gebäudesanierung investiert, um dort Energie und damit auch CO2 einzusparen.

Die steigenden Energiepreise setzen vor allem energieintensive Branchen der Wirtschaft unter Druck. So sind bereits zwei Drittel aller Zulieferer in der Automobilindustrie in ernsten Schwierigkeiten (mehr dazu – hier).

Die große Koalition plant eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und will so den Preisanstieg für Gewerbe und Haushalte begrenzen. Zudem soll Ökostrom verstärkt direkt über den Markt verkauft werden und die langjährigen Staatsgarantien für die Abnahme des Stroms abgebaut werden. Das Kabinett soll bis Ostern das Gesetz beschließen.

Kommentare

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  1. Nestor sagt:

    Die EU-Energiepolitik war stets widersprüchlich, auch wenn so getan wurde, als hätte man mit den „umweltfreundlichen“ Energien den Vogel in Sachen Zukunftstechnologie abgeschossen:

    http://NestorMachno.blogsport.de/2014/01/03/die-eu-energiepolitik-in-der-krise-1/
    http://NestorMachno.blogsport.de/2014/01/04/184/

  2. bloedsinn sagt:

    strom wird billiger auf dem markt, bedeutet, der strom wird teuerer für das volk. Sowieso ganz logisch und alle findens gut 😉

  3. Stefan Wehmeier sagt:

    Energiewende oder Kapitalismus

    „Um den Zinsertrag der Produktionsmittel und sonstiger Wirtschaftsgüter auf üblicher Höhe zu erhalten, verhängt das Geld-Kapital je nach Bedarf akute (vorübergehende) Wirtschaftskrisen, indem es sich vom Angebot zurückzieht. Um diesen Gütern aber überhaupt erst Kapital-Eigenschaft verleihen zu können und die Vorbedingungen zu schaffen, auf Grund derer sie im Dienst des Geldes Zins erheben können, muss die Volkswirtschaft außerdem auch dauernd eingeschnürt und gehemmt, in einer chronischen (immerwährenden) Krise erhalten werden. Auf diese Weise erzwingt das Geld eine ständige Unterproduktion an Realkapital und verhindert dadurch, dass sich Angebot und Nachfrage jemals ausgleichen können. Wer will den Schaden berechnen, den der Volkswohlstand auf diese Weise seit Einführung des Geldwesens erlitten hat und noch erleidet? Viele Milliarden an Gütern werden alljährlich auf diese Weise am Entstehen gehindert.“

    Georg Blumenthal (aus „Die Befreiung von der Geld- und Zins-Herrschaft“, 1916)

    Diese auch als „Rentabilitätshürde des Urzinses“ bezeichnete und in der originalen Heiligen Schrift mit der Metapher „Berg“ umschriebene Ursache für die künstliche Knappheit des Sachkapitals verhindert, bis zur Überwindung des Kapitalismus (Erbsünde) durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform, z. B. die heute in der Bundesrepublik Deutschland gewünschte Energiewende. Die landschaftsverschandelnden Windräder ermöglichen eine etwas höhere Rendite für das Finanzkapital, als wenn dieses für wirklich umweltfreundliche Solarzellen oder gar – und eigentlich vernünftigerweise – für Solarzellen mit Akkumulatorpufferung eingesetzt würde. Die von der „hohen Politik“ mit geradezu blindwütigem und übereifrigem planwirtschaftlichem Aktionismus betriebene „Energiewende“ dient, solange unsere Volkswirtschaft noch kapitalistisch ist, nur dazu, unverhältnismäßig hohe Renditen an Sparer und Großsparer zu zahlen, die wiederum mit staatlichen Subventionen gefördert und somit von der Gesamtheit aller arbeitenden Menschen (Zinsverlierer) über zusätzliche Steuern (so genannte „Energieumlage“) aufgebracht werden müssen. Noch sinnloser und uneffektiver kann eine „Energiepolitik“ kaum noch sein. Im Unterschied dazu wird sich nach der Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) die nach heutigem Stand der Technik vernünftigste Energieversorgung (dezentrale Solarenergie mit Akkumulatorpufferung) durch Privatinitiative und ohne staatliche Zwangssubventionierung von allein durchsetzen.

    • bloedsinn sagt:

      Hier das grundsystem/geldsystem: einfach mal goldschmied fabian, andreas popp danistakratie und prof bernd senf anschauen. dann anfangen selbst zu denken. PS: da einige von Verschwörungstheorien reden! Die Zinseszinsformel kann man nicht verändern, die ist nunmal eine mathematische Größe. Und die Preis/Lohnentwicklung und die Kriegsführung kann jeder nachverfolgen. Die Geldschöpfung aus dem Nichts ist auch Fakt. Das zwangsgeldsystem von mario Fleischmann erklärt den rest.