Gefahr für Zulieferer: Ford droht mit Rückzug aus Großbritannien

Der US-Autobauer Ford kritisiert die Befürworter eines Austritts Großbritanniens aus der EU. Die Briten schadeten sich selbst, wenn sie auf den gemeinsamen Wirtschaftsraum verzichteten. Die Aussage kommt einer Rückzugsdrohung gleich. Ford beschäftigt 15.000 Mitarbeiter in Großbritannien. Ein Abzug Fords könnte sich auf Zulieferer-Betriebe in ganz Europa auswirken.

Ford will sein Engagement in Großbritannien überdenken, wenn die Briten gegen einen Verbleib in der EU stimmen. Der US-Autobauer, der seine Motoren in Großbritannien herstellt und tausende Arbeitsplätze unterhält, empfiehlt der Regierung, nicht auf die EU als wichtigsten Handelspartner zu verzichten. Der britische Premierminister Cameron hatte ein Referendum angekündigt, in dem die Briten über den Verbleib in der EU abstimmen sollen.

Steve Odell, CEO bei Ford, sagte dem Telegraph, die Briten würden sich „ins eigene Fleisch schneiden“, wenn sie aus der EU austräten. „Das wäre eine Katastrophe für Arbeitsplätze und Unternehmen.“ Zudem mache ein Austritt der Briten aus der EU faktisch „keinen Sinn“. Großbritannien müsste der EU-Gesetzgebung dennoch folgen. Es sei daher besser, „von innen Einfluss auf die EU“ nehmen zu können.

Ein Abzug Fords aus Großbritannien könnte auch weitreichende Folgen für Zulieferer-Betriebe in ganz Europa haben (mehr zur Situation der Zulieferer – hier).

Japans Autohersteller Nissan und Honda haben ähnlich Bedenken über einen EU-Austritt Großbritanniens geäußert. Die Absätze auf dem Markt in Europa brechen ein. Opel ist wegen der Autokrise in vielen Ländern Europas im vergangenen Jahr mit seinen Verkaufszahlen nicht vom Fleck gekommen (hier).  Selbst der größte europäische Autobauer VW muss mit rückläufigen Absatzzahlen umgehen.

BMW, Daimler und Audi haben mit ihren Fahrzeugen der Premiumklasse weniger Schwierigkeiten auf dem europäischen Absatzmarkt. Sie verzeichnen trotz leichtern Gewinnrückgänge vergleichsweise stabile Absatzzahlen (mehr zur Absatzentwicklung von Luxuskarossen – hier).

Die Aussage des Ford-Chefs kommt einer Warnung gleich. Die Werksschließung in Southhampton im vergangenen Jahr kostete bereits 1.400 Arbeitsplätze. Ford beschäftigt insgesamt über 15.000 Menschen in Großbritannien. Obwohl Odell keinen direkten Rückzug aus Großbritannien angekündigt hat, stehen dennoch viele Arbeitsplätze auf dem Spiel, wenn die Briten sich in dem Referendum 2017 für einen Austritt entscheiden sollten.

„Wenn heute abgestimmt würde, dann würde die Mehrheit der Briten unglücklicher Weise für einen Austritt stimmen“, sagte Odell. Die Briten sollten bei ihrer Entscheidung nicht auf die Bürokratielast, sondern mehr auf die Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftsraumes schauen.

Ford will bis 2015 wieder schwarze Zahlen schreiben. Derzeit ist mit Autos für den Massenmarkt in Europa kaum noch Geld zu verdienen (mehr hier). Die Automobilindustrie in Großbritannien erhole sich aber schneller als im Rest von Europa.

Kommentare

Dieser Artikel hat 7 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Bruno Winkler sagt:

    1. Drohung und Erpressung sind Straftatbestände! Dieses Vorgehen ist vielleicht in USA gang und gäbe, wo man einfach Firmenlogos auswechselt, damit die Gewerkschaften keine Chance haben.
    2. Wenn Ford nicht mehr anwesend ist, kaufen die Leute bei anderen Autofirmen, was dazu führt, dass diese expandieren können und, auch gerade deswegen, mehr Angestellte brauchen. Wird alles halb so heiss gegessen, wie gekocht.

  2. Toddi sagt:

    Schön das die Kapitalgesellschaften (Kapitalsammelbecken für unsere Kosmopolitischen reichen Arbeitslosen) siehe Ford sich so direkt in der Öffentlichkeit preisgeben.
    Die werden auch immer frecher und halten nicht hinterm Berg mit der Tatsache.
    Die selbsternannten EU Politiker auch in GB werden schon dafür sorgen, das die ortsansässigen Volksmassen nicht gefragt wird……
    Die GB Politdarsteller betreiben nur eine Wahltaktik zur Steigerung der Wahlbeteiligung. Gemacht wird was die Finanzwelt und deren Indoktrinationsanstalten(Medien) dem bildungsfernen Untertanen vermitteln….. oder soll ich besser verkaufen sagen.

  3. spatz sagt:

    Hier kann man sehen wie Konzerne die ganze Welt gängeln und zu beherrschen
    versuchen.
    Dass es sich hier einen ständiger Subventionskandidaten der mit lädiertem Image
    und eher mässiger Produktqualität ständig am Rande der Pleite
    herumlarviert handelt hat schon etwas unfreiwillig Komisches.

  4. My10Cent sagt:

    Ekelhaft. Jemand der halbwegs Geld hat und noch recht bei Sinnen ist, kauft eh keinen Ford. Ford fährst und heim läufst….

    Bleiben als Ford-Kunden noch die, die durch den EU-Mist am meisten dahinkrebsen, die eben nicht die dicke Kohle in der Tasche haben.

    Wie will die Ford nun erpressen? „Entweder ihr verliert alles und arbeitet trotzdem für’n Appel und ein Ei für uns oder ihr werdet rausgeschmissen…“

    Dolle Show. 🙂 Ford braucht keiner, sollen die mit ihren, bis auf seltene Ausnahmen hässlichen Kisten, doch fordfahren, dahin wo sie hergekommen sind.

  5. hugin sagt:

    EIN ERPRESSUNGS-VERSUCH ?
    So sieht das Demokratie-Verständnis aus ! Alle anderen Staaten, welche Austritts-Absichten haben, werden ähnliche Sanktionen drohen. Die EU-Fetischisten werden die Erpressungen für ihre Propaganda noch aufbauschen.
    Man kann nur hoffen, dass die EU zusammenbricht, bevor wir total ausgeplündert, enteignet und entmündigt sind !

  6. Aufgewachter sagt:

    Arbeitgeber sind Arbeitskraftnehmer und Arbeitnehmer sind Arbeitskraftgeber. Ohne die Arbeitskraftgeber läuft hier gar nichts auf dem Planeten.

    • spatz sagt:

      Die von Ihnen so benannten Arbeitkraftgeber kommen , auch nicht zuletzt durch die jüngsten technischen Innovationen ,die fortschreitende
      Technologisierung und den dadurch gegenwärtig schon rapide schwindenden Jobmarkt langfristig leider ins Hintertreffen.
      Da die durch immer weitergehende Automatisierung erwirtschafteten Gewinne
      nicht mehr bei den Arbeitnehmern ankommen bricht dort die Kaufkraft weg.
      Im Moment wird dies noch durch Exportüberschüsse kompensiert.
      Wenn der massive Jobabbau aber weltweit greift werden die meisten
      Menschen weder Arbeit noch die Mittel um zu konsumieren, ja zum Überlegen haben.
      Von der kleinen Elite der heute schon das Meiste gehört
      kann man keine Konsensmodelle für eine als ganze funktionierende
      Gesellschaft erwarten.
      Dies kann man schon besonders in afrikanischen und lateinamerikanischen
      Boomregionen sehen wo es regelrechte Wohlstands- und Elendsblöcke
      Tür an Tür gibt.
      Wenn es zu Spannungen und Konfrontationen kommt stehen die öffentlichen Sicherheitsorgane dort immer auf der Seite die bezahlt.
      Die nächsten Dekaden dürften recht spannend werden.