KMU in Österreich haben massive Finanzierungsprobleme

Eine Umfrage der EU schreibt Österreichs kleinen und mittelgroßen Betrieben ein „unverhältnismäßig großes“ Finanzproblem zu. Die EU-Kommission will die Finanzierung der Unternehmen verbessern.

EU-weit sind ein Drittel der kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) knapp bei Kasse. In Österreich sind es noch 15 Prozent. Für sieben Prozent der Österreichischen Manager ist der Zugang zu Finanzmitteln ein erhebliches Problem. „Seit Beginn der Krise ist immer wieder deutlich geworden, dass KMU vor unverhältnismäßig großen Hindernissen beim Zugang zu der Finanzierung stehen“, sagte EU-Industriekommissar Antonio Tajani in Brüssel.

Mit dem COSME-Programm der EU-Kommission soll die Finanzierung der KMU verbessert werden. Bis 2020 hat das Programm ein Budget von 2,3 Milliarden Euro. Vor allem südeuropäische Firmen kommen nur schwer an neue Kredite. Die Geldschwemme der EZB staut sich bei den Banken. Diese nutzen die Mittel, um ihre Eigenkapitaldecken zu stärken oder in renditestarke Finanzgeschäfte zu investieren.

Kredite an die Realwirtschaft in den Krisenländern bringen ihnen nicht viel ein. Diese Kreditklemme kann EU-weit zu einer Deflation führen (mehr hier) und eine neue Wirtschaftskrise mit Überkapazitäten und steigender Arbeitslosigkeit auslösen (weitere Folgen einer Deflation sind hier beschrieben).

In Österreich ist das Bild ein anderes. Hier gehen 80 Prozent der beantragten Kredite an die KMU. Diese können aber zusätzlich von den Mitteln aus dem COSME-Programm der EU profitieren. Start-ups sollen die erste Durststrecke vor der Vermarktung neuer Produkte und Ideen überstehen können. Die Übergangsfinanzierung gibt Unternehmern die Zeit, Sponsoren für ihr Geschäftsmodell zu finden.

In den Genuss von Subventionen kommen künftig Firmen mit bis zu 1.500 Mitarbeitern. Aber nur, wenn sie in innovativen Geschäftsfeldern tätig sind, berichtet der Tagesanzeiger. Die Hilfen werden in Form von Beteiligungen, Darlehen und Garantien gewährt. Bei Beteiligungen können private Investoren bis zu 60 Prozent der finanziell schwachen Unternehmen erwerben.

Das Modell sei näher an der wirtschaftlichen Realität der KMU orientiert, sagte Gerhard Huemer, Chefökonom des europäischen KMU-Dachverbands UEAPME. Positiv an dem Entwurf sei, „dass nicht nur Risikokapital, sondern auch Garantien und Darlehen davon abgedeckt sind“. Ein weiterer Vorteil bestehe darin, dass „nicht zusätzliches öffentliches Geld als Risikokapital in KMU fließt, sondern vielmehr Anreize zur Mobilisierung von privatem Kapital geschaffen werden.“

Die Oberösterreichische Wirtschaftskammer beschreitet ihren eigenen Weg zur Unterstützung des heimischen Mittelstands. Sie verfolgt die beiden Modelle Crowdfunding und Mikrokredite. Auf einer zentralen Internetseite sollen sich Unternehmen vorstellen und für Gelder werben dürfen.

Für das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) ist mit 2013 ein für die Wirtschaft enttäuschendes Jahr zu Ende gegangen (+0,3% BIP). Die Arbeitslosigkeit ist kräftig angestiegen (Quote +1%) und der private Konsum sowie die Reallöhne stagnierten. „Die Bruttoanlage-Investitionen verringerten sich gegenüber dem Vorjahr real um 1,4%.“

Investitionen sind ein Schlüssel für Wachstum. Durch eine optimierte Finanzierung der Unternehmen könnte die Investitionskraft verbessert werden. Seit der Krise verlassen sich die österreichischen Mittelständler aber lieber auf ihr Eigenkapital, anstatt neue Kredite aufzunehmen.

Der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) zufolge gehören 99,6 % der österreichischen Unternehmen zu den KMU. In absoluten Zahlen sind dies rund 257.000 Unternehmen, in denen etwa 1,7 Mio. Personen beschäftigt sind. Knapp 70.000 Personen haben in einem KMU eine Lehrstelle. Österreichische KMU erwirtschaften 57 % der Bruttowertschöpfung der heimischen Unternehmen und tätigen 56 % der Investitionen.

Die Stärkung des Mittelstands durch eine Optimierung der Finanzierung soll sicherstellen, dass Österreichs Konjunkturmotor nicht ins Stocken gerät und die österreichische Volkswirtschaft auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten wachsen kann.

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