Schweizer Mittelstand blickt zuversichtlich ins neue Jahr

In fast allen grossen Absatzmärkten steigt die Nachfrage nach Schweizer Produkten. Vor allem Hightech ist gefragt. Die exportorientierten KMU starten daher mit Zuversicht in das Jahr 2014. Nur der Export der Maschinenbauer ist rückläufig.

Der exportorientierte Schweizer Mittelstand wird seinen Kurs 2014 fortsetzen. Das Exportbarometer der Credit Suisse zeigt mit 1,36 Punkten den höchsten Wert seit drei Jahren an. 2011 lag der Wert bei 1.03 Punkten. Die Nachfrage nach Schweizer Produkten wird damit weiter wachsen. Der langjährige Durchschnitt wird sogar überschritten. Die schwache Konjunktur in Europa hat der Nachfrage nach Schweizer Produkten keinen Abbruch getan.

Die Exportperspektiven des Mittelstands nehmen ebenfalls Fahrt auf. Der Index der Unternehmensberatung Switzerland Global Enterprise (S-GE) misst 64,4 Punkte. Das ist deutlich mehr als die 59,3 Punkte aus dem Vorquartal. Der Wert errechnet sich aus der Exportstimmung der KMU für das 1. Quartal 2014 und den effektiven Exporten im Vorquartal. Ein Wert über 50 signalisiert steigende Exporte.

Die Geschäftserwartungen des exportorientierten Mittelstands haben sich nochmals verbessert. 42 Prozent der befragten Unternehmen erwarten für das kommende Quartal einen Exportzuwachs. 7 Prozent der KMU gehen von einer Stagnation ihres Exportvolumens aus – gleich viele wie zu Beginn des 4. Quartals 2013. Nur noch 11 Prozent der KMU befürchten rückläufige Exporte, während es im Vorquartal 16 Prozent waren.

Die einzelnen Branchen sind unterschiedlich optimistisch. An der Spitze der Indexliste stehen die Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor und dem Chemie/Pharma-Sektor. Die Sektoren Papier, Konsumgüter, Präzisions- und Metallindustrie erwarten auch ein Exportwachstum für das 1. Quartal 2014. Über die Hälfte der Unternehmen (51%) gab an, dass ein verbessertes Marketing der Grund für die gesteigerten Exportaussichten sei. Als zweitwichtigsten Faktor erwähnten 48 Prozent der KMU die Produktinnovation, eine Steigerung von 4 Prozentpunkten.

Rückläufige Exporte werden nur im Maschinenbau und in der Elektrotechnik erwartet. Die Exporte der Computer und Büromaschinen sowie jene der Luft- und Raumfahrt fielen aus.

Ralph Lässig, Partner von Roland Berger Strategy Consultants, sieht das Problem im Anlagen- und Maschinenbau darin, „dass rund 40 Prozent der Unternehmen den angepeilten Umsatzanteil im Servicebereich noch gar nicht erreicht haben. Damit verpassen viele Firmen ein wichtiges Gewinnpotenzial – sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern.“ Maschinen- und Anlagenbauer sollten in Zukunft auf neue Services setzen. Dazu gehörten in erster Linie Dienstleistungen zur Performance-Steigerung der bereits installierten Maschinen sowie Beratungs-Services.

In allen anderen Branchen sind kräftige Wachstumsimpulse aus Japan, den USA und Grossbritannien zu erwarten. In der Euro-Zone stehen die Zeichen auf Wachstum. Vor allem in Deutschland und Italien liegen die Erwartungen auf dem höchsten Stand seit über zwei Jahren. Etwas zurückhaltender ist die Nachfrage aus den Schwellenländern China, Russland, Indien und Brasilien.

Wichtigster europäischer Exportmarkt bleibt Deutschland, wohin 75 Prozent der befragten KMU Waren oder Dienstleistungen ausführen werden, gefolgt von Frankreich mit 54 Prozent der Nennungen, Österreich mit 47 Prozent sowie Italien mit 41 Prozent, teilt die Credit Suisse mit. Knapp 60 Prozent der Schweizer KMU werden im laufenden Jahr nach Asien und in die Pazifikregion exportieren, vornehmlich nach China (35%), Indien (26%) und Australien (25%). In die USA liefern 44 Prozent der Schweizer Unternehmen ihre Waren, 32% in die Region Naher Osten-Afrika (31%) sowie 22% nach Südamerika (27%).

Beim Export von Hightech-Produkten gehört die Schweiz zur Weltspitze. Der Hochtechnologie-Sektor generierte 48 Milliarden Franken im Jahr 2012. Hightech macht ein Viertel der Gesamtexporte und 80 Prozent des Schweizer Handelsüberschusses aus, teilt die Eidgenössische Zollverwaltung mit.

Mit einer durchschnittlichen Zunahme von 9 Prozent pro Jahr erwiesen sich die pharmazeutischen Produkte als dynamischste Exportbranche des Hochtechnologiesektors. Ihr Anteil an den Hochtechnologielieferungen hat sich zwischen 2002 und 2012 von 40 auf 59 Prozent erhöht.

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Diese positive Einschätzung und Entwicklung der KMU der Schweiz gilt für die Exportorientierten. Bei den Binnenwirtschaftlich orientierten zeichnet sich ein etwas anderes Bild ab.(Auf diesem Hintergrund kam die Initiative Begrenzung der Zuwanderung zustande.) Die Gretchenfrage für die Schweiz wie lange können die erfolgreichen Exportorientierten Unternehmungen die ebenfalls Massiv gewachsene Binnenwirtschaft mitfinanzieren, mittragen. Die Schweiz hat als Folge einer enormen inneren Verdichtung= Eine der höchsten Infrastrukturkostenanteile pro Kopf Weltweit.
    Private und Öffentliche. Folge einer massiven inneren Überdehnung. Den beachtlichen Exporterfolgen stehen explodierende Binnenwirtschaftskosten gegenüber. Da beginnt sich eine Schere zu öffnen. Da sind Pläne in Vorbereitung, angedacht, Ausbau der Infrastruktur, die letztlich die Möglichkeiten und Erträge der Exporterfolge massiv übersteigen. Auch der Erfolgsverwöhnten Schweiz mangelt es an einer umfassenden Gesamtwirtschaftlichen Brutto- Bilanzrechnung. Die Schweiz ist aktuell im Japanischen Fiber der 70 iger Jahre. Es folgte Ernüchterung und Stagnation die bis heute anhält. Damals musste Japan so einiges an Hochfliegenden Plänen begraben. Japan hat diese Situation erstaunlich gut gemeistert. Ob das auch der Schweiz gelingen kann ist offen. Aktuell läuft die Welt aber auch die Europäische Wirtschaft massiv, mit rasant sinkender Wirkung auf die Realwirtschaft an der Notenpresse. Bricht die Welt und Europäische Wirtschaft ein oder zusammen bekommt die Schweiz massivste Probleme. Ohne solvente Absatzmärkte geht es auch der Schweiz sehr heftig ans Eingemachte. Da können auch noch so topp Exportprodukte nicht mehr weiterhelfen.
    Freundliche Grüsse