Prokon-Pleite: Anleger gehen vorerst leer aus

Der Windenergie-Betreiber Prokon kann die 227 Millionen Euro der gekündigten Genussrechte nicht an die Anleger zurückzahlen. Um eine Insolvenz zu vermeiden, müssen 95 Prozent des Kapitals im Unternehmen bleiben. Prokon-Chef Carsten Rodbertus bittet die Anleger um Mithilfe. Sie sollen ihre Kündigungen zurückziehen

Anleger des in Schieflage geratenen Windkraftbetreibers Prokon fordern ihr Geld zurück, gehen aber wegen der drohenden Insolvenz erst einmal leer aus. „Tatsächlich können wir in der jetzigen Situation keinerlei Rückzahlungen oder Zinsauszahlungen vornehmen“, teilte Geschäftsführer Carsten Rodbertus in einem auf der Internetseite veröffentlichten Schreiben an die rund 75.000 Anleger mit. Im Falle einer Pleite würden Auszahlungen vom Insolvenzverwalter ohnehin zurückgefordert. Bis Freitagmittag hatten die Anleger bereits rund 227 Millionen Euro und damit 16 Prozent des Genussrechtskapitals in Höhe von 1,4 Milliarden gekündigt, wie die Firma auf ihrer Internetseite mitteilte.

Eine Insolvenz sei aber nur vermeidbar, wenn mindestens 95 Prozent des Kapitals bis Ende Oktober im Unternehmen bleiben. Rodbertus drängte die Anleger, ihre entsprechende Zusicherung zu geben oder ihre Kündigungen zurückzunehmen. „Bitte denken Sie noch einmal darüber nach! Wenn Sie sich dazu entschließen könnten, teilen Sie uns dies bitte unbedingt bis zum 20.01.2014 mit.“

Danach sieht es jedoch nicht aus. Die Anleger fordern ihr Geld zurück (mehr hier).

Rodbertus hatte vergangene Woche bereits die Anleger über die Schieflage informiert. „Sollte es uns gemeinsam mit Ihnen, unseren Anlegern, nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einzuleiten„, warnte er seinerzeit. 2013 hatte Prokon schon 130 Millionen Euro ausgezahlt. In den vergangenen Wochen hatten sich die Kündigungen dann gehäuft. Bei Verbraucherschützern steht das Geschäftsmodell seit langem in der Kritik.

Der Bundesverband der Verbraucherzentrale beantragte am Donnerstag beim Landgericht Itzehoe eine einstweilige Verfügung gegen Prokon. Das Unternehmen übe „in rechtlich fragwürdiger Weise“ Druck auf die Anleger aus, nicht zu kündigen sondern stattdessen die Kündigungen zurückzunehmen.

Aus einer „Zwischenbilanz“ per Ende Oktober geht hervor, dass bei Prokon insgesamt Verluste in Höhe von 210 Millionen Euro aufgelaufen sind, während an die Anleger 330 Millionen Euro Zinsen gezahlt wurden – im Schnitt acht Prozent pro Jahr.

Den Kontakt zu Medien verweigert Prokon seit Mai 2013 nach wiederholten negativen Berichten, wie es im Internet-Auftritt heißt. „Es ist in der Tat so, dass wir auf konkrete Presseanfragen nach wie vor nicht reagieren“, bekräftigte Prokon am Freitag in einer Mitteilung auf seiner Internetseite.

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 4 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. wolf sagt:

    Diese Anlageform gehört für die meist dummen Privat-Anlager genauso verboten wie Inhaber-Schuldverschreibungen.

  2. Siggy sagt:

    Diese Energieform ist auch mal wieder ein toter Gaul, sonst wäre dieser Betreiber nicht vor der Insolvenz. Eine Täuschung der Menschen, für die viele Anleger ihr Geld verlieren werden. Wenn man sich diese mönströsen „Bauwerke“ anschaut, entsteht bei mir die Frage, ob so ein Windrad die Energie jemals erzeugen kann, die für seinen Bau verwendet wurde. Nicht zu vergessen, die Fundamente sollen ca. 1200 – 1600 Tonnen Beton aufnehmen. Eine Frage der Zeit für den Rückbau dieser Ungetüme zum Wohl der Vögel und der Landschaften. Es ist auch eine Zeitfrage, die Verantwortlichen für diesen Irrsinn zur Verantwortung zu ziehen.
    Nicola Tesla fuhr bereits um 1930 ein Elektroauto nur mit der Energie aus dem Raum, allgemeinverständlich: Energie aus der Luft. Also ohne Tankstelle und ohne Steckdose. Auch hier wird verschwiegen und getäuscht um alte Privilegien und Ausbeutungen weiter aufrecht zu erhalten.

  3. karlvalentin sagt:

    Pleite?
    Welche Firma kann 200Mill. sofort lockermachen und an Anteilsinhaber auszahlen?
    die muss du mir zeigen……..
    gibt es nicht…solche Batzen werden an der Börse gehandelt von inst. Anlegern…
    hier verliert keiner sein Geld…nicht ein einziger bin ich überzeugt…es werden die Auszahlungsmodalitäten verändert und schwierige persönliche Fälle bearbeitet wo es wirklich notwendig ist….aber ansonsten??
    Wer Genussrechte kauft sollte alles lesen….in diesem Fall ist niemand ausser den GR-Inhabern die Forderungen aufstellen, Banekn sind aussen vor, die Presse hat alles verrückt gemacht hat…die vermeintlichen Verbraucherschützer sind die größten Chaoten….keine keine ordentlich Versicherungsberatung zustande bringen und sich aufführen als wären Sie die Größten….die Unternehmen die ordentlich zahlen werden auch am besten benotet und bewertet….Prokon bestimmt nicht…also etwas mehr Ruhe und jeder wird sein Geld bekommen..auch wenn es in Ratren ist….

  4. plelte gier sagt:

    Kaufe Anteile von Prokon.
    Bitte um Angebote.
    Vorsicht: bei auch nur einem Anteil erfolgt Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit.