Vertrauens-Barometer: Mittelstand soll politische Debatten anführen

Kleine und mittelständische Unternehmen genießen so viel Vertrauen wie nie zuvor. Alle anderen Institutionen haben eingebüßt. Nur noch 49 Prozent hegen Vertrauen in die Politik. Die Medien haben am stärksten Vertrauen verloren.

Der deutsche Mittelstand hat sich das Vertrauen der Welt erarbeitet. 77 Prozent der Befragten des Edelman Trust Barometers 2014 haben kleinen und mittelständischen Unternehmen ihr Vertrauen ausgesprochen. Insgesamt ist das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft (57%) größer als in die Politik (49%) und die Medien (54%).

Nach den deutschen, sind Unternehmen aus Schweden und der Schweiz am vertrauenswürdigsten. „Das oft als unflexibel kritisierte Deutschland verfügt über einen entscheidenden Standortvorteil. Weltweit bringen die Menschen deutschen Unternehmen eine große Wertschätzung entgegen, eine sehr wichtige Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg“, sagt Susanne Marell, Geschäftsführerin von Edelman Deutschland.

„Der Mittelstand ist nicht nur das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft. Kleine und mittlere Firmen, allen voran Familienunternehmen schaffen auch Vertrauen durch ihr verantwortungsvolles Handeln, ihre Innovationskraft sowie die Nähe zu ihren Mitarbeitern und den Menschen in den Regionen“, sagt Marell.

Deutschlands Vorsprung kommt von der sozialen Verantwortung, die Unternehmer an den Tag legen. So sorgt der „Umgang mit Mitarbeitern sowie die Kommunikation, nicht nur mit der Öffentlichkeit, sondern auch den Kunden gegenüber“ für Vertrauen und Glaubwürdigkeit, so Marell.

An dem Vertrauens-Barometer von Edelman nahmen 33.000 Befragte aus 27 Ländern teil. Es ist somit die größte, jährliche Untersuchung zum Vertrauen in die Glaubwürdigkeit von Regierungen, Nichtregierungs-Organisationen (NGOs), Wirtschaft und Medien.

Privaten Unternehmen wird eher vertraut als Aktiengesellschaften. Sie sind in den Augen der Befragten oft innovativer, offener und verantwortungsbewusster als große Unternehmen. Für 3 von 4 sind sie zudem kundenorientierter und produzieren qualitativ hochwertige Produkte. Nicht einmal ein Viertel der Befragten hält Großunternehmen für verantwortungsvoll. Großen Konzernen vertrauen nur 49 Prozent der Befragten.

Für die gesamte Wirtschaft stieg das Vertrauen um 9 Prozentpunkte auf insgesamt 57 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Exportsektor boomt. Deutschland hat 2013 nach Berechnungen des Ifo-Instituts mit rund 260 Milliarden Dollar den weltweit höchsten Exportüberschuss erzielt. Das macht Deutschland zum größten Kapitalexporteur der Welt (mehr dazu – hier).

Nicht einmal die Hälfte der Befragten hegt Vertrauen in die bundesdeutsche Regierung (49%). Sie hat sich zwar aus dem Vertrauenstief der Jahre 2011 und 2012 herausgearbeitet, seitdem stagniert der Wert jedoch unter der 50-Prozent-Marke. Global liegt das Vertrauen in Regierungen allgemein bei 44 Prozent – ein Rückgang von 4 Prozentpunkten.

Innerhalb Europas liegt das Vertrauen in die Regierung Deutschland deutlich über dem Durchschnitt:

„Vor allem in den Euro-Krisenländern zeichnet das geringe Vertrauen in die Regierungen ein erschreckendes Bild. In Frankreich und Italien vertrauen nur noch 24 Prozent der Befragten der eigenen Regierung (minus 17 bzw. elf Prozentpunkte). In Polen sind es 19 Prozent (minus elf Prozentpunkte). In diesen Ländern beträgt der Vertrauensunterschied zwischen Wirtschaft und Politik jeweils rund 20 Prozentpunkte.“

Aus dem Vertrauensverlust in die Politik folgert Richard Edelman, CEO des gleichnamigen Unternehmens, dass die Unternehmen mehr Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen müssen: „Nun müssen Unternehmen die Debatte für den Wandel anführen. Dies ist allerdings kein Freifahrtschein für Deregulierung. Vielmehr erwarten 79 Prozent der Menschen, dass Unternehmen sich noch aktiver einbringen in Diskussionen mit der Regierung um Rahmenbedingungen.“

In Deutschland genießen Nichtregierungsorganiationen (NGO) mit 69 Prozent das höchste Vertrauen aller Institutionen. Weltweit liegt ihr Wert bei über 60 Prozent. Die größten Vertrauensverluste verzeichnen Polen (minus 13%), USA (minus 10%) und Mexiko (minus 9%). Zu den Gewinnern zählen die Vereinigten Arabischen Emirate (plus 13%), Indonesien (plus 10%) sowie Australien und Argentinien (jeweils plus 8%).

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