Kritik nach Datenklau: Bürger sind zu spät informiert worden

Seit Dezember wussten die Behörden über den Diebstahl von E-Mail-Adressen Bescheid. Dennoch hält Innenminister de Maiziere die verspätete Information für „eine vorzüglich Aktion zum Schutz der Bürger“.

Im Umgang mit den 16 Millionen gestohlenen Online-Nutzerdaten steht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in der Kritik. Dieses hatte eingeräumt, die Bevölkerung erst Wochen nach Bekanntwerden des Datenklaus informiert zu haben (mehr hier). Innenminister Thomas de Maiziere nahm die Behörde am Mittwoch allerdings in Schutz und bescheinigte ihr eine gute Arbeit. Mehr als 14 Millionen Bürger nutzten bis Mittwoch die Internetseite des BSI, um ihre E-Mail-Adresse überprüfen zu lassen. 933.000 von ihnen bekamen in einer Antwortmail mitgeteilt, dass ihr Account vom Datenklau betroffen ist.

„Das war eine wohlvorbereitete und vorzügliche Aktion zum Schutz und zur Warnung der Bürger“, sagte de Maiziere im brandenburgischen Meseberg. Das BSI war in die Kritik geraten, weil es bereits im vergangenen Jahr von dem Massen-Diebstahl wusste, aber erst am Dienstag die Öffentlichkeit informierte, dass rund 16 Millionen E-Mail-Adressen und zugehörige Passwörter in falsche Hände geraten sind. Parallel schaltete das Institut die Internetseite frei. Gefährlich wird der Diebstahl laut dem Branchenverband Bitkom unter anderem deshalb, weil viele Bürger ein und dasselbe Passwort für mehrere Portale benutzen.

„Wir wussten seit Dezember davon“, räumte BSI-Präsident Michael Hange im Bayerischen Rundfunk ein. Ein derartiges Verfahren zur Information der Bürger müsse aber einer großen Zahl von Anfragen gewachsen sein und bedürfe daher einer Vorbereitungszeit. Eine Sprecherin verwies darauf, dass dazu eine technische Infrastruktur aufgebaut werden müsse.

Vor allem in Internetforen wurde Empörung über die erst später erfolgte Information der Bürger laut. Die Linken-Netzpolitikerin Halina Wawzyniak twitterte, dies spreche nicht für Verbraucherschutzkompetenz beim BSI. Justiz- und Verbraucherminister Heiko Maas wollte den konkreten Vorgang nicht bewerten, betonte aber allgemein: „Wenn man entsprechende Hinweise bekommt und wenn es ein Mindestmaß an Wahrscheinlichkeit gibt, dass das ernst zu nehmen ist, muss auch schnell darüber informiert werden.“

BSI-Präsident Hange bezeichnete den Datenklau als schwerwiegende Bedrohung der Bürger. „Es handelt sich bei diesem Fall nicht nur um eine Infizierung von Rechnern, sondern um den Diebstahl der kompletten digitalen Identität”, sagte er dem Tagesspiegel. Es habe zwar schon ähnliche Vorgänge gegeben, doch sei in diesem Fall die Dimension beachtlich.

Maas sagte, der unfassbare Vorgang zeige, dass sich die Missbrauchsmöglichkeiten in der digitalen Welt schneller entwickelten als der Gesetzgeber darauf reagieren könne. Das Thema Datensicherheit werde die Koalition sehr intensiv beschäftigen, kündigte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk an. Allerdings müsse hier auch die EU tätig werden.

Politiker von Union und SPD plädierten für mehr Investitionen in die Sicherheitsforschung. Notwendig sei zudem ein IT-Sicherheitsgesetz noch in diesem Jahr, sagte Unions-Fraktionsvize Thomas Silberhorn. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kündigte dazu eigene Vorschläge an.

Kommentare

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  1. hemake sagt:

    Schon das selbstsichere Auftreten ohne Sachkenntnisse zu besitzen, macht mir diese Menschen, welche leider immer wieder „gewählt“ werden, ich bleibe dabei gezählt werden, stetig unsympatischer.
    Und lese ich, egal wo, Leserkommentare, bestätigt sich meine Einstellung zu diesen Fratzen.

  2. Caro sagt:

    – wer/was beweist denn , daß die IDS ( 16 Millionen ) muß man sich mal
    vorstellen , wirklich gestohlen wurden ?

    – jetzt loggen sich Millionen von Menschen mit ihrer aktuellen Email- ID incl.
    – IP Adresse ihres Computers, bei einer staatl. Behörde ein , und werden
    -ja dann dort auch registriert etc.

    gibt doch eine hübsche Sammlung für unsere politische Maffia !!
    war vielleicht das der Sinn dieser – verspäteten – Aktion ?

  3. Aufgewachter sagt:

    Rücktritt! Der Thomas de Maiziere ist nicht nur unfähig für seinen Posten, sondern auch noch ein totaler Feigling. Gysi hat es doch in seiner legendären Rede auf den Punkt gebracht

    „Es gibt noch etwas, was mich interessiert. Herr Bundesinnenminister, ich nenne Ihnen vier Varianten – advokatisch –, wenn es um die Frage geht: Was haben eigentlich unsere Dienste in Bezug auf die Rechtsverletzungen durch britische und amerikanische Dienste getrieben?

    Die erste Möglichkeit ist: Sie haben sie dabei unterstützt. Dann haben sie gegen das Grundgesetz verstoßen, sich an Straftaten beteiligt, und das müsste sehr ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.

    Die zweite Möglichkeit ist: Sie haben es nur gewusst, aber nicht unterstützt. Dann müssen sie aber die Bundesregierung informiert haben. Wenn die Bundesregierung informiert war, aber nichts erklärt hat, dann haben Sie das Grundgesetz verletzt, dann haben Sie Ihren Amtseid verletzt, und dann haben Sie großen Schaden angerichtet.

    Wenn die Dienste es gewusst haben und die Bundesregierung nicht informiert haben – dritte Variante –, dann haben sie wiederum so eine schwere Pflichtverletzung begangen, dass wir schon wieder über ihre Zukunft diskutieren müssen.

    Dann gibt es noch eine vierte Möglichkeit: Sie haben es gar nicht gewusst. Aber dann sind sie so was von unfähig, dass man sie auflösen kann.

    Ich bin kein Antiamerikanist, überhaupt nicht. Ich bin gerne in den USA und spreche gerne dort mit den Menschen. Aber eines sage ich Ihnen: Freundschaft, wie Sie sie sich vorstellen, gibt es nicht. Mit Duckmäusertum und Hasenfüßigkeit erreicht man keine Freundschaft, sondern das Gegenteil. Nur dann, wenn wir gegenseitige Achtung und gegenseitigen Respekt herstellen, kann es eine wirkliche Freundschaft geben.

    Dazu brauchen Sie als Bundesregierung Mumm. Sie müssen der US-Regierung sagen: Schluss, aus; wir hören Snowden und schützen ihn. – Dann erst sind wir wirklich souverän. Sie müssen fordern: Verhandelt mit uns auf Augenhöhe! – Dann kriegen wir auch eine Freundschaft mit den USA hin. Was Sie machen, ist Duckmäusertum. Das kenne ich seit Jahrzehnten, und ich bin es so was von leid.

    Ja, haben Sie endlich mal den Mumm! Genau so sind Sie hier auch. Ist doch nicht zu fassen!

    Zum Schluss sage ich Ihnen: Wenn Sie nichts machen – Herr Friedrich, Sie haben gesagt, Sie verhandeln mit denen –, wissen Sie, was Sie diesen fünf Ländern damit eigentlich sagen? Sie sagen ihnen damit: Macht ruhig weiter so, von uns habt ihr nicht den geringsten Nachteil zu erwarten! – Ich wiederhole: Das verletzt schwer den Eid, den Sie geleistet haben, nämlich Schaden von unserer Bevölkerung abzuwenden.

    Ich möchte, dass Sie jetzt den Mumm haben, die Beziehung auf eine andere Grundlage zu stellen, auf die Grundlage der Gleichberechtigung. Das ist nicht zu viel und das ist nicht zu wenig verlangt. Die Weltmacht mit ihren Weltmachtallüren muss endlich begreifen, dass wir ein gleichberechtigter Partner sind und nicht jemand, mit dem man machen kann, was man will. Dazu brauchen Sie eine grundsätzlich andere Haltung, Frau Bundeskanzlerin und Herr Friedrich.“

    gefunden bei

    http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/11/gregor-gysis-rede-zum-nsa-skandal.html

  4. Matthes sagt:

    Leider versteht er wohl nichts von Internet-Adressen und was damit passieren kann. Aber der Vorgänger hätte wohl auch nicht anders reagiert. Ein Hinweis verbunden mit der Aufforderung sicherheitshalber die Passwörter zu ändern hätte keinesfalls geschadet!