EU untersucht Zins-Manipulation bei Credit Suisse und UBS

Die Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS sind erneut im Visier der Bankenaufsicht. Die Zinssätze des Schweizer Franken sollen manipuliert worden sein. Die EU prüft den Sachverhalt. Weitere Kreditinstitute stehen ebenfalls unter Verdacht.

Wegen des Verdachts auf Zinsmanipulationen beim Schweizer Franken hat die EU-Kommission einem Insider zufolge eine Untersuchung gegen mehrere Banken eingeleitet. Betroffen seien unter anderem UBS, Credit Suisse und Royal Bank of Scotland (RBS), sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Es seien aber noch weitere Geldhäuser im Visier der EU-Wettbewerbshüter.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte auf Anfrage: „Unsere Untersuchung dauert noch an.“ Es gebe keinen weiteren Kommentar. Die vom Insider genannten Banken UBS, Credit Suisse und Royal Bank of Scotland lehnten eine Stellungnahme jeweils ab.

Die EU-Kommission geht schon seit etwa einem Jahr Vorwürfen nach, wonach Banken die Referenzsätze im Handel mit verschiedenen Währungen zu ihren Gunsten manipuliert haben sollen. Im vergangenen Monat hatte die EU-Kommission wegen Manipulationen anderer Zinssätze bereits eine Rekordgeldstrafe von insgesamt 1,7 Milliarden Euro gegen fünf Geldhäuser verhängt – darunter auch die Deutsche Bank, die im Rahmen des Vergleichs Anfang Dezember 725 Millionen Euro zahlen musste.

Die Deutsche Bank und die RBS waren demnach Teil von gleich zwei Händlerringen, die sich zum Vorteil ihrer Institute bei der Ermittlung von Referenzsätzen abgesprochen haben sollen. Die Schweizer UBS hatte damals über die Manipulationen beim Euribor und Yen-Libor ausgepackt und sich damit nach Angaben der Kommission eine Strafe von 2,5 Milliarden Euro erspart.

Im November hatte auch der in der Finanzkrise verstaatlichte US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae Klage gegen die Credit Suisse, UBS, die Deutsche Bank und sechs weitere internationale Großbanken eingereicht. Wie aus der 71-seitigen Klageschrift hervorgeht, fordert Fannie Mae von den Instituten insgesamt mehr als 800 Millionen Dollar an Entschädigung für Verluste, die aus der Manipulation Zinssatzes Libor entstanden sind.

Als „Libor“ (London Interbank Offered Rate) wird jener Zinssatz bezeichnet, zu dem sich Banken auf internationaler Ebene untereinander Geld leihen. Er regelt die weltweiten Transaktionen in einem Umfang von etwa 500 Billionen US Dollar. Der Libor wird auf Basis der Angaben einzelner Banker zu den täglichen Refinanzierungskosten der Institute ermittelt. Wegen der hohen Manipulationsanfälligkeit dieses auf individuellen Meldungen beruhenden Systems soll die Festlegung des Zinssatzes reformiert werden.

Manipulationen von Währungskursen sind keine Seltenheit. Seit Jahrzehnten streichen die Banken Milliarden ein durch Wetten gegen ihre eigenen Auftraggeber. Den Nachteil tragen immer die Anleger, die den Banken ihr Vermögen anvertrauen.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht leitete bereits Ermittlungen ein. Offenbar tauschen sich die Banker über Chat-Nachrichten über ihre Kaufs- und Verkaufsaufträge aus und stimmen Handelsstrategien miteinander ab, bevor sie gezielt gegen ihre Kunden wetten, berichtet der Tagesanzeiger.

Indexfonds sind den Banken besonders ausgeliefert, weil diese jeden Tag eine Vielzahl großer Devisenkäufe und -verkäufe in Auftrag geben müssen. Kurz vor 16 Uhr beginnt die heiße Phase der Manipulation. Die Banker wissen, dass ihre Kunden kurz vor dem Schlusskurs große Aufträge abgeben und wetten im Vorfeld gegen die Währung, in der sie selbst handeln.

Obwohl der Kurs der Währung nur um einen Bruchteil eines Prozentpunktes manipuliert wird, summieren sich die Gewinne für die Bank bei großen Aufträgen in den sechs-stelligen Bereich. Auf 10 Milliarden Dollar verkaufte Devisen summiert sich der Gewinn der Bank auf 500 Millionen Dollar, die eigentlich den Anlegern zustehen.

Im Juli dieses Jahres gelangte die EU-Kommission zu der Einschätzung, dass die weltweit größten Investmentbanken „das EU-Wettbewerbsrecht durch wettbewerbswidrige Vereinbarungen verletzten.“ In den Jahren 2006 bis 2009 haben sich 13 Institute untereinander abgesprochen. Zu den bloßgestellten Banken gehören beispielsweise die Deutsche Bank, Goldman Sachs, Credit Suisse, BNP Paribas und die UBS.

Bis Ende Juli will sich die EU-Kommission entscheiden, ob es Strafzahlungen für die Großbanken gibt oder ob sie für die Manipulation des Franken-Zinssatzes mit einer Vereinbarung davon kommen, wie Bloomberg berichtet.  Aufgrund der relativen Größe des Schweizer Marktes fallen potenzielle Strafzahlungen wahrscheinlich geringer aus, als sie für die Manipulation des Libor-Zinssatzes fällig wurden.

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