Österreich: Lohn-Unterschiede nehmen weiter zu

Die Einkommensschere in Österreich geht weiter auseinander. Durchschnittlich verdienen Arbeiter weit weniger als 3.000 Euro brutto. Frauen verdienen meist weniger als Männer. Die Sparquote der Österreicher ist gering.

Inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld verdienen Österreicher Statistik Austria zufolge weit weniger als brutto 3.000 Euro. Ohne Weihnachts- und Urlaubsgeld bekommen Arbeiter im Schnitt netto 1.525 Euro, das ist Bruttolohn von 2.223 Euro. Das entspricht einem Jahresgehalt von 31.129 Euro. Spitzenmanager verdienen etwa 504.000 Euro im Jahr. 2012 hatten Manager bei der Post die höchsten Gehälter (866.400 Euro).

Der Spitzenkandidat der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) für die EU-Wahl, Eugen Freund, ist der Meinung, dass ein Arbeiter ein Bruttogehalt von 3.000 Euro monatlich erhält. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Profil musste sich Freund, der zuvor Moderator beim staatlichen ORF gewesen ist, vom Interviewer belehren lassen, dass er sich um ein Drittel nach oben geirrt hat.

Die Einkommensschere geht in Österreich immer weiter auseinander. Die zehn Prozent der unselbstständig Beschäftigten mit den höchsten Einkommen von netto 4.000 Euro verdienen bis zu neunmal mehr als die ärmsten zehn Prozent der geringfügig Beschäftigten (455 Euro netto).

Ein großer Unterschied besteht noch immer in dem Lohnniveau zwischen den Geschlechtern. Die Einkommen der Männer sind um rund ein Drittel höher als die der Frauen. Männer verdienten im Schnitt monatlich brutto 2.680 Euro, Frauen hingegen nur brutto 1.685 Euro.

Unterschiedliche Berufsgruppen erhalten unterschiedliche Stundenlöhne. Führungskräfte verdienen 27,32 Euro pro Stunde, Akademiker etwa 19,46 Euro. Fachkräfte in technischen und gleichrangigen nichttechnischen Berufen erhalten 16,72 Euro. Bürokräfte und ähnliche Berufe erhalten 13,31 Euro. Das Handwerk wird durchschnittlich mit 13,16 pro Stunde bezahlt. Dienstleister und Verkäufer erhalten 9,76 Euro, das ist nur geringfügig mehr als das Gehalt von Hilfskräften (9,12 Euro).

Eine Umfrage der Erste Bank zufolge wollen Österreicher in 2014 wieder mehr Geld ausgeben. Sie legen weniger Wert darauf, zu sparen und nehmen auch keine neuen Kredite mehr auf. Die durchschnittliche Kreditsumme sank um 10.000 Euro auf 68.200 Euro.

Die beliebteste Anlageform bleibt das Sparbuch (61%). Danach folgen der Bausparvertrag (54%) und die Lebensversicherung (37%). Fonds sind nur für 16 Prozent interessant, 15 Prozent investieren in Immobilien. Etwa zehn Prozent der Österreicher halten Aktien, Anleihen oder Gold. 17 Prozent planen keine Geldanlage. Im Schnitt sparen die Österreicher nur 6,4 Prozent des ihnen zur Verfügung stehenden Kapitals.

Erstmals seit mehreren Jahren gibt es aufgrund der niedrigen Geldentwertung keinen Reallohnverlust in Österreich. Notenbankgouverneur Ewald Nowotny zufolge, führe die niedrige Inflation dazu, dass „dass wir nach langer Zeit 2014 wieder einmal einen positiven Reallohnzuwachs haben“, sagte Nowotny am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Zudem bestehe keine Notwendigkeit für eine „Inflations- oder Deflations-Bias“.

Dennoch ist in Südeuropa eine Deflation denkbar, wenn die krisengeschüttelten Staaten damit fortfahren, Löhne und Preise weiter zu senken. Die Gefahr liegt darin, dass Unternehmer aufgrund der niedrigen Preise mit fallenden Umsätzen rechnen müssen und nicht mehr investieren. Ein Ausgleich könne nur stattfinden, indem Länder wie Deutschland und Österreich ihre Löhne erhöhen.

Das würde den Wettbewerb in Europa korrigieren und die Binnennachfrage ankurbeln. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) spricht sich jedoch für eine Senkung der Lohnnebenkosten aus, um Unternehmer zu entlasten. Kurzfristig sollen die Lohnnebenkosten um 500 Millionen Euro reduziert werden, das entspricht 0,5% der Lohnsumme. Das könne erreicht werden durch eine Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags, des Unfallversicherungsbeitrags und der Streichung der Auflösungsabgabe.

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    EUGEN FREUND ODER EUGEN FEIND ?
    Eine Partei,welche einen solchen Spitzen-Kanditaten hat ist nicht wählbar !
    Der Herr hat keine Ahnung von der Realität und entscheidet ohne Kenntnis der Tatsachen zum Nachteil der Bevölkerung. Kein wunder,dass es mit solchen „Politischen-Entscheidungsträgern“ nur abwärts geht !

  2. Aufgewachter sagt:

    In Deutschland beträgt der Unterschied zwischen Arbeiten gehen und Sozialhilfe nur 79 Euro im Monat.

    Aktuelles „Lohnabstandsniveau 2013“ zur Sozialhilfe unter 79,85 Euro im Monat
    http://aufgewachter.wordpress.com/2013/11/05/aktuelles-lohnabstandsniveau-2013-zur-sozialhilfe-unter-7985-euro-im-monat/