Draghi: EZB kann Deflation verhindern

Mario Draghi schließt einen negativen Einlagezins für Banken nicht mehr aus. So wolle die EZB der Deflation in der Eurozone entgegenwirken. Es wird erwartet, dass die Banken die zusätzlichen Kosten durch den Negativ-Zins an ihre Kunden weitergeben.

Die Notenbank habe „sehr viele Instrumente“ in petto, sagte Draghi. Auch die Einführung eines Strafzinses für Banken, die ihr überschüssiges Geld bei der EZB parken, schloss Draghi im Interview mit der NZZ nicht aus. Mit einem Strafzins könnten Banken dazu angeregt werden, mehr Kredite zu vergeben statt das Geld bei der EZB zu deponieren.

Ein solcher negativer Einlagezins gilt als ein Mittel, um die Kreditvergabe in den Krisenländern im Süden der Eurozone anzukurbeln. Gegner befürchten, dass Geldhäuser die Kosten auf die Kunden abwälzen.

Die EZB hatte ihren Leitzins im November auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt, da die Teuerung in der Eurozone weit unter den Zielwert der Notenbank von knapp 2 Prozent gefallen war.

Die EZB sieht mittelfristig stabile Preise bei einer Inflationsrate von knapp 2 Prozent gewährleistet. Zuletzt lag sie jedoch nur bei 0,8 Prozent. Sollte die Inflation weiter niedrig bleiben oder die Preise sogar sinken, erwarten viele Ökonomen weitere Schritte der Notenbank.

Zugleich warnte der EZB-Chef vor zu großem Konjunkturoptimismus in der Eurozone. Es gebe zwar ermutigende Signale und erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung, aber der Aufschwung sei noch schwach und „sehr ungleich verteilt“.

Ihn stimme allerdings zuversichtlich, dass das Wachstum nicht mehr allein von den Exporten getrieben werde, sondern allmählich auch von der Binnennachfrage. „Wir sind heute in der Situation, in der die USA vor rund anderthalb Jahren waren.“ Die Umfragewerte seien gut, die harten Wirtschaftszahlen aber noch unstetig.

Der Notenbankchef riet den Staaten in der Währungsunion dazu, die Haushaltskonsolidierung fortzusetzen, aber wachstumsfreundlicher. „Also weniger Steuern und laufende Ausgaben, dafür mehr Investitionen in Infrastruktur und Bildung.“ Allerdings seien Strukturreformen zwingend notwendig.

Draghi kündigte zudem an, die Schwächen im europäischen Bankensektor schonungslos aufzudecken. „Generell ist im Finanzsystem Licht immer besser als Dunkelheit“, sagte er mit Blick auf den geplanten Gesundheitscheck der Großbanken durch die europäischen Aufsichtsbehörden. Nur wenn die Schwächen im Bankensektor sichtbar würden, könnten Gegenmaßnahmen ergriffen werden – „sei es durch Rekapitalisierung, Restrukturierung oder Abwicklung von Banken“.

Die EZB prüft vor der offiziellen Übernahme der Bankenaufsicht im Herbst die größten 128 Geldhäuser der Eurozone auf Herz und Nieren. Dabei unterzieht die Notenbank die Finanzinstitute zunächst einem intensiven Bilanzcheck. Dann folgt ein Stresstest.

Kommentare

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  1. spatz sagt:

    Die können nichts mehr verhindern , nur noch die
    selbstproduzierte Katastrophe hinauszögern.

  2. Deutscher sagt:

    Im fraktionalen Schuldgeldsystem währen negative Einlagenzinsen der Tod der Banken. Jeder, der noch Geld auf der Bank hält und dafür bezahlt, ist mit dem Klingelbeutel gepudert. Dann mache ich es wie meine Oma Else und halte mein Bargeld unterm Kopfkissen. Machen wir uns nicht vor. Das System ist am Ende, wenn über solche Möglichkeiten diskutiert wird. Als nächstes werden dann Vorschläge kommen, dem Einleger bei der Bank 10% abzubuchen. Dann kann das Rad noch ein bisschen weitergedreht werden. Natürlich mit all seinen negativen Folgen wie Vertrauensverlust in Banken und Staaten.

  3. biermann sagt:

    Papier ist nur papier. Mehr nicht. Ein wert kann hiermit nicht dauerhaft aufbewahrt werden. Weis doch eigentlich jeder…

  4. Stefan Wehmeier sagt:

    „Die Kaufkraft des Geldes nimmt ab, das Geld entwertet sich, die Waren werden teurer, die Preise steigen (Inflation), wenn die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zur Warenmenge vergrößert wird, und wenn das Geld schneller umläuft. Umgekehrt: Die Kaufkraft des Geldes nimmt zu, das Geld wird „besser“, die Waren werden billiger, die Preise fallen (Deflation), wenn die umlaufende Geldmenge im Verhältnis zur Warenmenge verkleinert wird, und wenn das Geld langsamer umläuft.
    Kann man aber durch Vermehrung oder Verminderung der umlaufenden Geldmenge die Kaufkraft des Geldes senken oder heben, so muss es auch möglich sein, durch planmäßige Verwaltung des Geldes seine Kaufkraft zu festigen, den Durchschnitt der Warenpreise (den Index) auf gleicher Höhe zu halten (Indexwährung), – vorausgesetzt, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes geregelt ist!
    Gerade an dieser zuletzt genannten Voraussetzung hapert es aber beim Dauergeld (Zinsgeld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion). Nehmen wir an, das einzurichtende staatliche Währungsamt, dem die Aufrechterhaltung der Indexwährung obliegt, stellt fest, dass der Index Neigung hat zu steigen. Es wird daher Geld aus dem Verkehr ziehen und umgekehrt, wenn der Index Neigung zeigt zu sinken, wird es zusätzlich Geld in den Verkehr geben. Diese Maßnahmen werden solange wirksam sein, als das Lockmittel des Zinses hoch genug ist, um das Geld umlaufen zu lassen. Sinkt aber bei Vollbetrieb der Wirtschaft die Rentabilität, so wird das Geld immer zögernder investiert werden. Die Geldbesitzer können dieses Geld, das ja keinen Zins mehr bringt, ohne Schaden aus dem Verkehr ziehen, aufhäufen (auf Girokonten liquide halten), unregelmäßig auf den Markt werfen und dadurch die Festwährung stören, woran sie schon deshalb ein Interesse haben, weil sie der Konjunkturschwankungen zur Erlangung der Differenzgewinne (Spekulationsgewinne) bedürfen.“

    Otto Valentin (aus „Warum alle bisherige Politik versagen musste“, 1949)

    Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Zusammenbruch einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) erfolgt nach dem Schema: Liquiditätsfalle > Deflation > Hyperinflation. Weil die Zentralbank keinen Einfluss auf die Umlaufgeschwindigkeit (effektive Umlauffrequenz) des Zentralbankgeldes hat, kann sie immer nur Währungspfusch betreiben und durch Geldmengenausweitung die Liquiditätsfalle (kollektiver Rückzug der Ersparnisse aus der langfristigen Anlage) hinauszögern, auf Kosten einer Verkürzung der Zeitspanne von der einsetzenden Deflation bis zur anschließenden Hyperinflation, bei der alle auf Geld lautenden Forderungen vernichtet werden.

    Damit das Geld unter allen Umständen sicher umläuft und die Zentralbank überhaupt die Möglichkeit hat, den Geldwert anhand eines repräsentativen Konsumgüter-Preisindex auf unbegrenzte Zeit absolut stabil zu halten, müssen die destruktiven Umlauf“sicherungen“ Urzins und schleichende Inflation durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung ersetzt werden:

    • Deutscher sagt:

      Danke für die wirklich schlüssige und logische Analyse.

      Genauso ist es. Bargeld wird gehortet, ist weniger verfügbar und steigt zu vorhandenen Wareneinheiten.

      Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man erhöht die Bargeldeinheit wieder oder man verringert die Wareneinheit. Die Bargeldeinheit zu erhöhen (z.B. die EZB stellt jedem Euro-Nutzer einen Scheck über 1000 Euro aus. Dumm nur, dass dies dann kein Schuldgeld ist, weil diesem Geld kein Kredit gegenüber steht, schließlich bekommt es der Bürger für einen Nuller) oder die Wareneinheiten zu reduzieren. Dies wird auch nicht geschehen, weil die Unternehmer auf Gedeih und Verderb angewiesen sind, ihre Waren loszuschlagen oder sonst pleite zu gehen. In der Vergangenheit hat das System einen Krieg begonnen. Weil ob nun Kanonen oder Kinderwagen hergestellt werden, interessiert das System und auch das Unternehmertum nicht. Ausserdem konnte das System auch das Überangebot an Arbeitskräften kostengünstig im Schützengraben entsorgen. Den Panzer und die Kanone auch. Wer den Krieg gewonnen hatte, war fein heraus, weil der Kriegsverlierer den Schwindel durch Reparationen bezahlte und der Kriegsverlierer konnte durch eine Hyperinflation seine Schulden tilgen, weil es kein Warenangebot mehr gab. So geschehen in Deutschland nach dem verlorenen 1. und 2. Weltkrieg.

  5. Jürgen Kremser sagt:

    24.01.2014

    „Die Notenbank habe „sehr viele Instrumente“ in petto, sagte Draghi“, und zwar zur Senkung der Einstandskosten der Finanzhäuser bei der EZB, leider jedoch nicht hinsichtlich der Bewucherung der Kunden durch die Banken.

    Da der Bankensektor prinzipiell ehrlicherweise pleite ist, heute „marode“ genannt, auch aufgrund der Staatsanleihen in seinem Portefeuille, kann dieser nicht darauf verzichten von seinen Schuldnern offen oder heimlich hohe Gebühren und Sollzinsen zu nehmen. Dieser Zustand läßt sich allerdings in Zukunft nicht mehr ändern, weil die Banken bei ehrlicher Bilanzierung niemals wieder saniert werden können.

    Derweil wird das Problem zerredet und durch ununterbrochene Erörterung im Diabolos-Rundfunk (Diabolos = Verwirrer) eine Lösung der Finanzprobleme der Banken suggeriert, so dass die Krise sich durchaus in Richtung Deflation entwickeln kann.

    Man sollte einmal eine Lösung erwägen, die Angela Merkel aus ihrem Jugend- und Mittelalter bekannt war. In der DDR gab es nur eine Staatsbank, die genauso wie die unsere Betrugs-Papiergeldzeichen herausgab. Es gab auch DDR-Bürger, die hunderttausende von Ostmark hatten aufgund der Zwangsenteignung ihrer Immobilien an LPGs. Dort gab es jedoch keine ständigen Diskussionen über Banken wie bei uns jetzt.

    Wir könnten den wirtschaftlichen Niedergang und die Deflation vermeiden, wenn in ganz Europa sämtliche Finanzinstitute an einem Tag verstaatlicht würden. Dann müßten die Banken nicht mehr uneinbringbare Verluste erwirtschaften, sondern es müßten im wesentlichen nur noch die für die Verteilung des Zirkulationsmittels erforderlichen Bankbeschäftigten bezahlt werden, so dass Dispokredite von 12 % und mehr nicht notwenig sind. Ein rascher Aufschwung a la Island würde erfolgen und nicht wie bei uns inflationsinduzierte gigantische Fehlallokationen im Immobilien- und Aktienmarkt genährt.

    Die Eigentümer und Gläubiger (= Sparer) der Finanzinstitute würde es natürlich hart treffen, diese sollten sich allerdings mit dem Hinweis trösten, dass ihr Geld schon durch die Nullzinspolitik 2009 verloren gegeben wurde, und dass die öffentliche Feststellung des Verlustes auch einmal erfolgen mußte, wie dann definitiv 1923 und 1948.

    Man sollte auch prinzipiell einmal näher die Frage erörtern, inwieweit die schier unbegrenzte politische Macht der Betrugs-Papiergeldzeichen-Drucker gebrochen wird, deren Geldmonopol sämtliche westlichen Staaten alimentiert und deswegen beherrscht. Vielleicht Lunageld:

    http://gruenguertel.kremser.info/?page_id=7589

    • Mazi sagt:

      Letztlich unterscheiden sich die Banken nicht mehr von denen in der früheren DDR.

      • Jürgen Kremser sagt:

        14.01.2014

        Sehr richtig! Nachdem die DDR 1989 gefallen war, konnten auch die Westdeutschen um ihr Grundeigentum gebracht werden. Zunächst wurde die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme des Baugesetzbuchs konzipiert, zunächst nur auf fünf Jahre beschränkt, angeblich um die DDR schnell aufzubauen und aus Gründen der Gleichbehandlung auch im Westen anwendbar, tatsächlich jedoch dann auf Dauer verkündet als bequemes Mittel auch die Westdeutschen kostengünstig um ihr Grundeigentum zu bringen.

        Ferner wurden unmittelbar nach der Wende 1990 die Bundesrepublik lückenlos in hunderte wenn nicht tausende von Landschaftsschutzgebietsverordnungen eingeteilt, die alle dasselbe Einzäunungsverbot beinhalteten, so dass tatsächlich die private Nutzung des Immobilieneigentums für die Deutschen unmöglich geworden ist.

        Ein Staat, der seinen Staatsbürgern heimlich die Nutzung des Grundeigentums entwertet und sie als Äquivalent ihrer Lebensarbeit nur auf manipulierbare Papiergeldzeichen oder manipulierbare Aktien verweist, ist ein totaler Staat und eine heimliche Tyrannis; denn die Besonderheit des freiheitlichen Staates ist, dass er seinen Bürgern auch in ökonomischer Hinsicht ein gesundes Mißtrauen gegen ihn selbst einräumt. Dieses gesunde Mißtrauen durfte man im Dritten Reich nicht entfalten, genausowenig wie in der Sowjetunion.

        Bei uns besteht nur der Unterschied, dass man nicht vom KGB oder der Gestapo abgeholt wird, statt dessen aber durch ein kunstvolles Geflecht von Verordnungen und Gesetzen von der Exekutive und Judikative an der Wahrnehmung seines Eigentums und seiner Freiheit mit heuchlerischen Begründungen gehindert wird.

  6. Mazi sagt:

    Es ist an der Zeit, die Leistungen von Herrn Draghi mit kritischem Auge zu betrachten und eine Bilanz aufzustellen.

    Positiv:
    Deutschland ist noch nicht ganz ruiniert.

    Negativ:
    Die Altersvorsorge der Deutschen ist ruiniert.
    Die Null-Zinspolitik hat dazu geführt, dass nicht nur Sparer systematisch enteignet werden sondern Versicherungen und zunehmend jetzt auch Banken in Schieflage geraten.

    Wenn die Geldanlage keinen Ertrag mehr bringt und von dieser „Null“ die Verwaltungskosten nicht mehr bezahlt werden können, dann brauchen wir weder eine Bankenaufsicht noch einen Stresstest. Auch minderbemittelte „Denker“ können dann erkennen, dass das System vorsätzlich in den Abgrund gesteuert wird.

  7. Morgo sagt:

    Wir haben beides:Deflation und Inflatation.Die Inflation ist an folgenden Parametern zu erkennen:Erhöhung der Mieten,des Strompreises,der Immobilienpreise.D.h.auf der einen Seite implodieren die Preise,auf der anderen Seite haben wir Blasenbildung-das ist eine hoch explosive Mischung.

  8. Wolfgang sagt:

    Die Banken werden es an die Kreditkunden weitergeben und damit die Deflation weiter anheizen.