Sozialverbände fordern komplette Aussetzung der Rente mit 67

Die geplante Rente mit 63 bevorzugt die Generation 50 plus, sagt Sozialverbands-Präsident Bauer. Die Regierung solle die Versicherten nicht gegeneinander ausspielen. Bauer fordert die komplette Aussetzung der Rente mit 67.

Nach der Wirtschaft gehen auch führende Sozialverbände auf Distanz zur geplanten Rente ab 63. Das neue Modell schaffe neue Ungerechtigkeiten. Das Renten-Paket der Bundesregierung umfasst neben der Rente mit 63 auch eine höhere Mütterrente und Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente.

Da die von der großen Koalition angepeilte Altersgrenze von 63 befristet gelten solle, könnten nur wenige Arbeitnehmer davon profitieren, sagte der Präsident des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Adolf Bauer, am Donnerstag zu Reuters.

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, hatte in der Berliner Zeitung kritisiert, die Rente mit 63 schaffe neue Ungleichbehandlungen zwischen Arbeitnehmern. Mit der „fragwürdigen Konstruktion“ werde die Generation 50 plus und damit die Kernklientel der Gewerkschaften gegenüber dem Rest der Versicherten bessergestellt.

Wie der Paritätische Gesamtverband sprach sich der SoVD dafür aus, die Rente ab 63 fallenzulassen. Erforderlich seien wirksame Ausnahmeregelungen von der Rente mit 67. SoVD-Präsident Bauer forderte als Alternative gar die komplette Aussetzung der Rente ab 67.

Arbeitnehmer sollen nach den Plänen von Arbeitsministerin Andrea Nahles künftig ab dem 1. Juli mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen können, wenn sie 45 Versicherungsjahre aufweisen. Auch Zeiten der Arbeitslosigkeit sollen angerechnet werden – allerdings nur, wenn Arbeitslosengeld I bezogen wurde.

Die Rentenversicherung kann nach eigenen Angaben im Zeitraum von 1978 bis 2001 nicht zwischen dem Bezug von Arbeitslosengeld I und der inzwischen abgeschafften Arbeitslosenhilfe unterscheiden. Daher müssen die Versicherten den Nachweis erbringen und bis zu 40 Jahre alte Dokumente liefern (mehr hier).

Die Daten, die derzeit als nicht vorhanden gälten, seien Andrea Nahles zufolge „selbstverständlich zu organisieren“.

Der CDU-Rentenexperte Peter Weiß warnte vor einer Frühverrentungs-Welle. Es müsse verhindert werden, dass Unternehmen langjährig versicherte Arbeitnehmer früher entlassen, weil sie wüssten, dass diesen mehrere Jahre Arbeitslosigkeit angerechnet würden.

Wirtschaftverbände hatten kritisiert, mit dem Paket würden die bisherigen Anstrengungen zur Sicherung der langfristigen Finanzierbarkeit der Rentenversicherung in großen Teilen zunichtegemacht. Der Industrie-Spitzenverband BDI sprach von einem „starken Ausbau sozialer Wohltaten“.

Die Deutschen müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, künftig bis mindestens zum 70. Lebensjahr zu arbeiten. Kommende Generationen werden vermutlich überhaupt nicht mehr wissen, was eine „Rente“ ist. Die Devise heißt: Arbeiten bis zum Umfallen (mehr hier).

Kommentare

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  1. sonnili sagt:

    Wir neiden unseren Kollegen, unseren Nachbarn, unseren Freunden die Möglichkeit einer Rente mit 63. Jeder könnte ja weiterhin arbeiten, so er denn will.

    15 der 27 EU Länder haben Renteneintrittsalter unter 65!
    Informieren Sie sich mal ob noch ein Land seine Bürger bis 67 arbeiten lässt. Aber das müssen wir, damit Deutschland über die dann fließenden Steuergelder die anderen EU Staaten unterstützen kann.

    Also bitte: kein Neid!
    Wer arbeitet bis er in die Kiste fällt, hat wenigstens keine Zeit mal darüber nachzudenken.

  2. caprica sechs sagt:

    Hallo liebes Mitarbeiter-Team der
    DEUTSCHE WIRTSCHAFTS NACHRICHTEN.

    Bitte bringen Sie den Online-Fehler ganz schnell wieder in Ordnung!
    Die Zeitung lebt von den Kommentaren und das soll auch so bleiben.

    Vielen Dank! 🙂 caprica

  3. Gustav sagt:

    Nahles hat mit der Rente mit 63, in ihrer Einfalt, ein Fass aufgemacht. Jetzt melden sich natürlich alle „Gutmenschenverbände“ mit ihren Forderungen, wie der Sozialverband.
    Die Nahles ist ideologisch programmiert und hat noch nie in ihrem Leben auch nur einen Tag in einem Beruf etwas gearbeitet. Weil ihr Vater Maurer war, der mit 60 Rückenprobleme hatte, glaubt sie man müsse alle Menschen mit früherer Rente beglücken. Wer das zahlen soll, das weiss die Dame nicht. So etwas kommt halt raus bei einer Politiker-Bilderbuchkarriere mit Kreissaal – Hörsaal (wenn überhaupt) – Plenarsaal.

  4. Stefan Wehmeier sagt:

    „Der Sparer wird ebenfalls aufgrund einer nur flüchtigen Kenntnis zunächst ein ablehnendes Urteil über die Natürliche Wirtschaftsordnung fällen. Aber seine psychologische Hemmung kann leichter beseitigt, sein Irrtum leichter aufgeklärt werden. Es ist richtig, dass die Ersparnisse nicht mehr als Kapital, sondern nur noch als reines Vermögen angelegt werden können. Daher gibt es keine andere Nutznießung von Ersparnissen als die Aufzehrung des ersparten Vermögens und es gibt keine andere Vermögensbildung als aus den Ersparnissen des Arbeitseinkommens. Damit ist der eigentliche und ursprüngliche Zweck des Sparens wieder hergestellt: zweckmäßige zeitliche Verteilung im Verbrauch des Arbeitseinkommens, aber nicht Gewinnung eines zusätzlichen arbeitslosen Einkommens. Dass durch den Wegfall des Zinses der Anreiz zum Sparen nicht geringer wird, ist begründet durch die Gleichheit des relativen Zinsfußes zwischen -5% und 0% in der Natürlichen Wirtschaftsordnung sowie zwischen 0% und +5% in der kapitalistischen Geldwirtschaft. Aber der Sparer fühlt sich betrogen; denn er verliert den bescheidenen Zins seiner sauer verdienten Ersparnisse, er verliert die Möglichkeit einer zusätzlichen Vergrößerung seines Sparguthabens im Laufe der Zeit. Und doch zeigt ihm eine einfache Rechnung, um wie viel er sich dabei im Ganzen genommen besser stellt. Denn es ist nur eine bescheidene Schätzung, wenn wir beispielsweise eine Verdoppelung des Einkommens für den kleinen Sparer annehmen. Wenn er nun bisher 10% seines Einkommens gespart hat, so könnte er also in der Natürlichen Wirtschaftsordnung bei gleichem Lebensstandard 110% seines früheren Einkommens, also das elffache seiner früheren Ersparnis zurücklegen. Allerdings wird er seinen Lebensstandard heben und vielleicht nur das Drei- oder Fünffache von früher sparen, aber auch damit eine Summe erreichen, die ihm früher auch mit allen Zinsen und Zinseszinsen der kapitalistischen Geldwirtschaft bei Lebzeiten unerreichbar war. Und diese Ersparnisse sind ihm gesichert in einer krisenfreien Wirtschaftsordnung. Wie viele Sparer haben schon ihr ganzes, sauer erworbenes Vermögen durch wirtschaftliche und politische Krisen mit Einschluss der Kriege oder zugunsten betrügerischer Kapitalisten oder bankrotter Spekulanten verloren? Ist es nicht besser, der Sparer verzichtet auf die trügerischen Zinsen und zehrt stattdessen ein Sparvermögen auf, das um ein Vielfaches größer und vor Verlusten gesichert ist? Aber wie soll er es einteilen, um damit gerade bis zum unbekannten Zeitpunkt seines Lebensendes auszukommen? Hierüber wird ihn der nächste Agent einer Lebensversicherung, die natürlich auch ohne Zins, aber nicht ohne Gewinn arbeitet, mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit aufklären. Auch der Abschluss weiterer Versicherungen für Alter, Krankheit, Unfall usw. ist dem freien Willen des Sparers anheim gestellt; denn die Gesellschaft wird sich keinesfalls mehr mit solchen Sozialversicherungen belasten, die bei den gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen des unzulänglichen Arbeitseinkommens, der Wirtschaftskatastrophen und der Arbeitslosigkeit nur einen notwendigen und sehr mangelhaften Ausgleich für die Sünden unseres Wirtschaftssystems darstellen“:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/08/naturliche-wirtschaftsordnung.html

  5. Siggy sagt:

    Ungerechtigkeiten? Ist wohl ein mittelmäßiger Gassenwitz. Dieser Herr Bauer soll sich lieber um die Ungerechtigkeiten zwischen den gesetzlich Rentenversicherten und den Beamten kümmern. Und um die Damen und Herren Volksvertreter gleich mit. Die bekommen fur Null Gegenleistungen Pensionen, von denen der Normalsterbliche nur träumen kann bzw. mehrere Leben brauch um auf diese „Zuwendungen“ zu kommen. Und bei denen diskutiert keiner über eine Rente ab 63, Kürzungen oder Griffe in die Pensionskassen wie bei der GRV üblich. Bei den fehlenden Restjahren bis
    65 – Komma wird es sich mancher noch überlegen müssen, ob die Rente für ein Hungerdasein überhaupt noch langt. Man kann dieses Schwätzertum nicht mehr erhören. Wer hat den überhaupt das Rentensystem in den Dreck reformiert? Es war die Roten unter Schröter und die Grünen mit Fischer!

  6. quengel sagt:

    Ich denke man sollte dann alle jungen Leute aus ihrem Pflichtrentenbeiträgen entlassen und und diese auffordern sich um sich selbst zu kümmern. Sagt den Leuten doch die endlich die Wahrheit, dass Sozialsystem ist an seinem Ende angekommen, eine Finanzierung ist nicht mehr möglich. Im Übrigen sollte endlich dieser ganze Schwachsinn für Beratungsstellen und sog. niedrigschwellige Angebote eingestampft werden, dann wäre derzeit genügend Geld im System. Aber der Bürger soll ja unmündig bleiben, denn wäre er autonom, so würde er schon auf der Straße sein.

  7. T.Körner sagt:

    Rente mit 70 = große ersparnis
    Politiker verzichten auch auf Diäten und Pension
    noch mehr ersparnis
    aber wo bleibt das ganze geld denn ?