Stundenlohn 9,30: Akademiker arbeiten für niedrige Löhne

Knapp 700.000 Akademiker erhalten nur einen Niedriglohn. Zudem ist die Arbeitslosigkeit unter Akademikern stetig angestiegen, im vergangenen Jahr waren 191.000 ohne Arbeit. Die Armut, in der sich viele Studenten befinden, hat nach dem Abschluss nicht immer ein Ende.

Ein Hochschulstudium ist in Deutschland keine Garantie für ein finanziell gesichertes Leben. Etwa 688.000 Akademiker sollen 2012 als Billig-Löhner beschäftigt gewesen sein.

„Nahezu jeder zehnte Akademiker verdiente 2012 nicht mehr als 9,30 Euro brutto in der Stunde. Hunderttausende, die jahrelang in ihre Bildung investiert haben, arbeiten zu Niedriglöhnen“, schreibt die Welt.

Die Misere betraf 2012 insgesamt 8,6 Prozent aller Akademiker. Der Welt am Sonntag sollen dazu Berechnungen des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen vorliegen.

Doch auch die Anzahl arbeitsloser Akademiker steige an. 2012 waren etwa 169.000 Akademiker arbeitslos. Ein Jahr später gab es einen dramatischen Anstieg auf über 191.000 Arbeitslose, berichtet die Welt.

Für viele Studenten ist die Mensa zu teuer geworden. Sie nutzen daher die kostenlose Lebensmittel-Ausgabe der Tafeln. Diese heißen die neuen Gäste willkommen.

„Die Lebenshaltungskosten steigen, die Möglichkeiten für einen Nebenjob in einem eng getakteten Studium werden immer geringer. Da geraten auch manche Studenten in Existenznöte“, zitiert heute.de den Chef des Bundesverbands Deutsche Tafel, Jochen Brühl. Die Zahl der Studenten an den Tafeln steige.

Für Brühl ist es weder ein Zeichen der Schande noch von Bequemlichkeit, wenn auch höher Gebildete um Hilfe bitten. Die Not vieler Menschen werde einfach immer größer, und damit stiegen auch die Nutzerzahlen. „Wer allerdings glaubt, dass es bequem ist, sich bei den Tafeln zu verpflegen, sollte sich da erst einmal selber in die Schlange stellen“, so Brühl.

Vor rund 20 Jahren wurden die Tafeln gestartet. Sie sollten eine Hilfe für die Ärmsten sein. Heute nutzen rund 1,5 Millionen Deutsche das Angebot. Sie erhalten Lebensmittel, die Einzelhändler aus dem Verkauf nehmen und spenden: Brot, Milchprodukte über dem Mindesthaltbarkeitsdatum, Obst und Gemüse mit Dellen.

Wie die Bedürftigkeit nachgewiesen werden muss, ist von Tafel zu Tafel unterschiedlich. Wenn ein Nachweis über den Bezug von Hartz IV verlangt wird, haben Studenten ein Problem. Sie sollten einfach bei den Mitarbeitern vor Ort nachfragen, sagt Brühl. „Wer Hunger hat, soll bei uns auch etwas zu essen bekommen.“

Kommentare

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  1. hugin sagt:

    ARBEITSLOSE AKADEMIKER ?
    Es gibt Studienrichtungen, welche sicher in der Arbeitslosigkeit enden.
    Medienwissenschaft, Philosophie, Psychologie, Theaterwissenschaft, Puplizistik und Andere, dafür besteht nur geringer Bedarf. Diese Akademiker sind dann Taxifahrer, Regalbetreuer u.s.w. So stiegen in Österreich Psychologen und Psychiater von
    1991- 2006 von 904 auf 6049 in 15 Jahren auf 670% ! Um diese zu beschäftigen, werden Schulklassen beim Tod eines Mitschülers „Psychologisch betreut“ und andere zweifelhafte Aufgaben. Auf der Montanuniversität hat jeder Absolvent beim Ende des Studiums bereits eine Stelle.

  2. 77 sagt:

    Was früher im Niedriglohnsektor passiert ist haben wir nun im Akademikerbereich.
    Als sich ,in 90er Jahren, die normalen Arbeiter über Niedriglohnkonkurenz durch Massenimigration beschwerten
    sagten die arroganten Akademiker: …Hätten sie eben studiert!!
    LOL ! Jetzt heulen die Akademiker!