ENLET: Polizei kann Autos mit Fernsteuerung lahmlegen

Die Strafverfolgung auf EU-Ebene erreicht ein neues Niveau. Die Polizei ist bereits technisch dazu in der Lage, Autos von Flüchtigen per Fernsteuerung aufzuhalten. Nun muss die Methode noch rechtlich abgesegnet werden. Lange Verfolgungsjagden wird es dann nicht mehr geben. Die europäischen Strafverfolger von ENLET wollen zudem die automatische Kennzeichen-Erkennung EU-weit durchsetzen.

Eine Arbeitsgruppe europäischer Strafverfolger bemüht sich um die Zulassung neuer Methoden zur Verfolgung und Dingfestmachung flüchtiger Verdächtiger. In einem Papier listet das European Network of Law Enforcement Technology Services (ENLET) verschiedene Maßnahmen auf, die Beamten in allen Mitgliedstaaten der EU zur Verfügung gestellt werden sollen. Dazu gehören die automatische Nummernschilderkennung sowie das Stoppen von Fahrzeugen per Fernbedienung (Safe Stop).

Die Strafverfolger gehören zur Europol Platform for Experts. ENLET will „den Strafverfolgungsbehörden die Möglichkeit zum informellen Erfahrungsaustausch geben und sie in die Lage versetzen, sich an Sicherheitsforschung zu beteiligen und von dieser zu profitieren“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung 2011 auf eine Anfrage der Fraktion der Linken im Bundestag.

Die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch hatte auf das Arbeitsprogramm von ENLET hingewiesen. Darin soll künftig jedes Fahrzeug mit einer Technologie ausgestattet sein, die es den Polizisten erlaubt, jedes beliebige Fahrzeug im Straßenverkehr lahmzulegen. Die Technologie dafür ist bereits vorhanden. Es geht nur noch um die Entwicklung der Standards auf EU-Ebene.

Per Knopfdruck könnten die Polizisten während der Verfolgung eines verdächtigen Fahrzeugs einen elektromagnetischen Impuls (EMP) abschießen. Wird ein Fahrzeug von den Mikrowellen getroffen, versagt dessen Elektronik. Wenn der Bordcomputer nicht mehr arbeitet, funktioniert in modernen Fahrzeugen nichts mehr. Der Motor geht aus. Das Fahrzeug rollt aus und die Verfolgungsjagd ist vorbei.

Solange das Fahrzeug dem elektromagnetischen Impuls ausgesetzt ist, kann es nicht wieder gestartet werden. Die Technik kann auf eine Entfernung von etwa 30 Metern eingesetzt werden und kann sogar Boote lahmlegen. An einem Einsatz aus Helikoptern wird gearbeitet.

In den nächsten Jahren konzentriert sich ENLET auf die automatisierte Kennzeichen-Erfassung und -Kontrolle. Diese ist in Deutschland umstritten, wird aber in Großbritannien bereits eingesetzt. Dort wird auf Parkplätzen, an Flughäfen und Bahnhöfen Kennzeichen per Kamera gescannt und erfasst. „Zugleich wird dabei häufig der Fahrer beim Entnehmen des Parkscheins fotografiert – manches Mal mit mehreren Kameras aus mehreren Winkeln“, berichtet das Technik-Magazin Ingenieur.de.

Ziel von ENLET ist es, die Kennzeichen auf Autobahnen zu erfassen und Raser effektiver bestrafen zu können. Es gibt aber noch weitere Projekte, denen sich die europäischen Strafverfolger widmen wollen. Die Beobachtung und Überwachung von Menschenansammlungen bei den verschiedensten Gelegenheiten und reicht zunächst bis zu neue Verfahren, um Beweismittel aufzuspüren, gehören genauso dazu wie die Funkaufklärung. Das Drohnenprogramm von ENLET konnte sich hingegen nicht durchsetzen.

Für die Entwicklung erhielt ENLET 587 000 Euro im vergangenen Jahr. Daneben erhielt die Arbeitsgruppe allerdings auch Mittel aus dem britischen und aus dem niederländischen Staatshaushalt. ENLETS braucht eigenen Angaben zufolge nur 915.00 Euro im Jahr von der EU, um die angestrebten Projekte realisieren zu können.

 

Kommentare

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  1. argus germanicus sagt:

    Anstatt in mehr Harmonie im gesellschaftlichen Leben zu investieren, versteift sich diese Brüsseler Bürokratenbande immer mehr auf einen repressiven und damit destruktiven Polizeistaat!
    …das ist wohl symptomatisch für dieses verkommene EU-Gebilde!

    …also weg damit, auf die Müllhalde der Geschichte – und zur „Europawahl“ EU-KRITISCH wählen!!!

  2. spatz sagt:

    Dann flüchten die Bankräuber zukünftig wieder mit einem
    alten VW Köfer
    und Kommissar Keller drückt verzeifelt auf den Aus Knopf und nichts passiert.

  3. EuroTanic sagt:

    Und wenn dann noch alle Bürger den gewünschten RFID Chip ab Geburt implantiert werden, dann kann Brüssel EUROtopia jedem beliebigen Untertanen an und ausstellen. Z.B. bei zu langer Arbeitslosigkeit, bei Demos, ab einem bestimmten Rentenalter, Parkvergehen, Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft… .

  4. Nomad sagt:

    Sowas gibs schon seit Jahren bei NeedForSpeed.
    Das Interessante dabei ist aber, daß solche Geräte auch die Raser haben.
    Ist dann lustig, wenn die Polizeiwagen plötzlich stehen bleiben oder die Helikopter an Höhe verlieren.

  5. Ingo sagt:

    Wieso EMP ?? Bei den neuen Fahrzeugen kann man es über das Mobilfunknetz machen, wenn man nicht gerade im Funkloch hängt. Nennt sich Telemetrie und die großen Automobilbauer sind glücklich über diese möglichkeit, da man mal eben so jedes Modell intern checken kann und so Softwareupdates usw. machen kann. Unter anderem auch das Fahrzeug abschalten.

    • argus germanicus sagt:

      Verstehe ich ohnehin nicht, wie man per EMP etwa im dichten Verkehr gerade den bestimmten PKW lahmlegen will, außerdem wirkt ein EMP meines Wissens nicht temporär, sondern eher nachhaltig zerstörerisch!

      Somit ist der Satz: „Solange das Fahrzeug dem elektromagnetischen Impuls ausgesetzt ist, kann es nicht wieder gestartet werden.“ auch ziemlich fragwürdig!

  6. Bernhard sagt:

    Na prima, dann werden Kriminelle, um diese Zielgruppe geht es doch wohl hoffentlich (nur), dann zu einer verschärften Version greifen, um ihre Ziele durchzusetzen: Kidnapping.

    Wer also EMP einsetzt, der zwingt geradezu zum Kidnapping.

  7. Zeitdass sagt:

    Mehr ist diesem Terrorkonstrukt EU nicht hinzuzufügen

  8. Joachim sagt:

    Cool !!
    Da geht so manches Hörgerät oder Herzschrittmacher
    gleich mit aus .

  9. Loewe sagt:

    Oha, meine Karre ist gerade verreckt… wer hat da auf den Knopf gedrückt? Oder war es doch wieder Pfusch ab Werk? Oder ist gerade die Mautbrücke defekt und hat einen Microwellenimpuls verstärkt?

    Das wird noch lustig, wenn sich die Auffahrunfälle auf den Autobahnen häufen, weil irgendein Hacker solch ein Teil nachbaut….

    Der ADAC wird wohl sein Personal aufstocken müssen….

  10. Naich sagt:

    Toll, weiter zum allumfassenden Polizeistaat.