Zentralbank machtlos: Geldentwertung in der Türkei schreitet voran

Die deutliche Zinserhöhung in der Türkei hat nur kurzfristig Wirkung gezeigt. Am Mittwoch ist die Lira weiter gefallen. Die Zentralbank hat nicht genügend Macht, um den Abzug des Kapitals zu verhindern.

Die Aktienkurse in Europa und den USA sind am Mittwoch gefallen. „Einige Anleger sagen sich offenbar, aufgrund der schwierigen Lage an den Devisenmärkten nehme ich kurz vor der Fed-Entscheidung lieber noch Gewinne mit“, sagte ein Börsianer. Die türkische Notenbank hat den Leitzins von 4,5 Prozent auf 10 Prozent angehoben. Zuvor hatten ausländische Investoren ihr in der Türkei angelegtes Kapital abgezogen.

Seit Tagen werden Währungen aus Schwellenländern stark verkauft, selbst Zinserhöhungen in der Türkei und in Südafrika vermochten diesen Trend nicht zu stoppen.

„Die Verzweiflungsaktion der türkischen Zentralbank hat nur kurzzeitig für Erleichterung gesorgt“, sagte ein anderer Händler. „Aber diese Welle ist jetzt schon wieder durch, was zeigt, dass die Halbwertszeit der Zentralbank-Maßnahmen immer kürzer wird. Denn die Anleger wissen, dass die Probleme bleiben und die Zentralbanken gar nicht so stark intervenieren können, um den Abzug des Kapitals aus den Schwellenländern zu verhindern.“

Die südafrikanische Zentralbank hob den Leitzins am Mittwoch um einen halben Prozentpunkt auf 5,5 Prozent an. Sie begründete den Schritt damit, dass sie verstärkten Druck auf die Landeswährung Rand erwarte und sie ein Mandat zur Inflationsbekämpfung habe.

Der Schritt der Notenbank in Pretoria kam nur wenige Stunden vor dem Zinsentscheid in den USA. Die Federal Reserve will ihr Anleihe-Ankaufprogramm in diesem Jahr schrittweise auslaufen lassen, mit dem sie derzeit noch monatlich 75 Milliarden Dollar in den Markt pumpt. Der Leitzins dürfte jedoch auf absehbare Zeit weiter nahe null bleiben.

Das absehbare Ende der Geldschwemme in den USA werde zu Marktschwankungen in einigen Schwellenländern führen, prophezeite die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde.

Auch in anderen Schwellenländern wurde eine straffere Geldpolitik bereits beschlossen oder ins Auge gefasst, um mit höheren Zinsen den Abfluss ausländischen Kapitals zu stoppen.

Die Notenbank Brasiliens hat ihren Leitzins seit April 2013 bereits von 7,25 auf aktuell 10,0 Prozent angehoben. Der jüngste Schritt folgte in diesem Monat, als es von 9,5 Prozent nach oben ging. Die Zentralbank signalisierte dabei aber, das Tempo nun etwas zu drosseln. Mit höheren Zinsen soll die Inflation in Schach gehalten werden. Die Teuerungsrate liegt derzeit bei 5,7 Prozent.

Keine andere asiatische Währung ist 2013 auf so steile Talfahrt gegangen wie die indonesische Rupie: Sie büßte ein Fünftel ihres Wertes im Vergleich zum Dollar ein. Zu Jahresbeginn hielt die Zentralbank ihren Leitzins unverändert bei 7,50 Prozent. Sie versprach aber, „wachsam“ zu bleiben, was den Märkten die Bereitschaft zu Zinserhöhungen signalisiert.

Die indische Zentralbank hob erst in dieser Woche ihren Leitzins überraschend von 7,75 auf 8,0 Prozent an. Grund für den Schritt sind kräftig steigende Preise. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen kann.

Vom Inflationsziel sei Indien derzeit „sehr weit entfernt“, sagte Notenbankchef Raghuram Rajan. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei 9,87 Prozent. Die Zentralbank will sie bis Januar 2015 auf acht Prozent und ein Jahr später auf sechs Prozent drücken.

Kommentare

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  1. Bianca Scheffel sagt:

    „Schlafloser“, leg Dich wieder schlafen! Habe selten so einen unqualifizierten Kommentar gelesen. Tolle politische Meinung kommt da zum Vorschein.

  2. Schlafloser sagt:

    „Das absehbare Ende der Geldschwemme in den USA werde zu Marktschwankungen in einigen Schwellenländern führen, prophezeite die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde“, weil beim Verkauf der Landeswährungen gegen Dollar erstere abwerten und die Importwaren sich inflaionstreibend verteuern.

    Im Falle der Türkei überwiegen allerdings deren politischen Probleme, weil Recep Tayyip Erdoğan innenpolitisch eine Korruptionsaffäre und außenpolitisch ein nicht erklärter Krieg gegen Syrien meistern muß, ferner die Iran-Sanktionen den türkischen Handel schädigen.