Börse: Anleger fürchten Kapitalflucht aus Schwellenländern

Die US-Notenbank drosselt ihr Ankaufprogramm für US-Staatsanleihen um weitere zehn Milliarden Dollar. Sie pumpt somit monatlich nur noch 65 Milliarden Dollar in den Finanzmarkt. Trotz einer befürchteten Kapitalflucht aus den Schwellenländern hält die US-Notenbank an der Drosselung fest.

Die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern hat am deutschen Aktienmarkt für Zurückhaltung gesorgt. Der deutsche Leitindex notierte am Donnerstag mit 9328 Zählern nahezu unverändert. Viele Anleger fürchteten angesichts der weiteren Straffung der US-Geldpolitik eine zunehmende Kapitalflucht aus den Schwellenländern. Die Zentralbank hatte am Mittwochabend angekündigt, die monatliche Dosis der Geldspritzen um weitere zehn auf 65 Milliarden Dollar zu reduzieren. Investitionen in den USA werden damit für Anleger wieder attraktiver.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dämmt trotz der Währungsturbulenzen in großen Schwellenländern ihre Geldflut weiter ein. Auf der letzten Zinssitzung von Fed-Chef Ben Bernanke verringerte die Zentralbank am Mittwoch die monatliche Dosis der Geldspritzen um weitere zehn Milliarden auf noch 65 Milliarden Dollar. Der „wirtschaftliche Aufschwung und bessere Perspektiven am Arbeitsmarkt“ bieten aus Sicht der Fed Spielraum dafür.

Die US-Börsen bauten ihre Verluste nach Drosselung der US-Notenbank aus. Bernanke hatte die Fed-Bilanz über Jahre hinweg mit enormen Geldspritzen auf fast vier Billionen Dollar aufgebläht und die Märkte weltweit mit Liquidität bei Laune gehalten. Zum Ende seiner Amtszeit lässt er die Notenpresse nun langsamer rotieren – mit negativen Folgen für die aufstrebenden Länder.

Trotz der jüngsten Turbulenzen erwähnte die US-Notenbank die Nöte der Schwellenländer mit keinem Wort. Dabei hatten sich kurz vor dem US-Zinsentscheid Indien, die Türkei und Südafrika mit Zinserhöhungen verzweifelt gegen den Verfall ihrer Währungen gestemmt (hier). US-Ökonom John Canally vom Finanzhaus LPL Financial in Boston geht davon aus, dass die Notenbank den „Pausenknopf“ beim Herunterfahren ihres Konjunkturprogramms nur bei größeren Verwerfungen in den Schwellenländern drücken wird: „Soweit ist es aber noch nicht gekommen“, so Canally. IWF-Chefin Christine Lagarde prophezeite, das absehbare Ende der Geldschwemme werde zu Marktschwankungen in einigen Schwellenländern führen.

Die Fed hatte zu Jahresbeginn mit der Einschränkung der Geldschwemme begonnen. Wegen der Straffung der US-Geldpolitik hatten sich Anleger zuvor aus aufstrebenden Ländern zurückgezogen. Lange Zeit hatten andere Volkswirtschaften von der lockeren Fed-Politik profitiert, da Gelder aus den USA in diese Länder abflossen, wo höheren Renditen winkten. Nun schwingt das Pendel zurück: Denn durch die steigenden Renditen werden Investitionen in den USA wieder attraktiver – Kapitalflucht aus den Schwellenländern ist die Folge.

Die Fed will ihr Anleihenprogramm 2014 schrittweise auslaufen lassen. Ab dem 1. Februar übernimmt Janet Yellen den Vorsitz der Fed. Sie wird den Leitzins noch geraume Zeit nahe Null halten, selbst wenn die angepeilte Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent längst erreicht sein sollte. Darauf hat sich die Fed festgelegt und sie wiederholte dieses Zinsversprechen nun erneut.

Kommentare

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  1. Ulli Schaller sagt:

    Die aus den Schwellenländern in die USA zurückkehrenden Gelder werden u.a. die Anleihen der US-Regierung kaufen, welche die FED nicht mehr kauft.
    Effekt : Die Währungen der Schwellenländer werten ab, deren Exporte verbilligen sich und die Importe verteuern sich.
    Das sind schlechte Nachrichten für den deutschen Export.

  2. DonQuijchote sagt:

    Schon interessant. Obwohl die FED noch immer 780 Milliarden (= 12 * 65) Dollar weiter drucken will, kommt jetzt doch die Retourkutsche aus Goethes Zauberlehrling:

    Die ich rief, die Geister,
    Werd ich nun nicht los.

    http://www.gedichte.vu/?der_zauberlehrling.html

    Ein Teil des viel gedruckten Geldes fand seinen Weg in die Schwellenländer und hat dort einen tollen Konjunkturschub herbeigeführt, Allerdings bricht dort jetzt möglicherweise viel von der aufgebauten Wirtschaft wieder zusammen, wenn die Dollars repatriiert werden, weil sich die kleinste Erhöhung der Zinsen in den USA abzeichnet; es sei denn die Schwellenländer kaufen mit ihren nationalen Währungen Dollars bzw. ziehen bei der Zinserhöhung mit.

    Solche internationalen Kreditgewährungen haben der Weimarer Rebublik den Todesstoß versetzt. Um die Reparationen des Ersten Weltkriegs zu bedienen, verschuldete sich die Reichsregierung bei den amerikanischen Banken. Als dann am Schwarzen Freitag des 24. Oktober 1929 die Spekulationsblase platzte:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Donnerstag

    mußten die amerikanischen Banken zu ihrer eigenen Rettung die Gelder aus Deutschland wieder abrufen, was dann im Endeffekt zu ca. 7 Millionen Arbeitslosen in Deutschland führte und Hitler den Weg bereitete.

    • Peter Pan sagt:

      ….und dann ks, noch dazu, dass Halmas Schacht den richtigen weg fand, sich aus den Klauen des Internat. Kapitals zu lösen. Und das wollte auch der mercado del Sur, der Süd- und mittelamerikanische Binnenmarkt. – über den man „eigenartigerweise so gar nichts mehr hört“. Und eines ist noch nie behandelt worden : damals gab es viele Diktaturen und Staaten, deren Intelligenzija gebannt auf d. Schaute, wie es das Versailler Diktat und Inflation und Andres überwinden konnte. Während Roosevelt. Mit seinem New Deal kaum Erfolg hate, explodierte in d. Die Wirtschaft, aber nicht so wie behauptet durch Rüstung, sondern durch Hoffnung und Vertrauen. Und dass dies Schule mache fürchtete man in der Finanz. Deshalb kams zu wk zwo wie zuvor zu wk eins. Und heute… Ist’s wieder soweit, zwomal war’s versucht worden, nunmehr aber scheinen die deutschen gelernt zu haben, dass sie ob ihres Fleißes und der deshalb verpönten Preuß. Eigenschaften di Feinde aller – faulen, dummen bequemen – zu sein haben. Also auf zu wk drei !!!!!!