Industrie: Optimiertes Prozess-Management sichert Erträge

Die Konjunkturentwicklung in Österreich ist fragil. Das Wachstum sei nicht von Investitionen getragen, sondern vielmehr saisonal bedingt, sagen Industrievertreter. Die Betriebe sollen mit schlankeren Produktionsprozessen gegensteuern. Eine Novelle der Abgabenänderung durch die Regierung ist indes nicht zu erwarten.

Die sich abzeichnende Aufhellung der Konjunkturaussichten ist kaum mehr als eine klassische Frühjahrsbelebung. „Die Erholung ist fragil. Für eine kräftige Konjunkturerholung fehlt es sowohl an Nachfrage aus dem Ausland als auch an favorablen Investitionsbedingungen im Inland“, sagte Christoph Neumayer, der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV).

Zu den Ergebnissen einer Konjunkturumfrage aus dem 4. Quartal am Donnerstag in Wien sagte Neumayer, das Ausmaß der konjunkturellen Erholung werde von den standortpolitischen Maßnahmen und Rahmenbedingungen mitbestimmt. „Hier ist die Politik – Stichwort Abgabenänderungsgesetz – aktuell nicht in die richtige Richtung unterwegs.“

Die Stagnationsphase der österreichischen Wirtschaft sei zwar vorüber, dennoch sei nicht mehr als eine Annäherung an den Durchschnittswert von 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum zu erwarten. An der Konjunkturumfrage der IV beteiligten sich 427 Unternehmen mit rund 269.000 Beschäftigten.

Diese Stimmung spiegelt sich auch in einzelnen Industriebranchen wider: Jeder dritte Metallwarenhersteller gibt einem Konjunkturtest zufolge an, die Auftragslage sei momentan „nicht ausreichend“. Nur 3 Prozent sahen sich „mehr als zufrieden“ mit der Auftragslage. „Das ist ein alarmierendes Signal aus der Metallverarbeitung“, so Christian Knill, der Obmann des Fachverbandes Maschinen & Metallwaren Industrie (FMMI). Die Zahlen aus der Konjunkturstatistik für die ersten drei Quartale 2013 zeigen einen leichten Rückgang in der Produktion (-0,7 %) und bei den Auftragseingängen (-2,1 %) für die Betriebe der Maschinen- und Metallwarenindustrie.

Industrielle Produktion in Österreich ist unflexibel

Der Industrie bleibt nichts anderes übrig, als sich selbst zu helfen (der deutsche Mittelstand macht es vor – hier). Einer Umfrage zufolge ist die Effizienz in der industriellen Produktion für über 70 Prozent der Befragten ein entscheidender Garant für Wachstum. Mehr als 30 Prozent der über 200 Befragten in der Gallup-Studie im Auftrag von Festo wollen ihre Unternehmen durch Veränderungen in der Produktion wachsen lassen. Für 71 Prozent steht der Produktionsprozess im Fokus. Nach der Prozessoptimierung sind die Mitarbeiterqualifikation und der Einsatz neuer Technologien die wichtigsten Faktoren für mehr Wachstum.

Das Management holt sich die Anregungen für Effizienzsteigerungen aus der Produktion. Bei über 60 Prozent der Befragten ist dies der Fall. Erst danach werden der Vertrieb (56 %) und die Finanzabteilung (39 %) in den Entscheidungsprozess eingebunden.

Die meisten Industriemanager sind sich der Bedeutung ihres Produktionssektors bewusst. „Trotzdem erleben wir in der Praxis viele Firmen, deren Produktion nicht fit für die immer rascher werdenden Marktveränderungen – wie kürzere Produktionslebenszyklen, veränderte Nachfrageverhalten oder gesetzliche Rahmenbedingungen – sind“, sagte Klaus Zimmermann, Experte für Prozessoptimierung bei Festo Industrie Consulting.

Produktionssysteme müssten auf jeden Betrieb zugeschnitten und dürften nicht von anderen Betrieben kopiert werden, so Zimmermann. Denn im Gegensatz zur Dynamik in den beiden Vorquartalen entwickelten sich die Auftragsbestände zuletzt wieder rückläufig. Dabei büßten sie mehr als den gesamten Zugewinn des vorangegangenen Quartals ein, sodass sich auch die Auftragsreichweite kräftig verringert hat. Das ist auf einen Rückgang der Auslandsaufträge zurückzuführen. Der Absatz von Industrieprodukten in die Schwellenländer gerät ins Stocken, da es binnen eines Jahres zu einem markanten Wertverlust der Währungen in Ländern wie Südafrika, der Türkei und Indonesien gekommen ist (mehr zum Währungsverfall hier).

Die negative Entwicklung bei der Auftragslage schlägt zu einem gewissen Grad auf die Produktionsplanung durch. Der saisonbereinigte Wert für die Produktionstätigkeit könnte sich in den nächsten drei Monaten von +27 auf +20 Punkte zurückbilden. Den Angaben der IV zufolge werde jedes fünfte Unternehmen in Österreich seinen Beschäftigungsstand verringern müssen.

Die Konjunkturentwicklung in Österreich ist ein Problem, weil sie exportgeleitet ist und nicht von Investitionen getragen wird. Tragfähiges Wachstum hänge von „der inländischen Investitions- und Konsumneigung und damit auch von den im Lichte des Koalitionsübereinkommens zu entwickelnden Standortbedingungen ab“, sagte Neumayer.

Eine dieser Rahmenbedingungen ist die Besteuerung österreichischer Unternehmen, die im Ausland tätig sind. Die IV ist der Ansicht, dass das Abgabenänderungsgesetz dem Wirtschaftsstandort Österreich mehr Schaden zufügt, als es Nutzen bringt. Sie kritisiert die vorgesehenen Einschränkungen des Verlustabzugs im Rahmen der Gruppenbesteuerung für international tätige Unternehmen. Wenn ausländische Staaten Steuerabkommen mit Österreich aufkündigten, müssten Österreichs Unternehmen demnach bis zu drei Jahre Steuern nachzahlen, berichtet das Wirtschaftsblatt.

„Die österreichische Regierung baut immer mehr Hürden für Unternehmen auf, anstatt die Expansion heimischer Nischenchampions in aufstrebende Staaten zu fördern“, sagte der IV-Generalsekretär. Dadurch werde die Expansion u. a. nach Russland, China, Indien oder in die Ukraine für Unternehmen mit Headquarter in Österreich unattraktiver.

Für den Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Klaus Hübner, sind diese „schmerzlichen Einschränkungen“ dem „Diktat des Budgets“ zuzusprechen. Eine Tarifreform und die Senkung des Eingangssteuersatzes seien in Zeiten wie diesen nicht möglich. Denn das koste den Staat 6 bis 8 Milliarden Euro, so Hübner.

 

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