„Akademisierung“ in Deutschland befördert Arbeitslosigkeit

Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Ausbildungen um 4,5 Prozent zurück. Zu viele junge Leute entscheiden sich für ein Studium, so der DIHK. Diese „Akademisierung“ der Ausbildung werde zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen.

Zu viele junge Deutsche entschließen sich für ein Studium, sagt Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Gleichzeitig bleiben zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt.

„Dem Wirtschaftsstandort Deutschland droht nachhaltiger Schaden, wenn der Trend zur Akademisierung um jeden Preis nicht gestoppt wird“, zitieren die Ruhr Nachrichten den DIHK-Präsidenten. Rund 25 Prozent der Studienanfänger beendeten ihr Studium ohne Abschluss – in den Ingenieurwissenschaften sogar 50 Prozent.

Die seit Jahren andauernden Forderungen nach mehr Studenten hätten dazu geführt, „dass Hörsäle aus allen Nähten platzen, während Unternehmen händeringend Azubis suchen“, so Schweitzer. In allen Regionen Deutschlands blieben Ausbildungsplätze unbesetzt.

Bei den in den Industrie- und Handelskammern vereinten Unternehmen wurden im vergangenen Jahr 4,5 Prozent weniger Ausbildungs-Verträge abgeschlossen, so Schweitzer. „Bei neuen Ausbildungsverträgen gab es einen Rückgang von rund 330.000 auf 315.000.“

Eine weitere Akademisierung könne zu einer höheren Arbeitslosigkeit führen, so Schweitzer. Denn manche Studienrichtungen würden gar nicht gebraucht.

Kommentare

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  1. Jo sagt:

    Ein akad. Studium ist erstmal eine Investition in die Zukunft. Kann sein, dass sich hier unter der Vorstellung einer linearen Zukunftsentwicklung („vorwärts immer – rückwärts nimmer“), des Prestigezugewinns und der vermeintlich auch in Zukunft besseren Entlohnung zurzeit ne Art Blase bildet. Der kluge Investor – sicher auch der „Bidlungsinvestor“ – handelt antizyklisch: Das, was alle machen, möglichst meiden. Vor diesem Hintergrund sehe ich für die vielen Studenten der „Diskussionswissenschaften“ (allen voran BWLer/VWLer, Politikwissenschaftler, etc.) trübe Zeiten aufkommen. Handfestes Können in Handwerk, Technik u. Ingenieurskunst wird wieder vermehrt gefragt sein. Spätestens, wenn uns das marode Falschgeld-System um die Ohren fliegt… – und das dürfte absehbar stattfinden!

  2. Oben sagt:

    Ich hatte die wahl, mehr Schule oder Ausbildung.
    28 Jahre
    Fachkraft für Lagerwirtschaft bestanden und bin seid 6 Jahre Zeitarbeiter. Na danke!

    Geht lieber in die Akademi!

  3. P.Marx sagt:

    Die gesellschaftliche Wertschätzung in unserer Berufspyramide ist; so denke ich für Facharbeiter und Handwerker nicht besonders hoch. Dies rührt auch teilweise daher, daß viele eine Gesellen-oder Facharbeiter-Brief in Händen halten,welche vor 20Jahren
    mit ihrer Leistung und ihrem Wissen noch in die Wüste geschickt worden wären!
    Gesamtschulgeschädigt, nicht leistungsorientiert ,, das brauchst Du Dir nicht gefallen
    zu lassen“ (sagten schon die Eltern)……….. trägt seinen Teil dazu bei.
    Auch wird in den Schulen, durch die Medien oder in der Politik zu wenig für das gesellschaftliche Ansehen dieser Gruppe getan. Es werden immer mehr Arbeitsplätze für nicht „verwendungsfähige“Akademiker geschaffen. Sei es bei Behörden
    Verwaltungs- Organisationen, Aufsichtsbehörden oder zu Kontrolle irgendwelcher Unternehmen auferlegter Maßnahmen(Bremser der Wirtschaft)
    Alles mit Vernunft und Verstand; sofern vorhanden!

  4. spatz sagt:

    Die Akademisierung hat Deutschland an die Spitze gebracht.
    In den letzten Dekaden ist ein ganzer Strauss von Lehrberufen
    entweder ganz weggefallen oder wie z.B. im KFZ Handwerk
    Autoelektriker und KFZ -Mechaniker zum Mechatroniker zusammengefasst worden.
    In der graphischen Industrie gab es mal Schriftsetzer, Maschinensetzer,Fotosetzer.
    Reprotechniker/Druckvorlagenhersteller etc.
    Alles verschwunden durch die überlegene Leistung moderner
    Computerprogramme zur Druckvorlagenherstellung.
    In vielen anderen Branchen wurden ebenso viele Berufe durch technische Neuerungen
    und Verschmelzungen viele Lehrberufe obsolet.
    Heute soll eben alles immer billiger werden und schneller gehen.
    Es ist alles so unseriös geworden.
    Jede Gesellschaftsgruppe die irgentwelche Interessen durchsetzen will
    ruft den allgemeinen Untergang aus.
    Tatsächlich ist es so dass die Unternehmen ein grosses Überangebot an Bewerbern in allen Stufen und Sparten wollen.
    Um das zu erreichen soll der Verbandskorruptie eben in den Medien
    kräftig auf den Putz hauen.
    lGlücklicherweise funktioniert das nicht mehr.
    Die Leute haben ihre eigenen Pläne für die Zukunft ihrer Kinder
    und denken überhaupt nicht mehr daran sich mittels Panikpropaganda
    zur Verfügungsmasse von irgentwelchen Interessen machen zu lassen
    und das ist sehr, sehr gut so!
    Ein Schamgefühl ob der konstruierten Argumente
    die im Grunde nichts weiter als Lügen sind gibt es offenbar nicht mehr..

  5. Wolfgang sagt:

    Die Frage ist doch, ob der Beruf seinen Mann ernährt. Viele Ausbildungsberufe tun dies nicht (Einzelhandelsverkäufer, Friseure…). Da ist ein Studium immer noch besser.

  6. Harald Steincke sagt:

    Sorry für Tippfehler und hier

    So macht auch Studium Sinn und erfahrene Vorgesetze mit sehr guten theoretischen UND praktischen Erfahrungen werden auch nicht akzeptiert bei den Mitarbeitern

    muss natürlich das „nicht“ gestrichen werden.

  7. Harald Steincke sagt:

    Tut mir sehr leid, aber wenn man sich die Entwicklung der letzten 20 Jahre in den Bereichen Dienstleistungen, Handel und (wenn auch nicht so extrem) auch Industire anschaut, verwundert diese Entwicklung überhaupt nicht. Das haben insbesondere die Unternehmen selbst zu vertreten. Das binäre Bildungssystem (Ausbilung) hatte sich in Deutschland Jahrzehnte bewährt und war das Rückrat der deutschen Wirtschaftskraft. Es war eine Art „Generationenvertrag“. Junge Leute wurden zeitaufwändig sehr gut ausgebildet und konnten sich über Weiterbildung in den Unternehmen bewähren. Sie dankten es ihren Arbeitgebern überwiegend mit Fleiß, Leistung, Qualtiät, Zurückhaltung bei Lohnforderungen und Treue zum Unternehmen. Diesem System hat Deutschland seine internationale Stärke bis heute zu verdanken. Doch was kam dann?

    Immer öfter wurde „umstrukturiert“. Neue Vorgesetze, frisch von der Uni, ohne Erfahrung wurden nur allzu oft erfahrenen Mitarbeitern vor die Nase gesetzt! Sie machten Karriere, verdienten viel Geld, brachten meist wenig Leistung, profitierten von ihren Mitarbeitern wenn es gut ging oder ruinierten nicht selten das Unternehmen und verschwanden bald wieder auf höheren Posten oder wechselten zu anderen Unternehmen, wo das Ganze von vorne anfing.

    Nicht selten war das Resumee, wenn es trotz dieser „Schwachstellen“ gut lief, dann war es den Fachkräften zu verdanken, die noch aus der traditionellen Ausbilung kamen und Schlimmeres verhinderten.

    Doch nicht selten wurde bei diesen Stützen des Unternehmens Personal abgebaut, Geld gespart, ihre Leistung ignoriert.

    Was war die Folge?

    Die Betroffenen konnten niemandem (schon gar nicht ihren eigenen Kindern) empfehlen, es genauso zu machen. Studiere, mache ein schnelles kurzes Trainee-Programm und dann Karriere – das war die Empfehlung. Titelinflation!

    Die Leistung erfahrener Fachkräfte muss sich wieder lohnen! Dann wird sich auch diesbezüglich wieder etwas ändern. Das müssen die Arbeitgeber erkennen. Wo liegt wirklich ihr Wertschöpfungspersonal??

    Globalisierung und immer kürzere Marktintervalle haben ihren Teil dazu beigetragen. Lange Zeit dachten Unternehmen, warum selbst kostenintensiv ausbilden, wenn ich fertiges Personal (sogar mit Studium) einkaufen kann. In der Volkswirtschaft gibt es den Begriff „Snobeffekt“ – dabei führt sogar steigender Preis zu steigender Nachfrage. Eben dieser Snobeffekt zieht bei Studium. Man vermutete allzulange Qualität hinter dieser „Marke“ abgeschlossenes Studium.

    Was ist wirklich nachhaltig?? Deutschland, besinne Dich wieder auf Deine Stärken. Motiviertes, qualifiziertes Personal im Unternehmen ausbilden, heranziehen und sicher auch ggf. mal mit Studium weiter bilden, nicht auf die (meist) falschen Unternehmensberater hören und nicht glauben, wir müssen nach amerikansichem Vorbild internationalisieren. Praxiserfahrene Fachkräfte, die dann studieren, erkennen viel besser, was sie wirklich brauchen aus ihrem Studium und einbringen können zum Erfolg des Unternehmens. So macht auch Studium Sinn und erfahrene Vorgesetze mit sehr guten theoretischen UND praktischen Erfahrungen werden auch nicht akzeptiert bei den Mitarbeitern. So entsteht ein sinnvoller Generationenvertrag. Und wer dann das Studium nicht schaffen sollte, kann sich immr noch auf seien Stärken und seine Leistungsfähigkeit verlassen und wird auch von einem klugen Arbeitgeber weiter Entwicklungschancen erhalten…(also KEINE Arbeitslosigkeit).

    Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder zu einer Schicksalsgemeinschaft werden, werden sie auch nachhaltig erfolgreich sein. Da war das wahre Geheimnis des Wirtschaftswunders in den 60er Jahren. Auf eigene Stärke und Qualität vertrauen und sie an der internationalen Konkurrenz ständig messen, das war das Erfolgsgeheimnis Deutschlands. Wenn wir nicht sehr bald dahin zurück kommen, wird deutsche Qualität als Exportschlager schnell nur noch ein verglühender Stern am Himmel des internationalen Wettbewerbs sein, denn dann ist unser Ruf nur noch eine auslaufende Marke, die noch etwas vom „Snobeffekt“ profitiert, bis sie nur noch Erinnerungswert hat…

    Kleine und/oder eng vom Eigentümer geführte Mittelstandsunternehmen wissen dies alles schon sehr lange und haben diese Fehlentwicklungen zum Glück weitestgehend vermieden.

    • Wolfgang sagt:

      Sie haben recht. Aber all das läßt sich nur beim eigentümergeführten Unternehmen umsetzen. In Konzernen und Behörden ist das unmöglich.

    • Robby sagt:

      Sehr guter Kommentar … leider lässt sich das Rad aber nicht mehr zurückdrehen … die Sache ist gelaufen …

  8. Nachdenker sagt:

    Ich dachte, wir haben Fachkräftemangel? Eine vernünftige Politik würde zunächst zu noch höheren Arbeitslosenquoten führen. Steuerberater, Finanzbeamte, Moderatoren (Ö-Recht), Jobcenterangestellte und viele mehr.

  9. Ein ehemaliger Azubi sagt:

    Ich finde den Artikel nicht haltbar.
    Das sind nur Thesen, die man nicht belegen kann.
    Viele Jahrzehnte lange schlechte Politik und Bildungssystem auf eine
    Überakademisierung zu schieben ist einfach peinlich!
    Natürlich ist die Zahl der Studenten stark angestiegen.
    Natürlich kann man brotlose Kunst sudieren. Nicht alles ist sinnvoll.
    Aber das Gleiche hat man auch bei Ausbildungen.
    Viele Ausbildungen sind genauso unnütz.
    Ich als Fachkraft für Lagerlogistik finde keinen Job,
    weil überhaupt keine Berufsnische vorhanden ist.
    In diesem Bereich gibt es nur noch Jobs für die man
    keine Ausbildung benötigt.
    Warum werden denn weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen?
    Zu viele Problemfälle (Schulabbrecher).
    Zu hohe Anforderungen seitens der Ausbilder.
    Schlechte Ausbildungsmöglichlkeiten.
    Ausnutzen von AUszubildenden, weil diese günstiger sind als Facharbeiter.
    Zu viele Berufe ohne Zukunft bzw. gute Berufsaussichten.

    Ich kann nur junge Menschen dazu ermutigen,
    dass sie sich so gut wie möglich für das Qualifizieren,
    was sie machen wollen.
    Das Ausland weiß gut qualifizierte Deutsche zu schätzen!