Schwellenländer stoßen US-Staatsanleihen ab

Die Zentralbanken der BRICS-Länder verkaufen ihre US-Staatsanleihen. So wollen sie den Absturz ihrer Währungen stoppen. Dies könnte die Fed dazu zwingen, doch wieder mehr Staatsanleihen zu kaufen.

Die Finanzmärkte werden nervös. In jüngster Zeit häuften sich die Meldungen über abstürzende Währungen in Argentinien, der Türkei, in Russland und Südafrika. Auch die indische Rupie geriet in den Sog des Währungs-Ausverkaufs.

Während noch bis vor kurzem die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) – oder auch „emerging markets“ genannt – ein Hort für internationale Anleger jedweder Couleur waren, macht sich eine prekäre Kehrtwende bemerkbar.

Internationale Anleger, die sich einen „Boom“ in den Schwellenländern erhofft hatten, ziehen ihr Kapital wieder ab, da Kapitalanlagen in den USA in Zukunft eine weitaus höhere Rendite versprechen. Allein die Ankündigung der Fed reichte, um die Kapitalströme umzukehren.

Grund ist der reduzierte Ankauf von US-Staatsanleihen und Hypothekenpapiere durch die Fed. Statt bisher für 85 Milliarden US-Dollar pro Monat kauft die Fed nur noch für 75 Milliarden US-Dollar diese Papiere auf. Im Februar ist eine Reduzierung des Ankaufs auf 65 Milliarden US-Dollar durch die Fed anvisiert (mehr hier).

Besonders betroffen von dem Kapitalabzug sind Staaten, die auf Kapital aus dem Ausland angewiesen sind. Sie benötigen dieses Kapital, um Importe zu finanzieren und ihre Volkswirtschaft im Gang zu halten, exportieren im Verhältnis dazu jedoch zu wenig. Es sind also Länder mit hohen Leistungsbilanzdefiziten.

Die türkische Regierung hat vor wenigen Tagen auf diese Kapitalflucht reagiert, in dem sie den Leitzins radikal erhöhte, und zwar mit einer Verdoppelung von 4,5 Prozent auf 10 Prozent (mehr hier).

Dies scheint jedoch wirkungslos zu verpuffen. Und droht die Wirtschaft komplett abzuwürgen.

Vom selben Phänomen betroffen sind Argentinien, Indien, auch Südkorea, kurz: es wird für alle Schwellenländer rund um den Globus problematisch. Die Währungen stürzen ab, ebenso die Aktien- und Anleihepreise.

China hat dabei noch den Vorteil, dass es auf hohen US-Dollar-Reserven sitzt, jedoch mit Problemen auf dem heimischen Kreditmarkt konfrontiert ist.

Die Schwellenländer haben einerseits von billigen Krediten aus dem Ausland profitiert und dabei womöglich die Erfordernisse von Reformen außer Acht gelassen. Doch das Kapital strömte seinerzeit nur deshalb in die „emerging markets“, weil Investoren höhere Zinsen als im Westen einstreichen konnten.

Die neuerdings durch die Kapitalflucht angefachte Krise in den Schwellenländern hat jedoch eine gravierende Kehrseite. Denn nun beginnen die Zentralbanken der Schwellenländer damit, US-amerikanische Staatsanleihen abzustoßen.

Bereits in der vergangenen Woche haben Zentralbanken weltweit ihre Bestände an US-Staatsanleihen so rapide veräußert wie im letzten halben Jahr nicht mehr.

Insgesamt fielen im Ausland gehaltene Wertpapiere wie US-amerikanische Staatsanleihen und hypothekengesicherte Wertpapiere von 20,7 Milliarden US-Dollar auf 3,3 Milliarden US-Dollar.

Maßgeblich ist dabei nicht nur, dass die Schwellenländer mit dem vorzeitigen Verkauf von Staatsanleihen ihre Währungen schützen müssen, es ist auch zu bedenken, dass Unternehmen, die bei internationalen Banken Dollar-Kredite aufnahmen, nun unter ihren Schulden zusammenbrechen und insolvent werden.

Da die landeseigenen Währungen abstürzen, verteuern sich diese Dollar-Verbindlichkeiten – ein Teufelskreis, der nur mit einer Inflation der heimischen Währung zu bewältigen wäre.

Bereits im Jahr 1997 ergriff eine Währungskrise die damals sogenannten „Tigerstaaten“ in Asien, die danach die Weltwirtschaft erfasste.

Falls nun erneut eine Finanzkrise in den Schwellenländern ins globale Haus steht, bekommt wiederum der IWF das Heft des Handelns in die Hand. Und der IWF hat in der Vergangenheit nicht gerade ein „glückliches Händchen“ bei der Meisterung von globalen Wirtschaftskrisen unter Beweis gestellt. (Womöglich wird auch der ESM umgewidmet – von European Stability Mechanism in „Global Stability Mechanism“).

Die US-amerikanische Geldpolitik erinnert somit an die Quadratur des Kreises. Indem sie versucht, die zur heimischen Krisenbewältigung bediente „quantitative Easing“ (quantitative Lockerung) zum Nutzen der Banken anschließend wieder zurückzufahren – die Bilanz der Fed beträgt 4 Billionen US-Dollar – entfacht sie eine neue Krise.

Diese Krisenbewältigung entwickelte sich zu einer Art überproportionalen Politik, die die nächste Krise noch problematischer macht als es die letzte war. Bisher bestand die QE-Politik im Grunde in nichts anderes als in einer Vertagung der Probleme – genau so wie in der Eurozone.

Kommentare

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  1. Dr.Schaarschmidt sagt:

    Bernanke,Draghi und Konsorten haben die größte Börsenblase der Geschichte geschaffen.Die Blase ist Ende des Jahres als erstes in den USA geplatzt.Der Dow Jones Index hat schon über 1000 Punkte verloren,die anderen Indizes werden folgen.Interessant finde ich immer die Kommentare der Börsengurus am Beginn eines Crashs,von wegen alles ganz normal und so.Das Gleiche sagten sie im Januar 1990 in Japan,als der Nikkei 225(von über 38500 Punkten) begann zu „korrigieren“-wo steht er heute? 1998 im Juli als der DAX von 6225 auf 3822 absackte,in 2000 als er von 8136 auf 2166 und 2007 als er von 8157 auf 3566 fiel.Und nun wieder:“Alles ganz,normal,gesunde Korrektur usw.-Aktien unbedingt weiter halten.“. Wahrscheinlich wollen sie noch schnell ihre Bestände günstig verkaufen.
    Nein,nein das steckt auch diesmal mehr dahinter,das wird ein richtiger Crash.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Hervorragender Artikel.
    Gratulation
    Gibt kurz abgefasst mit sehr viel Substanz einen sehr guten Überblick
    zum Aktuellen Geschehen.

    Freundliche Grüsse

  3. Blicker sagt:

    Zitat:
    „China hat dabei noch den Vorteil, dass es auf hohen US-Dollar-Reserven sitzt, jedoch mit Problemen auf dem heimischen Kreditmarkt konfrontiert ist.“

    China hat noch eine ganze Menge anderer Vorteile:
    Durch seine Produktivität und das vom Westen in selten dämlicher Manier leichtfertig und gedankenlos aus reiner Profitgier ( billisch billisch billisch ) abgetretene know how stockt der Zufluss an Devisen nicht in absehbarer Zeit.
    China kauft seit mehreren Monaten keine US – Treasuries ( Schatzanweisungen lautet die Übersetzung, gemeint sind Staatsanleihen ) mehr.
    Die FED stoppt das QE nicht aus Einsicht sondern weil sie den Petrodollar nicht komplett crashen lassen darf.
    China ist längst dabei, die faulen US – Staatsanleihen zu verscherbeln, darauf achtend, dass nicht zu viele gleichzeitig gestreut werden um eben den Dollar nicht crashen zu lassen. Statt dessen kauft man Gold und Silber und investiert in reale Werte wie Unternehmen und Rohstoffvorkommen. Man finanziert den Ausbau einer parallelen Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik durch den Isthmus von Nicaragua parallel zum
    Panama Kanal.
    Vereinbart wurde schon länger die Zahlung arabischen und iranischen Öl´s / Gas in Yuan. Mit Russland und den überigen BRIC-Staaten + Venezuela wird als Verrechnungseinheit der Yuan ebenfalls konvertierbar.
    Da die USA sich nicht trauen, dem chinesischen Drachen auf die Zehen zu steigen, wird jetzt mithilfe der EU der Versuch unternommen die Peripherie Russlands zu destabilisieren. Ukraine lässt grüssen.
    Alle diese unüberlegten und wenig durchdachten Aktionismen wie Raketen in Polen,
    Raketen rund um Spanien, Kriegsschiffe im Schwarzen Meer, Umsturzversuche in Syrien, Kriege in Korea, Vietnam, Irak, u.a. sind komplette Rohrkrepierer und für China
    eigentlich die Garantie, dass den USA in Kürze die Luft ausgeht.
    Es ist interessant, leider nicht ganz ungefährlich, aus der Mitte Europas dem zuzusehen.

  4. feinesleben sagt:

    lAllein „Staatsanleihen“, Kauf und Verkauf von Staatsschuldscheinen von Staaten die bis über beide Ohren im Schuldensumpf stecken. Das Bild sagt doch alles aus. Die einen leben in Saus und Braus, nur vom Feinsten, die anderen darben vor sich dahin. Man frage mal einen der kleinere Staatsdiener eines der verschuldeten Staaten ob er eigenen Staatsschuldscheine, Versprechen zur Rückzahlung neben der Verzinsung noch kaufen würde. Man frage zudem mal diese nette alte Dame da links im Bild wann die über sie Bestimmenden das Kommando geben „Die Party ist aus jetzt wird Kasse gemacht“, frei nach Thomas Manns preisgekrönten Roman „Die Buddenbrooks“ . Das waren andere Zeiten ? Nicht für die welche seit der zeit und früher über das Weh und Wohl von Schuldnern / Schuldnerstaaten, bestimmen. Lese gerade heute in der WELT, „Millionen Deutsche müssen sich etwas hinzuverdienen, 12 Jahre nach 1 / 1,95583, 4 Jahre nach NEW YORK TIIMES Grafik „Europe`s Web of Dept“, zu den Schulden der EU vom 01. Mai 2010…
    Was die sogenannten Schwellenländer die überwiegend über Naturschätze- Recourcen verfügen betrifft, da sollten sich die Länder wie Deutschland keine zu großen Sorgen um diese (mehr um sich selbst) machen. Als alter Seemann denke ich rückblickend,
    die kommen auch ohne unsere seit etwa 30 Jahrzehnten (als Carter ging und Reagan kam) zielgerichtet anschwellende Geldflut zurecht. Mehr Selbstbewußtsein für ihre eigene Bevölkerung stünde ihnen dabei sicher gut zu Gesicht, sei es aus strategischen oder eben aus wirtschaftlichen Gründen.

  5. reiner tiroch sagt:

    bald wird es so richtig krachen und keiner will´s gewesen sein.