Finanzkrise hat Innovationskraft des Mittelstands geschwächt

Die Modernisierung der Wirtschaft gerät ins Stocken. Eine schwache Konjunktur lässt Unternehmen vor Investitionen zurückschrecken. Der harte Wettbewerb verlangt nach Innovationen. Aber nur die wenigsten Mittelständler wollen die bürokratischen Hürden überwinden und die Ressourcen für Innovationen aufbringen.

Innovationen und technischer Fortschritt sind die Garanten für langfristiges Wirtschaftswachstum. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise in 2007 ist die Innovationskraft der deutschen, mittelständischen Unternehmen nachhaltig gestört. Eine beunruhigende Entwicklung: Denn der Mittelstand, vor allem kleine und mittlere Betriebe, erbringen 53,8 % der Bruttowertschöpfung in Deutschland.

Veraltete Strukturen, Prozesse und Stillstand sind auch Anzeichen für die Innovationsresistenz von Unternehmen. Die Modernisierung der Produkte, der Herstellungsverfahren und Produktionsanlagen tragen hingegen wesentlich zur Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens bei. Egal, ob es sich um Technologieproduzenten, Zulieferer, Exporteure oder Endanbieter handelt.

Dem Mittelstand fällt es schwerer als große Unternehmen, das Niveau der Innovationen aufrecht zu erhalten. Letztere steigerten zwischen 2006 und 2012 ihre Innovationsausgaben nominal um 17,6 Prozent auf 104,8 Milliarden Euro, während der entsprechende Wert bei den KMU im gleichen Zeitraum bei 24,2 Milliarden Euro stagnierte, berichtet die KfW-Bankengruppe in dem Mittelstandspanel Ende Januar.

Besorgniserregend ist die Entwicklung der Innovatorenquote, das ist der Anteil der mittelständischen Unternehmen, der in den vergangenen Jahren neue Produkte oder Prozesse eingeführt hat. Die Quote ist seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 um ein Drittel eingebrochen und liegt derzeit bei 30 Prozent (Siehe Grafik 1). Im Bau- und Dienstleistungssektor, bei wissensintensiven Dienstleistungen und im Verarbeitenden Gewerbe ist die Innovatorenquote zurückgegangen. Auch die Prozessinnovationen entwickeln sich nach ihrem Einbruch 2007 nur schleppend.

Der Anteil der Produktinnovatoren liegt für den Zeitraum 2010/12 mit 22 Prozent sogar noch niedriger als im stark von der Finanz- und  Wirtschaftskrise beeinflussten Zeitraum 2007/09. Nachdem dieser Anteil zwischen 2004/06 und 2007/09 bereits „außerordentlich stark“ um gut ein Drittel (-35%) auf 24% eingebrochen war, befindet er sich derzeit „auf dem niedrigsten Wert“ seit Beginn der Befragungsreihe, schreibt die KfW.

Banken sind noch immer damit beschäftigt, ihre Eigenkapitalquoten zu erhöhen. Die Geldflut der EZB kommt daher nicht in Form von Krediten beim Mittelstand an. Dabei bestehe „gerade in einer konjunkturellen Schwächephase ein verstärkter Druck zu kostensenkenden Prozessinnovationen.“ Den Firmen bleibt nichts anderes übrig, als ihre Prozesse zu optimieren und abzuwarten (mehr hier). Eine schwierige Finanzlage in den Unternehmen ist das größte Hemmnis für Innovationen.

Produktinnovationen fallen entweder in die Kategorie originär und imitierend. Für imitierende Produktinnovationen wird weniger Zeit benötigt. Sie sind auch stark von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig. Flexible Unternehmen imitieren Innovationen kurzfristig und verschaffen sich davon einen Vorteil, bis alle Marktteilnehmer nachgezogen haben. Für echte Marktneuheiten sind längere Entwicklungsphasen notwendig. Sie sind konjunkturunabhängig und seltener.

Das Innovationspotenzial wird sich auch in den kommenden Jahren nicht nachhaltig positiv entwickeln. Nur zwei Prozent der befragen Mittelständler gaben an, dass sie planen, eigene Innovationsaktivitäten auszuweiten oder wieder aufzunehmen (Siehe Grafik 2). Weitere 30 Prozent können sich die Ausweitung oder Aufnahme von Innovationsaktivitäten nur „unter bestimmten Voraussetzungen“ vorstellen.

Unternehmen, die in den vergangenen drei Jahren keine Innovationen auf den Weg gebracht haben, werden dies auch in den kommenden Jahren nicht schaffen. Nur 18 Prozent dieser nicht-innovativen Unternehmen ziehen Innovationen „unter bestimmten Voraussetzungen“ in Betracht. Die KfW begründet dies damit, dass für diese Mittelständler die Aufnahme von Innovationsaktivitäten auch eine „schwer zu überwindende Hürde“ sei, die den Einsatz „erheblicher Ressourcen und Know-how“ erfordere.

Größere Mittelständler sind da optimistischer: „11 % der Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten haben bereits beschlossen, ihre Innovationsanstrengungen in den kommenden drei Jahren auszuweiten.“ Die Geschäftslage (34%) und das Marktumfeld (26%) sind die wichtigsten Kriterien für die Planung von Innovationen. Danach folgen Finanzierungsaspekte (18%) und bürokratische Hürden (9%).

Kleine Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten partizipieren seltener an Fördermaßnahmen, entsprechend seltener können sie Verbesserungswünsche formulieren. Bei Unternehmen mit 10 und mehr Beschäftigten sieht das anders aus: Wenn sich Förderbedingungen ändern, werden sie aktiv und scheuen auch bürokratische Hürden nicht so sehr wie kleine Unternehmen. „Die bürokratischen Hemmnisse sind somit der einzige Faktor, dem für die Mobilisierung inaktiver Unternehmen eine größere Bedeutung beigemessen wird“, so die KfW.

Solange sich die Wirtschaft in Europa nicht nachhaltig stabilisiert, werden sich Unternehmen mit Investitionen und Innovationen weiter zurückhalten und den Markt beobachten. Zum Beispiel macht es im Energiesektor derzeit keinen Sinn, Innovationen zu tätigen, bis die Politik nicht eindeutige Signale gesetzt hat, wie es mit dem Projekt Energiewende weitergeht.

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  1. Peter Pan sagt:

    Was heißt investieren…. In die Zukunft Vertrauen haben. Hat man das, kann man es haben? NEIN !! Das wäre bedingt mögl. Bei kürzerer abschreibefrist. So aber wie sie seit par Jahren festgelegt ist, heißt das nichts Andres als Vabanque und Ausbeutung. Der Unternehmer braucht Sicherheit, schließlich fordert die auch seine Bank von ihm. Wo aber absolutes Chaos ist, wird der. Chef eher seine Schafe im trocknen halten. Erhardt ließ bei 95 Prozent steuern ab 1949 die Abschreibungen zu, transparent und fair. Heute ? Wenn schon zwanzig Euro ohne Ausgabennachweis zu Anzeige führen, was soll dann noch in diesen Staat vertrauenswürdig sein….das gesamte System ist misstrauisch, jede Initiative Verachtend, jeden Mut lähmend, jede Verantwortung in purem Wust untergehen. Kleinlichkeit als Staatsräson, Lähmung von Einsatz. Wenn fast die Hälfte der zeit für Kontrolle schon hausintern nötig, was bekanntlich lähmend und nur reines Zeitverzug ist, wo soll dann der Unternehmer sich als Vasall der Obrigkeit noch in seinen Entscheidungen nur eines Grans von Sicherheit sichersein können. Es bleibt dann nur noch zu vermuten, alldas sei vorsätzlich als pure Schikane gemacht. Und das ist nicht mal vermutet, sondern absolut sicher. Wen die Fesseln nicht wegfallen ist die Euro Europas Untergang, vorsätzlich und diktatorisch. In solchem Klima ist demnächst alles gelähmt.