Streit um Begrenzung der Manager-Gehälter eskaliert

Wirtschaftsvertreter kritisieren die Pläne der Regierung zur Begrenzung von Managergehältern. Der Eingriff in die Leitung und Kontrolle von Unternehmen sei „opportunistisch“. Staatliche Einrichtungen sollten ihre eigenen Leitlinien zunächst selbst erfüllen.

Die Bundesregierung und ihre Kommission zur guten Unternehmensführung streiten über gesetzgeberische Eingriffe in die Leitung und Kontrolle von deutschen Firmen. Der neue Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, Manfred Gentz, warb am Mittwoch für das freiwillige Regelwerk, das sein Gremium für Börsenfirmen erarbeitet hat. Zugleich kritisierte den Gesetzgeber wegen „oft kurzfristigen und opportunistischen“ Eingriffe und sagte voraus, die Gesetzespläne der großen Koalition zur Begrenzung von Managergehältern würden wohl verpuffen.

Justizstaatssekretär Gerd Billen hielt dem entgegen, die Politik müsse auf gesellschaftspolitische Diskussionen wie die Fragen der Vorstandsgehälter und der Frauenquote in Führungsgremien deutscher Unternehmen reagieren und entscheiden.

Die Kommission war 2001 von der Regierung eingesetzt worden. Ein Jahr später hatte sie einen Kodex aus Regeln zur Unternehmensführung und -überwachung vorgelegt, der seither beständig ergänzt wird. Er richtet sich an börsen- und kapitalmarktorientierte Unternehmen und soll das deutsche Unternehmenssystem transparenter machen.

Der frühere Daimler-Finanzchef Gentz betrachtet Eingriffe des Gesetzgebers in diesem Bereich generell mit Skepsis. Die Pläne der neuen Regierung zur Begrenzung von Managergehältern, die im Koalitionsvertrag erneuert wurden, würden ihr Ziel kaum erreichen, sagte er auf der Konferenz „Zukunftsplan Corporate Governance“. Wenn die Regierung die Aktionäre über die Hauptversammlung die Entscheidung über Vorstandsvergütungen übertragen wolle, schwäche sie die Verantwortlichkeit des Aufsichtsrats.

Zudem bestehe die Gefahr einer Überforderung der Aktionäre mit derart komplexen Themen. „Und schließlich dürfte das Ziel der großen Koalition, die Vorstandsgehälter einzugrenzen, verfehlt werden“, sagte Gentz voraus. Grund sei allein schon, dass die meisten Aktien der größten deutschen Börsenunternehmen in der Hand anglo-amerikanischer Investoren seien. Und die sähen die Höhe der Managergehälter weit weniger kritisch.

Justizstaatssekretär Billen bot der Wirtschaft und der Kommission eine breite, intensive Diskussion an. Nicht nur für Investoren, sondern für alle Interessengruppen sei von großer Bedeutung, wie das Regelwerk für Unternehmen aussehe. Dabei sollte stärker über Ziele diskutiert werden als über die Form ihrer Umsetzung, mahnte er. Es gebe aber gesellschaftspolitische Debatten, da müsse die Politik selbst entscheiden. Das gelte etwa für die Themen Vorstandsvergütungen und Frauenquote in Führungsgremien der Wirtschaft.

Gentz forderte die Politik auf, die allgemeinen Regeln für gute Unternehmensführung auch für staatliche Unternehmen einzuführen. „Es stünde den verantwortlichen Politikern des Bundes, die so oft die Wirtschaft kritisieren, gut zu Gesicht, wenn sie für die Unternehmen, die dem Bund ganz oder mehrheitlich gehören, dieselben Maßstäbe anlegen wie für die Wirtschaft“, sagte er. Billen zeigte sich dafür offen. „Wir haben das auf dem Schirm“, sagte er.

Kommentare

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  1. c-nes sagt:

    Passt ja hervorragend in die derzeitige Pofalla Diskussion rein!

  2. Wolfgang sagt:

    Das Entscheidende an der Mangerbesoldung ist nicht, dass sie zu hoch ist. Entscheidend ist die Abkopplung der Leistung von der Besoldung. Besoldung ohne Leistung ist das Hauptproblem.

    • Beamter sagt:

      Besoldet werden Beamte.
      Da war noch nie Leistung ein bestimmendes Beurteilungskriterium.
      Dienstjahre.

    • c-nes sagt:

      Schwachsinn! Es ist nur für viele Leute nicht nachvollziehbar, daß so hohe Gehälter auch einer Leistung entgegen stehen. Wenn ein Unternehmen aber pleite geht, dann wird schnell auf Managementfehler hingewiesen. Das ist absolut doppelzüngig! Managementfehler entstehen da wo ein schlechtes Management eingesetzt ist. Und ein schlechtes Management ist überall dort zu finden, wo die Gehälter zu gering sind!

      • spatz sagt:

        Einer der bestbezahlten Manager hierzulande Ron Sommer hat bei der Telekom absolut versagt.
        Bei Daimler der hochbezahlte Edzard Reutter ebenso wie sein Nachfolger
        Schrempp.
        Versager gibt es in allen Gehaltsklassen.
        Eine langfristig erfolgsorientierte Bezahlung wäre richtig, die darf dann auch entprechend hoch sein.,
        wenn es nur nicht die Entwicklung wie bei einigen US Konzernen nimmt
        wo erhebliche Teile des Gewinnes in unfassbare Gigantzahlungen
        an skrupellose Management-Egomanen geht.