Feldheim: Eigenes Stromnetz schwächt Marktposition der Energiekonzerne

Eine kleine Gemeinde ärgert die großen Energiekonzerne. Feldheim hat sein eigenes Stromnetz über Kredite finanziert. So machten sich die Bürger unabhängig vom Anbieter E.on. Trotz anfänglicher Investitionskosten ist der Strom in Feldheim schon jetzt viel günstiger als im Rest Deutschlands. Und der Preis wird noch weiter fallen.

Feldheim ist ein kleines Dorf mit 145 Einwohnern und gehört zur Stadt Treuenbrietzen. Nachdem die Gemeinde eine Biogas-Anlage in Betrieb genommen hatte, wollte sie den darin produzierten Strom nicht nur ins Netz einspeisen und für die Unternehmen bereitstellen. Auch die Privathaushalte setzten sich für den Bezug des eigens produzierten Stromes ein. Nach der Überwindung einiger Hindernisse wurde Feldheim schließlich zur bundesweit ersten Gemeinde, die zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien bezieht und dabei vollkommen unabhängig von den großen Energie-Konzernen ist.

Auf die Biogas-Anlage, die lokale Betriebe versorgt, folgte der Bau eines Windparks mit 43 Windturbinen. Der Betreiber des Ortsnetzes, E.on Edis, verweigerte jedoch einen Verkauf des Stromnetzes an die Gemeinde.

Also entschlossen sich die Feldheimer zu einem kühnen Schritt. Nach mehreren Bürgerversammlungen gründeten sie mit dem Windparkbetreiber Energiequelle GmbH die Feldheim GmbH & Co KG, eine Art Stadtwerk, das die Versorgung der 37 Haushalte über ein eigenes Stromnetz sicherstellen sollte. Die Kosten für das Stromnetz wurden zunächst von der Energiequelle GmbH getragen. Über eine Umlage auf den Strompreis zahlen die Feldheimer nun die Kosten für das eigene Stromnetz beim Windparkbetreiber ab.

Dann wurden Straßen aufgerissen, Felder umgepflügt und Leitungen verlegt. Das hat es in Deutschland bislang nirgendwo gegeben. Feldheim hat nun sein eigenes Stromnetz und kann den vor Ort produzierten Strom ohne Umwege oder Energiekonzerne in die Haushalte leiten.

Zusammen mit der Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist die Kilowattstunde Strom dennoch bereits jetzt viel günstiger als im Rest Deutschlands. Die Bürger zahlen im Schnitt 16,6 Cent pro Kilowattstunde. Bei den großen Stromanbietern liegen die Kosten bei etwa 28 Kilowattstunden. Ein gewaltiger Unterschied. Hinzu kommt, dass der Strompreis in Feldheim weiter sinken wird, sobald die Kredite für das Stromnetz vollständig abbezahlt sind.

Der Energiemix setzt sich zusammen aus den Windanlagen mit einer Gesamtleistung von 74 Megawatt. Sie speisen den überschüssigen Strom ins deutsche Netz ein. Das Sonnenkraftwerk auf dem ehemaligen Militärgelände liefert jährlich knapp 2750 Megawattstunden. Bei Flaute und fehlender Sonneneinstrahlung produziert ein Blockheizkraftwerk Strom, das durch die Biogasanlage betrieben wird.

Seit Oktober letzten Jahres gab es noch keinen Tag, an dem „wir im Dunkeln gesessen oder wirklich gefroren haben“, sagte Bürgermeister Michael Knape einem Bericht von Deutschlandradio Kultur zufolge.

In einem Energieforum will die Gemeinde anderen Interessierten die Vorteile der Energieautarkie nahebringen. Das Modell soll Schule machen. Je mehr Gemeinden ihren Strom und ihre Wärme selber herstellen, desto weniger verdienen die Energiekonzerne am Transport. Die Gebühren für die Nutzung und den Transport von Energie durch die Netze von E.on, RWE und Vattenfall machen nach Angaben des BDEW immerhin 20 Prozent des Preises aus, den Privathaushalte für eine Kilowattstunden zahlen musste.

Kommentare

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  1. Heidjer sagt:

    Herzlichen Glückwunsch an Feldheim !
    Was die dezentrale Stromerzeugung allein an Übertragungsverlusten verhindert, geht aus folgenden Zahlen hervor:
    Die Verluste bei der Transformation auf andere Spannungsebenen und die Übertragungsverluste in Hochspannungsleitungen gingen zwischen 2000 und 2012 von 34,1 auf 24,6 TWh zurück, ein Rückgang um ca. 28% ! (Internetseite der AG Energiebilanzen abgerufen am 07.11.2013)
    Das haben wir der dezentralen Stromerzeugung zu verdanken ! Und die Übertragungsverluste zahlt doch auch der Endverbraucher . . .

  2. Thomas sagt:

    Hallo Anke
    Mann sollte sich mit der Materie auskennen bevor man solche Gerüchte in die Welt setzt, die 3000,- Euro sind die Geschäftsanteile die jeder Hauseigentümer für seinen Eintritt in Feldheim Energie GmbH gezahlt hat. Zu dem ganzen gehört die Fernwärme für jeden Haushalt und der Strohm. Den ich kenne die Zahlen den ich Wohne in Feldheim und bin Stolz auf unser Projekt.

  3. andreas sagt:

    zudem schafft das gemeindeeigene Energieunternehmen Arbeitsplätze am Wohnort. Es ist der richtige Schritt. Gratuliere dazu. Auf lange Sicht zerstören große Unternehmen durch die Zentralisierung Arbeitsplätze. Die Gewinne fliessen an einige wenige Wohlhabende. Die Strukturen sind nicht mehr überschaubar. Gewinne fliessen ins Ausland. Der Staat macht sich durch diese Machtkonzentration erpressbar, bzw. wünscht sich durch Korruptionszahlungen sogar diesen Machtmissbrauch. M.E.: In kleinen, übersichtlichen Einheiten liegt die Zukunft.

  4. Andi sagt:

    Hallo Anke,
    a, woher hast du die Information mit den 3000,-? Der Artikel oben sagt ganz klar etwas anderes aus (nämlich, dass die Kosten über den jetzt noch höheren Preis gedeckt sind).
    b, Im Artikel steht, dass der Strompreis inkl. EEG-Umlage gilt. Außerdem werden die Menschen auch dort Steuer zahlen müssen! In deiner Ausführung wird suggeriert, dass sie keine zahlen würden.
    c, Und sollten Zusatzkosten für das Netz tatsächlich angefallen sein – warum werden diese von dir nur auf 10 Jahre umgelegt? Ein Stromnetz wird doch nicht nach 10 Jahren unbrauchbar sein? Die Umlage muss also auf 30 Jahre oder mehr erfolgen und somit den Strompreis bei weitem nicht so stark belasten.

    Ich denke das ist wieder einmal ein Versuch die exorbitanten Gewinnmarchen von Netzbetreibern und Energieversorgern mit „falschen“ Rechnungen zu rechtfertigen, anstatt endlich der Wahrheit ins Gesicht zu sehen, dass Regenerativen Energien auf längere Sicht unsere Energiekosten senken werden.

    • Anke sagt:

      a) Geben Sie einfach in einer Suchmaschine „Feldheim 3000 Haushalt“ ein.

      b) Selbstversorger zahlen keine EEG-Umlage und keine Netzentgelte. Letztere machen allein schon etwa ein Viertel des Verbraucherpreises aus. Ferner werden Umsatzsteuer und Stromsteuer eingespart.

      c) Die Zahlung von 3.000 Euro ist, wie sich aus meinem Beitrag ergibt, nur ein Teil aller Zuschüsse, mit denen das Projekt subventioniert wurde. Mit Subventionen kann man jeden Erzeugerpreis ermäßigen, nur sollte man diesen dann nicht mit Vollkostenpreisen vergleichen.
      Die Investitionen bestehen nicht nur aus dem Stromnetz, sondern vor allem aus Anlagen, die einem raschen technischen Wandel und hoher Abnutzung unterliegen. Windräder und Sonnenkollektoren, die vor 10 Jahren installiert wurden, sind heute nicht mehr viel wert. In wenigen Jahren wird Feldheim vor dem Problem größerer Instandhaltungsaufwendungen und von Reinvestitionen stehen. Was man an Krediten abbezahlt hat, wird man dann wieder neu aufnehmen müssen. Man wird auch erneut Zuschüsse brauchen, und wenn sie nicht gewährt werden, ist das Projekt tot.
      Ein typisches Beispiel sind die „Bürgerwindprojekte“. Es gibt nur wenige Windkraft-KG’s, die profitabel arbeiten. Die Anleger, meistens aus der Umgebung, die sich als Kommandisten an diesen KG’s beteiligt haben, haben ihr Geld bereits verloren, sie wissen es nur noch nicht. Die Finanzierung sieht fast immer so aus: Zu etwa zwei Dritteln über Bankkredite, und der Rest, den die Banken nicht finanzieren wollen, über Kommanditeinlagen. Dann bekommt der Anleger einen Zins von 6 – 8% und meint, er habe eine gute Anlage getätigt. Dabei hat er in Wirklichkeit sein eingesetztes Kapital verloren. Die Zinszahlungen über die Jahre sind teilweise sogar auf zwei Drittel seines Kapitals begrenzt. Mehr kann er nur herausbekommen, wenn das Projekt mit Gewinn verkauft wird, was natürlich nie der Fall sein wird Lesen Sie die Verträge, steht alles drin. Die Öko-Kapitalanlagen sind die Bauherrenmodelle des 3. Jahrtausends. Sie bringen allenfalls dem Initiator und dem Nachfolgeinvestor Gewinne, der sie billig aus der Konkursmasse kauft.

      RWE hat eine Umsatzrendite von 2,5%. Das ist kein „exorbitanter Gewinn“, sondern eher ein Alarmsignal. Wenn Sie ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern und 1 Million Jahresumsatz haben und unterm Strich nur 25.000 Euro Gewinn bleibt, dann sieht die Zukunft nicht gut aus. Sie können davon weder ihren Maschinenpark auf dem technisch neuesten Stand halten noch Kredite zurückführen.

  5. Anke sagt:

    Jeder Haushalt von Feldheim hat 3.000 Euro als Zuschuss für die „Stadtwerke“ bezahlt. Legt man das auf 10 Jahre um, so ergibt es 300 Euro pro Jahr oder bei 3.000 kWh Durchschnittsverbrauch 10 Cent pro KWh. Folglich kostet der Strom in Feldheim so viel wie woanders auch, nämlich nicht 17 Cent, sondern 27 Cent. Hinzu kommt, dass die im Artikel genannten 28 Cent, die der Strom woanders kostet, zu 45,6 Prozent (=12,8 Cent) aus Steuern und der EEG-Umlage bestehen und nur zu 54,4 Prozent (=15,2 Cent) aus Produktion und Transport. „Billiger“ ist es in Feldheim nur, weil man Steuern und staatliche Umlagen nicht bezahlt, nicht weil man billiger produziert.

    Wobei zu bezweifeln ist, dass es dabei bleibt, denn Feldheim ist mitnichten autark und muss noch sehr teure Investitionen machen. Ich zitiere aus der Website: „Die natürlichen Fluktuationen der Windstromversorgung werden zukünftig in einer zweiten Ausbauphase durch einen Batteriespeicher der neuesten Generation ausgeglichen.“

    Die hohen Investitionen belasten die Gemeinde für Jahrzehnte und zusätzlich mussten sie auch noch subventioniert werden: „Die für den Bau der separaten Strom- und Wärmeversorgungsnetze erforderlichen hohen Investitionen konnten jedoch von der Gemeinde und den Anwohnern nicht allein bewältigt werden. Deshalb wurden zusätzliche Mittel des Landes sowie aus EU-Förderprogrammen genutzt.“

    Feldheim ist exakt das, was die ganze Energiewende ist: Ein großer Subventionsschwindel auf Kosten derjenigen Bürger, die für die Subventionen aufkommen müssen und für „Fans“ der Energiewende, die Mühe mit dem Rechnen haben.

    http://www.energiequelle.de/index.php/de/referenzprojekte/249-energieautarkes-dorf-feldheim-d

  6. Gast sagt:

    Jaaaaaaaaaaa, ist ja nur noch geil. So kann man sich auch wehren, absolut super

  7. Peter G. sagt:

    37 Haushalte (plus einige Unternehmen, Bauern), 43 Windturbinen und ein Biogaskraftwerk? Das Ganze ist nur durch die Subventionen anderer Stromkunden möglich.

  8. Jo sagt:

    das läuft auf Kosten der übrigen Netzkunden!
    Es wird Zeit, dass das Netzt vom Verbrauch entkoppelt wird und solche Schmarotzer die reellen Kosten für den Anschluss zahlen müssen.

    Viel Spass jetzt schon, bei den horenden Kosten

  9. Tapete71 sagt:

    Klasse, Eigenverantwortung! Gruß an Feldheim!!

  10. Frank sagt:

    Endlich mal ein Schritt in die richtige Richtung!!! Klasse.