Niedriglohn-Sektor wächst: Viele Deutsche brauchen Zweitjob

Der Lohn aus nur einer Tätigkeit reicht zum Leben nicht aus. Fast drei Millionen Deutsche nehmen deswegen einen Zweitjob an. Diese Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

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Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl jener Deutschen, die einen Zweitjob haben, verdoppelt. Das geht aus der Beantwortung der Bundesregierung aus einer Anfrage der Grünen hervor.

Im Juni 2013 hatten 2,63 Millionen Bürger neben ihrer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mindestens einem Nebenjob. Das ist jeder elfte Arbeitnehmer in dieser Gruppe.

„Der Lohn aus einem Job reicht für viele ganz offensichtlich nicht zum Leben“, sagte die Grünen-Politikerin Brigitte Pthmer, die die Anfrage gestellt hat, der Saarbrücker Zeitung. Wenn Menschen auf einen Zweitjob angewiesen seien, um finanziell über die Runde zu kommen, dann laufe etwas schief in Deutschland.

Ein Hochschulstudium ist in Deutschland keine Garantie für ein finanziell gesichertes Leben. Etwa 688.000 Akademiker sollen 2012 als Billig-Löhner beschäftigt gewesen sein. Nahezu jeder zehnte Akademiker verdiente 2012 nicht mehr als 9,30 Euro brutto in der Stunde. Hunderttausende, die jahrelang in ihre Bildung investiert haben, arbeiten zu Niedriglöhnen (mehr dazu – hier).

Das Statistische Bundesamt bestärkt die Argumente des Sozialverbandes und rechnet mit einer Armutsquote von 19,6 Prozent. Darüber hinaus sind in Deutschland weitere 16 Prozent armutsgefährdet. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient (mehr zum Armutsbericht der Bundesregierung – hier).

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Kommentare

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  1. bate sagt:

    Die Umverteilung von fleißig nach reich in der BRiD-Danistakratie geht munter weiter. Und anstatt aufzustehen und die verantwortlichen Parasiten zum Teufel zu jagen, wird mangels Solidarität und einem Überdruß an materieller Missgunst auch noch ein dritter Job angenommen, wenn es sein muss. Erst wenn das Gros der Leute begreift, wie wenig materiellen Schwachsinnn man zum Leben wirklich braucht, daß Glück nicht mit „haben“ sondern mit „sein“ (Bewußtsein) zu tun hat, wird sich etwas ändern lassen. Aber die „ich brauch das neue I-Phone Gesellschaft“ ist zum Krepieren verurteilt.

  2. Eddi sagt:

    Tja, wer hat den das Lohndumping zum Gesetz gemacht mit Harz4 ? Rot-Grün war’s und jetzt stellt sich so ein Grüner hin und meinte da Laufe etwas schief. Na Hallo, man nuss kein Hellseher sein um zu merken, wenn den Firmenbossen so ein Druckmittel in die Hand gegeben wird, da reicht es wenn man zwei und zwei zusammen zählt um zu wissen was passiert.
    Und zum zweiten, der „Exportweltmeister“ will ja auch bezahlt werden. Mit normalen Löhnen schaft man das ja nicht, allso billiger werden koste es was es wolle. Man hat ja noch die dummen Arbeiter, die kann man ja auslagern in ne Zeitarbeitsfirma, da wirds um die hälfte billiger. Es lebe die „soziale Marktwirtschaft“ !

  3. schmeissmiwech sagt:

    das ziel ist bald erreicht!
    Faszinierend ist, dass der deutsche es nicht bemerkt. Selbst gebildete leute nehmen es gelassen hin, das am ende des geldes noch so viel monat übrige ist. Manche wundert das noch nicht mal. Faszinierend.

  4. Friedel Stumpf sagt:

    Zweithandy, Zweitwagen, Zweiturlaub usw, das kann nicht mit einem normalen Gehalt bezahlt werden. Besser ist es die Ansprueche etwas herunter zu schrauben!

  5. Siggy sagt:

    Armut ist für fast alle da. Unsere Bonzen und sonstige Günstlinge des Systems auf Kosten des arbeitenden Volkes sind natürlich ausgeschlossen.
    Und wenn die mit Armut und Hungerlöhnen durch Leben geschlitterten Menschen dann ihre Rente erreicht haben, wird diese heruntergerechnet zu einem Überlebensgeld für Sklaven. Aus eigener Erfahrung zu meiner Rente: Dieses System ist eine Schande und ein Tritt in denArsch für jeden anständigen Menschen!
    Wenn noch Menschen zu DDR Zeiten in den Westen abgehauen sind, würde es bestimmt keinem unter diesen heutigen Umständen noch einmal zu tun.

    • schmeissmiwech sagt:

      tja Siggy, und wenn Sie morgen gerhard schröder auf der strasse treffen, wünschen Sie sich doch ein foto mit ihm, welches Sie dann stolz in der verwandtschaft vorzeigen……. Schon mal drüber nachgedacht?

  6. Gautier Irgendwo sagt:

    Dank der EU Mitgliedschaft sprich immense Geldumverteilungen, bekommen die Arbeitnehmer der BRD, hiermit ein Teil der Vorteile auf diese Weise zu spüren

  7. Falke sagt:

    Was heißt hier, dann laufe etwas schief. Es ist eine himmelschreiende Schweinerei. Hier wird nur deutlicher die entwürdigende existenzielle Abhängigkeit des Arbeitskraftgebers sichtbar, der auf dem “Arbeitsmarkt” seine Arbeitskraft und damit in gewisserweise sich selbst wie eine Ware zu immer unwürdigeren Bedingungen verkaufen muss, um überhaupt überleben zu können.

    “Der moderne „Arbeitsmarkt“ ist der Nachfolger des früheren Sklavenmarktes, auf dem entrechtete Menschen wie Tiere verkauft und gekauft wurden. Der Arbeitssklave der Gegenwart wird zwar nicht in seiner ganzen Persönlichkeit als rechtlose Ware betrachtet, aber insoweit er sich mit seiner Arbeitskraft zu weitgehend diktierten Bedingungen verkaufen muss, befindet er sich in einer sklavengleichen Lage.”
    http://fassadenkratzer.wordpress.com/2013/09/27/arbeitsmarkt-der-mensch-als-ware/