„Krisenmodus“: Preisverfall in Europa senkt Umsatz der Stahl-Konzerne

Europäische Stahlkonzerne befinden sich noch immer in der Krise. Die schwächelnde Energiesparte von Voestalpine drückt die Gewinne des Stahlkonzerns. Die Belieferung der Öl- und Gasindustrie ist rückläufig. Die Großaufträge sind knapp. Das Überangebot an Stahl in Europa lässt den Umsatz der Stahlkonzerne sinken. ThyssenKrupp und Salzgitter bauen Stellen ab. In China wird die Nachfrage hingegen weiter steigen.

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Die schwächelnden Stahlkocher in Deutschland können keine Entwarnung geben. „Es ist keine Frage, die Stahlindustrie befindet sich in einem Krisenmodus„, sagte der Präsident des deutschen Branchenverbands, Hans Jürgen Kerkhoff, am Dienstag auf der „Handelsblatt Jahrestagung Stahlmarkt 2014“ in Düsseldorf. Zwar gebe es eine leichte Erholung, die Lage sei aber weiter schwierig. Den Stahlherstellern machten jedoch der Preisdruck und hohe Rohstoffkosten zu schaffen. Der Verband bekräftigte seine Prognose, wonach die Rohstahlproduktion in Deutschland 2014 leicht zulegen wird.

Auch die jüngsten Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Die Rohstahlproduktion stieg zwar im Januar um gut zwei Prozent. Die Auftragseingänge waren aber im Schlussquartal 2013 um vier Prozent gefallen. Der Stahlverband führte dies zwar auch auf eine höhere Zahl von Brückentagen zurück. Es gehe aber insgesamt nur langsam bergauf (mehr zur Krise der deutschen Industrie – hier).

Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine hat wegen einer anhaltend schwachen Nachfrage aus dem Energiebereich seine Jahresprognose gesenkt. Für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2013/14 werde nun mit einem etwas unter dem Vorjahreswert von 850 Millionen Euro liegenden Betriebsgewinn gerechnet, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Bislang hatten die Linzer ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau angekündigt.

Die Pläne vermasselt habe dem Konzern vor allem die schwächelnde Energiesparte, wo er mit seinen Produkten Kunden aus der Öl- und Gasindustrie sowie dem Kraftwerksbau beliefert. In diesem Bereich macht Voestalpine rund 16 Prozent des Jahresumsatzes (mehr zum Thema Export – hier). Der Wettstreit um wenige Projekte habe zu einem Preisverfall geführt.

Einen Wendepunkt erhofft sich das Unternehmen nun durch den Großauftrag für das Pipeline-Projekt South Stream. Die Oberösterreicher sind ebenso wie Salzgitter bei diesem großen Röhrenauftrag zum Zug gekommen. Den Wert bezifferte die Firma jedoch nicht. Insgesamt vergab South Stream drei Aufträge im Gesamtwert von umgerechnet rund einer Milliarde Euro, bei denen auch der russische Voestalpine-Partner OMK sowie Severstal zum Zug kamen. OMK liefere 35 Prozent der insgesamt 75.000 Pipelinerohre und werde von der Voestalpine die Hälfte des dafür benötigten Grobblechs beziehen. Die Bestellungen beziehen sich auf Lieferungen für den ersten Strang der Pipeline, durch die ab Ende 2015 russisches Gas von Sibirien nach Südosteuropa strömen soll.

Nachfrage in China gigantisch

Die Schwerindustrie in Europa hat noch eine weite Durststrecke vor sich. „China bleibt der wichtigste Nachfrager von Stahl. Die chinesische Industrie wird bis 2025 mit 1,1 Milliarden Tonnen annähernd so viel Stahl benötigen wie der Rest der Welt zusammen“, ist sich Martin Theben, Leiter des Bereichs Industrielle Produktion bei PricewaterhouseCoopers (PwC) sicher. Die krisengeplagten Euro-Länder und die schwächelnde Konjunktur in den Schwellenländern stimmen die Experten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC allerdings insgesamt pessimistischer.

Sie korrigierten daher ihre Prognose für die weltweite Stahlnachfrage nach unten und rechnen bis 2025 durchschnittlich noch mit einem Plus von 3,5 Prozent pro Jahr, wie PwC am Dienstag mitteilte. Im Vorjahr hatten die Stahlexperten noch einen jährlichen Anstieg um 3,8 Prozent vorausgesagt.

Während in China der Stahlbedarf pro Jahr im Schnitt um 4,3 Prozent zulegen werde, wachse er in den 28 EU-Ländern bis 2025 im Schnitt lediglich um 1,25 Prozent pro Jahr. Deutschland bleibe Wachstumsmotor in Europa mit einem jährlichen Zuwachs um 1,64 Prozent.

In Europa steckt die Schwerindustrie um Weltmarktführer ArcelorMittal seit über zwei Jahren in der Krise. Die eingebrochene Stahlnachfrage in den krisengeplagten Staaten Südeuropas und Überkapazitäten machen den Unternehmen das Leben schwer. ArcelorMittal hat sogar Werke geschlossen. In Europa lag die Nachfrage zuletzt nach Angaben des Stahlverbands knapp 30 Prozent unter dem Niveau von 2006. In Italien oder Spanien betrage das Minus 50 beziehungsweise 60 Prozent.

ThyssenKrupp und Salzgitter reagierten mit Stellenabbau auf den Preisverfall. Neben den operativen Zahlen dürfte bei ThyssenKrupp auch die Verschuldung im Blickpunkt stehen. Ende September stand das Unternehmen mit fünf Milliarden Euro in der Kreide.

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Kommentare

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Nachtrag:
    Aktuell spielt China die sog. Konjunkturlokomotive. Den sog. Schwellenländern fehlt es einfach an Vergleichbarer Substanz. Dazu können diese Länder nicht auf Kapital aus dem Westen hoffen. Das Chinesische ,,Wunder,, wurde mit Westkapital in sehr hohem Masse angestossen. Die Chinesische ,,Weltwerkbank,, bedient nicht nur den Westen mit entsprechenden vor allem Konsumgütern sondern auch die sog. Schwellenländer. Die kaum Realistisch besehen ein vergleichbares,, Wunder,, erleben werden. Mit einem vorhersehbaren Einbruch des Weltabsatzmarktes geht es auch den Chinesen ans Eingemachte. Letztlich wird die Globalwirtschaft als Folge nicht real existierender Absatzmärkte,Flächendeckend vor die Hunde gehen. Auch hier die Absatzmärkte werden mit Liquiditätszufuhr ganz klar am laufen gehalten. Das Spiel kann auch hier nur noch auf Zeit laufen.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Ein Grundsatzökonomische Logischer und vorhersehbarer Prozess.
    Innerhalb der letzten 25 Jahre wurde Global die Geldmenge massiv ausgeweitet.
    Dies erzeugte Nachfrage= Absatz= Konjunktur.( Die berühmte Konjunkturkurbel) Dies wiederum verführte zu Investitionen mit ebenfalls teilweise geschöpftem Kapital. Inzwischen wissen wir es die Schuldenblase ist geplatzt. Der offene Zusammenbruch wurde lediglich mit weiterer gigantischer Liquidität auf Zeit ausgehebelt. Da wurden Realwirtschaftliche Kapazitäten aufgebaut für die zunehmend die Realabsatzmärkte verloren gehen. Logische Folge die Bilanzen der Unternehmungen entwickeln sich in den roten Bereich. Weitere logische Folge Arbeitsplatzabbau zurückfahren der Investitionen. Dies wiederum zieht weitere Folgen für die Realwirtschaft im Umfeld nach sich in den Bereich Zulieferer und und. Steigende Ausgaben im Bereich Soziales sinkende Steuern und und. Da ist längst ein verhängnisvoller Dominoeffekt am Anrollen. Wie lange dieser Dominoeffekt mit weiterer Liquiditätszufuhr ausgleichbar ist bleibt offen, ewig kann und wird das Spiel ganz klar nicht weiterlaufen. Nach aktuellem Stand zeichnet sich ab, das der Kapitalmarkt noch einige Zeit weiterfunktioniert letztlich aber durch die zusammenbrechende Realwirtschaft absurdum geführt wird. Das heisst ein Kapitalmarkt im Luft= Substanzlosen Raum. Ganz klar kein nicht vorhersehbares Naturereignis. Mein Gott diese ,,Berufsökonomen,, und andere Gesundbeter. Reinste Schamanenökonomie. Willkommen in der Steinzeit.
    Freundliche Grüsse
    http://www.hans-von-atzigen.ch