US-Zentralbank dreht Geldhahn weiter zu

Trotz jüngster Rückschläge am Arbeitsmarkt will die neue Janet Yellen die Geldschwemme weiter eindämmen. Die Zinsen bleiben aber weiterhin niedrig. Die Märkte reagierten verhalten.

Die umstrittenen Milliardenspritzen der Federal Reserve (Fed) werden maßvoll gedrosselt, wie US-Notenbankchefin Yellen am Dienstag in ihrer mit Spannung erwarteten Antrittsrede im US-Kongress ankündigte. Überraschungen blieben allerdings aus: Sie signalisierte, dass die Fed die Wirtschaft noch lange mit niedrigen Zinsen unterstützen wird. „Denn der Arbeitsmarkt ist weit von einer durchgreifenden Erholung entfernt“, betonte Yellen vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses.

Sie will dem Kurs ihres Vorgängers Ben Bernanke treu bleiben. Der hatte die US-Wirtschaft mit Billionen Dollar aufgepäppelt. Zuletzt begann er aber, die Geldflut wegen der anziehenden Konjunktur einzudämmen (mehr hier). Derzeit pumpt die Fed monatlich noch 65 Milliarden Dollar in das Finanzsystem

Geldpolitik sei kein „Allheilmittel“, sagte Yellen. Auch die Politik sei gefordert, die Rahmenbedingungen für den Jobmarkt zu verbessern, mahnte die 67-jährige Arbeitsmarkt-Expertin. Sie hat erst vorige Woche als erste Frau das Steuer der mächtigsten Zentralbank der Welt übernommen.

Die ehemalige Harvard-Ökonomin, die ihren Text ohne erkennbare Nervosität und eher bedächtig vortrug, gilt als Anhängerin einer weichen, eher konjunkturfördernden Linie, die weniger streng auf Inflationsgefahren achtet. Die Fed hat ihre Bilanz in den Krisenjahren seit 2008 auf mittlerweile mehr als vier Billionen Dollar aufgebläht. Durch die Geldschwemme drohen nach Ansicht von Fed-Kritikern im Aufschwung eine hohe Inflation und Vermögenspreisblasen wie vor einigen Jahren am Immobilienmarkt.

Die Aussicht auf klare Verhältnisse in der US-Geldpolitik stützte die Wall Street. Börsianer sprachen von einem Signal der Kontinuität. „Sie hat klargemacht, dass die bisherige geldpolitische Strategie fortgesetzt wird und dass sie die Probleme im Blick hat“, sagte Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank.

Die Märkte rechnen nicht vor Frühjahr 2015 mit einer Zinserhöhung. Die Fed hält den Schlüsselzins nunmehr bereits seit Ende 2008 mit null bis 0,25 Prozent extrem niedrig. Sie hatte zunächst signalisiert, dass sie über eine Erhöhung nachdenken will, sobald die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gefallen ist. Da diese Quote nun bereits in greifbare Nähe gerückt ist, will die Fed jedoch „noch längere Zeit“ stillhalten und der Wirtschaft mehr Zeit für eine durchgreifende Erholung geben. Yellen sieht sich durch den zuletzt eher mauen Stellenaufbau bestätigt. Sie betonte, die Kältewelle habe zwar zu dieser Schwäche beigetragen, doch sei der Jobmarkt auch ohne den Wetter-Effekt bei weitem noch nicht kraftvoll genug.

Yellen dämpfte zugleich die Furcht, dass die Krise vieler Schwellenländer der US-Konjunktur gefährlich werden könnte (mehr zur Krise der Schwellenländer – hier). Die jüngsten Währungsturbulenzen seien „kein wesentliches Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick“. Durch die etwas straffere US-Geldpolitik ist es zu der Kapitalflucht aus Schwellenländern wie der Türkei und Brasilien gekommen, die sich mit Zinserhöhungen gegen den Verfall ihrer Währungen stemmen. Die USA sind wegen der anziehenden Konjunktur für Anleger wieder attraktiver geworden. Darauf haben die Investoren an den Märkten reagiert.

 

Kommentare

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  1. Michael Semmler sagt:

    „Die Märkte rechnen…“ oder „Die Märkte erwarten“ oder gar „Die Märkte fühlen sich…“ das kann ich schon gar nicht mehr hören! Hier wird ein Instrument personifiziert damit man dieses menschenverachtende System weiterhin am Leben erhalten kann. Was die „Märkte“ wollen, bedürfen oder erwarten ist mir einfach völlig egal. Solange es auf diesem Planeten Menschen gibt, die hungern, dürsten und frieren, solange Menschen trotz Vollarbeitszeit mit Ihrem Geld nicht mehr klarkommen, solange der Ressourcenausbeutung unserer Natur zugunsten der „Märkte“ nicht aufhört, ist es mir „wurscht“ was die Märkte „denken!“

  2. ios sagt:

    Schwellenländer,an erster stelle Brasiliens Präsidentin,hat Merkel immer dazu gedrängt die Schleusn zu öffnen und wie die FED lockere Geldpolitik zu betreiben.Jetzt haben Schellenländer mächtiged Problem ,und das international „isolierte Deutscchland“ hatte Recht

  3. Nigné sagt:

    http://www.ef-magazin.de/2014/02/12/4958-federal-reserve-geldmagier-auf-schmalem-grat

    Ihre Rolle als „lender of the resort“ wird die Fed jedoch auch unter Janet Yellen keinesfalls aufgeben. Zwar betonte diese, dass die Anleihenkäufe im Laufe des Jahres 2014 auf Null zurückgefahren werden sollen, doch sie stellte auch fest, dass aus dem Zauberhut der Zentralbank jederzeit wieder frische Dollars quellen können, falls sich die wirtschaftliche Lage verschlechtern sollte. Damit garantiert sie Barack Obama viele weitere Regierungsmonate auf Pump. Sollten ihm institutionelle Anleger Kredite aufgrund eines wachsenden Misstrauens in die Zahlungsfähigkeit des Staates eines Tages verweigern, wird die Fed wieder einspringen und die bunt bedruckten Schuldverschreibungen aus Washington aufkaufen.

  4. gfb sagt:

    Und in ein paar Tagen wird wieder fleißig Geld gedruckt und die Schuldengrenze erhöht! Die USA und die meisten Staaten sind bankrott. Wer ist so blöd und flüchtet mit seinem Kapital in Länder mit hoher Inflation? Alles nur Propaganda! Damit lässt sich der Crash nicht mehr verhindern. Gold ist bald ausverkauft! Dann sollte das Finanz… Schneeballsystem die kritische Masse erreicht haben und kollabieren.

    • Hans von Atzigen sagt:

      Absolut richtig das gibt dann nicht ,,nur,, eine TNT Detonation.
      Wie schon so, all zu oft, in der Menschheitsgeschichte.
      Das gibt eine Nukleardetonation.
      Die Menschheit lebt auch Ökonomisch im Atomzeitalter.
      Freundliche Grüsse